Kann man eine MS sicher von einer Borreliose unterscheiden?

Nein. Das ist zumindest die Ansicht einiger Experten. Es gibt zwar definierte Diagnosekriterien für die Multiple Sklerose (MS), also Hinweise, die auf eine MS hindeuten. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Symptome, oder spezielle Veränderungen auf MRT-Aufnahmen des Gehirns. Doch alle diese Hinweise können theoretisch auch bei der Borreliose auftreten. Exakter gesagt bei der Neuroborreliose, wenn also die Infektionskrankheit Borreliose die Nerven befällt.

Zwei Erkrankungen, beide uneindeutig

Genau wie die Multiple Sklerose ist auch die Neuroborreliose nicht immer zweifelsfrei nachweisbar bzw. auszuschließen. Bei beiden Erkrankungen kommt es zu neurologischen Symptomen und beide Erkrankungen können Schäden (Läsionen) im zentralen Nervensystem verursachen, die sich mit der Magnetresonanztomografie (MRT-Aufnahmen) nachweisen lassen. Auch die Untersuchung der Hirnflüssigkeit (Liquor) kann keine eindeutigen Hinweise auf eine der beiden Erkrankungen liefern. Untersuchungsergebnisse, die sich bei der Multiplen Sklerose finden, finden sich also unter Umständen auch bei der Neuroborreliose.

Aber was wäre, wenn...

Bedeutsam ist diese Frage vor allem deshalb, weil es für die Betroffenen einen großen Unterschied macht, ob sie eine MS oder eine Borreliose haben. Während die Multiple Sklerose als unheilbar gilt und tendenziell eine lebenslange Behandlung mit Immunblockern notwendig macht, ist eine Borreliose möglicherweise durch eine einmalige Antibiotika-Kur heilbar.

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Uns ist natürlich bewusst, dass dieses Thema "MS oder Borreliose" sehr umstritten ist. Und dass Schulmediziner die diagnostische Unsicherheit weitgehend für Unsinn halten. Dabei übersehen sie aber unseres Erachtens, dass es letztlich für die MS keinen eindeutigen Beweis gibt. Es handelt sich bei der MS unterm Strich um eine Verlegenheitsdiagnose, beruhend auf einer Symptom-Ansammlung unklarer Herkunft, vor allem chronischen Nervenschäden. Solange man aber nicht weiß, was die Multiple Sklerose eigentlich ist bzw. woher sie kommt (die MS ist übrigens deutlich häufiger in den westlichen Industrienationen), sollte man unserer Meinung nach die Tür für alternative Erklärungen offen lassen. Umso mehr, wenn, wie im Falle der Borreliose, daraus ein alternativer Behandlungsansatz entsteht.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann & Dr. med. Jörg Zorn

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