Was kann eine Reflexzonentherapie bei MS bewirken?

Bei der Reflexzonenbehandlung werden gezielt bestimmte Körperstellen aufgesucht und massiert, die laut Theorie Muskeln und innere Organe repräsentieren. Ob dieses fernöstliche Heilverfahren bei der Multiplen Sklerose wirksam ist, lässt sich nicht sicher sagen.

Die Theorie dahinter

Der Ansatz der Reflexzonentherapie ist folgender: Der gesamte Mensch ist demnach über bestimmte Zonen beispielsweise im Fuß oder in der Hand abgebildet. Alle inneren Organe und Strukturen des Bewegungsapparates werden dort noch einmal repräsentiert.

Dadurch soll es möglich sein, etwa über die Fußbehandlung Bereiche zu erfassen, die sonst möglicherweise nicht so gut zugänglich wären. Anders herum sollen sich – dieser Methode zufolge – wiederum Organveränderungen, Krankheiten und dergleichen am Fuß bemerkbar machen, etwa wenn bestimmte Stellen auffällig verhärtet oder schmerzhaft sind. Auch bei der Multiplen Sklerose werden mitunter Reflexzonen behandelt.

US-Neurologen-Gesellschaft schließt Wirkung nicht aus

Richtlinien der größten Neurologen-Gesellschaft in den USA (American Academy of Neurology, kurz AAN) aus dem Jahr 2014 halten eine positive Wirkung der Reflexzonentherapie nach Auswertung verschiedener Studien für möglich – allerdings nur bei Missempfindungen der Haut und nicht bei krankheitsbedingter chronischer Müdigkeit (Fatigue), Depressionen, Angstzuständen oder Schmerzen.

Effekt auf Müdigkeit und Schmerzen

Im Hinblick auf die Fatigue und die Schmerzen kamen Forscher im Iran jedoch zu einem anderen, durchaus vielversprechenden Ergebnis, das sie 2015 und 2016 publizierten. 75 MS-Erkrankte wurden zufällig in drei Gruppen unterteilt: Bei der einen Gruppe stand die Fußreflextherapie im Mittelpunkt, bei der zweiten Entspannung (konkret "Progressive Muskelentspannung nach Jacobson"), die dritte Gruppe diente der Kontrolle.

Die Behandlungen bzw. die Entspannungsübungen erfolgten zweimal pro Woche für jeweils 40 Minuten, die Kontrollgruppe erhielt stattdessen ärztliche (Routine-)Behandlungen. Die Erhebung lief über einen Zeitraum von einem Monat.

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Letztlich wurde deutlich, dass sowohl das Entspannungstraining als auch die Fußreflexzonenbehandlung die Müdigkeit verringern konnten. Die Reflexzonenbehandlung war dabei aber effektiver. Auch die Schmerzen gingen in der Reflexzonen-Gruppe stärker zurück als in der Entspannungsgruppe. Nach Einschätzung der Forscher sind also beide Methoden empfehlenswert, um Fatigue und Schmerzen bei den Betroffenen zu lindern.

Mögliche Linderung von Blasen-, Motorik- und Sensibilitätsstörungen

Wissenschaftler in Taiwan zogen verschiedene Erhebungen heran, um die Wirksamkeit der Reflexzonenmassage bei MS zu prüfen. Das Ergebnis fiel eher zurückhaltend aus – mit einer Ausnahme: Nach Angaben der Forscher gibt es Anhaltspunkte dafür, dass sich die Reflexzonenmassage positiv auf Probleme der Harnwege im Rahmen der Multiplen Sklerose auswirkt.

Aus anderen Artikeln geht hervor, dass diese Behandlungsform sowohl bei Blasenbeschwerden als auch bei Störungen der Sensibilität und der Motorik Linderung bringen kann. Autoren der Stiftung Warentest bestätigten 2005 in dem Buch "Die Andere Medizin", dass die therapeutische Wirksamkeit der Fußreflexzonenmassage zur symptomatischen Therapie der Multiplen Sklerose belegt und das Verfahren als "geeignet" zu bewerten sei.

Gezielte Reflexbehandlung versus Scheinmassage

Spannend ist eine Studie in Nordirland, deren Ergebnisse 2009 veröffentlicht wurden. Dabei wurden mehr als 70 Probanden einmal pro Woche massiert, insgesamt zehn Wochen lang. Allerdings wurde bei einer Gruppe nur eine Scheinreflexzonenmassage durchgeführt, während bei der anderen Gruppe gezielt bestimmte Punkte und Zonen an den Füßen stimuliert wurden.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass sich Müdigkeit, Depressionen, Krämpfe und die Lebensqualität in beiden Gruppen signifikant besserten. Ein ähnliches Fazit zogen Wissenschaftler fünf Jahre später in Schottland. Auch hier wirkten sich die Behandlungen allgemein positiv aus – egal, ob sie gezielt Reflexpunkte ansteuerten oder ohne bestimmtes Konzept vollzogen wurden. Diesmal waren nur 20 Teilnehmer dabei.

Wohltuend und gut verträglich

Deutlich wurde bei den Untersuchungen, dass die Reflexzonentherapie normalerweise nicht schadet und keine negativen Auswirkungen hat. Im Gegenteil: Die Betroffenen vertrugen die Behandlungen in der Regel gut. Laut Stiftung Warentest fällt eine Nutzen-Risiko-Abwägung daher positiv aus.

Welche möglichen Vorteile und positiven Auswirkungen die Therapie nun konkret für Menschen mit MS bringt, scheint im Einzelnen noch nicht geklärt. Immerhin gibt es aber Hinweise dafür, dass eine Fußmassage durchaus sinnvoll sein kann.

Autorin: Anna Brockdorff

 

Studien:

  • Hughes CM et al.: Reflexology for the treatment of pain in people with multiple sclerosis: a double-blind randomised sham-controlled clinical trial. Mult Scler. 2009 Nov;15(11):1329-38.
  • Mackereth PA et al.: Reflexology and progressive muscle relaxation training for people with multiple sclerosis: a crossover trial. Complement Ther Clin Pract. 2009 Feb;15(1):14-21.
  • Miller L et al.: Evaluation of the effects of reflexology on quality of life and symptomatic relief in multiple sclerosis patients with moderate to severe disability; a pilot study. Clin Rehabil. 2013 Jul;27(7):591-8.
  • Nazari F et al.: Comparing the effects of reflexology and relaxation on fatigue in women with multiple sclerosis. Iran J Nurs Midwifery Res. 2015 Mar-Apr;20(2):200-204.
  • Nazari F et al.: A comparison of the effects of reflexology and relaxation on pain in women with multiple sclerosis. J Complement Integr Med. 2016 Mar;13(1):65-71.
  • Stiftung Warentest (Hrsg.): Die Andere Medizin – „Alternative“ Heilmethoden für Sie bewertet. 5. neu überarbeitete Auflage, Berlin 2005.
  • Wang MY et al.: The efficacy of reflexology: systematic review. J Adv Nurs. 2008 Jun;62(5):512-20.
  • Yadav V et al.: Summary of evidence-based guideline: complementary and alternative medicine in multiple sclerosis: report of the guideline development subcommittee of the American Academy of Neurology. Neurology. 2014 Mar 25;82(12):1083-92.
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