Welchen Effekt haben Kneipp-Bäder auf die Multiple Sklerose?

Die Therapie der Multiplen Sklerose ist vielschichtig. Neben Medikamenten geht es auch darum, den Beschwerden mit Gymnastik und Massagen entgegenzuwirken. Kneipp'sche Güsse können ein Baustein des Behandlungskonzeptes sein. Das Kneipp-Verfahren ist eine langbewährte Methode, die verschiedene Effekte hat.

Kneipp-Anwendungen fördern natürliche Kortisonproduktion

Die kalten Güsse führen dazu, dass den Betroffenen gymnastische Übungen häufig leichter fallen. Damit bieten die Kneipp-Anwendungen eine gute Ergänzung zur Bewegungstherapie insgesamt. Sinnvoll können kalte Güsse auch sein, wenn Sie einen niedrigen Blutdruck und dadurch Kreislaufprobleme haben.

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Es gibt aber noch einen weiteren Mechanismus, der durch die Kneipp'schen Güsse in Gang gesetzt wird. Durch die Güsse werden an den körperfernen Stellen Kältereize gesetzt. Das löst wiederum im Gehirn eine Reaktion aus, die die Körpertemperatur steigert. Dadurch wird das Hormons ACTH vermehrt ausgeschüttet. Bei diesem Botenstoff handelt es sich um das sogenannte Adrenocorticotropin. Bei genauem Hinsehen merken Sie schon: "cortico" hat mit Kortison zu tun. Genau dieses Kortison wird vermehrt produziert, wenn ACTH steigt.

Alles eine Frage der Dosis

Das bedeutet also letztlich: Im Idealfall können die kalten Güsse vom Prinzip her eine ähnliche Wirkung erzielen wie von außen zugeführtes Kortison. Allerdings spielt beim Kortison die Dosis eine wichtige Rolle. Insofern lassen sich Kortison-Präparate nicht einfach durch solche Verfahren ersetzen. Dennoch ist es natürlich hilfreich, die körpereigene Kortisonproduktion durch natürliche Verfahren zu unterstützen.

Kneipp-Güsse in speziellen Zentren oder zu Hause

Es gibt verschiedene Zentren und Einrichtungen, die gezielt Kneipp-Anwendungen anbieten. Sie können aber auch zu Hause schon einiges tun, z.B. mit Wechselduschen – am ganzen Körper oder in einer etwas abgespeckten Variante nur an Armen und Beinen.

Dabei duschen Sie abwechselnd mit warmem und kaltem Wasser, wobei die warmen Phasen länger sind als die kalten. Unabhängig davon, wieviele Durchgänge Sie machen: Beendet werden sollte der ganze Vorgang mit kaltem Wasser. Wichtig ist, dass Sie beim kalten Abduschen "herzfern" beginnen, am besten in dieser Reihenfolge: zuerst rechtes, dann linkes Bein; anschließend erst rechter, dann linker Arm, schließlich gegebenenfalls Brust, Bauch, Nacken und Gesicht.

Autorin: Anna Brockdorff

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