Was bringt die Hippotherapie bei Multipler Sklerose?

Die Hippotherapie ist eine u. a. bei der MS eingesetzte Form der Krankengymnastik mit speziell ausgebildeten Pferden. Die Betroffenen sitzen während der Therapie in der Gangart "Schritt" auf dem Pferderücken.

Die vom Pferd ausgelösten dreidimensionalen Bewegungen übertragen sich auf das Becken der sitzenden Person und lösen dadurch Impulse aus, die die Haltung und das Gleichgewicht trainieren sowie die Muskelspannung regulieren.

Hippo kann noch mehr

Neben den klassischen Anwendungsgebieten wie Spastik und Gleichgewichtsstörungen kann die Hippotherapie bei der Multiplen Sklerose aber noch einiges mehr bewirken. Durch die Aktivierung der Hüftbeuge-, der Bauch- und der gesamten Rumpfmuskulatur kann beispielsweise auch die Funktion geschwächter Muskelgruppen bei Paresen (unvollständige Lähmung) verbessert werden.

Ein weiterer positiver Aspekt der Hippotherapie bei MS-Erkrankten ist die Stärkung der Psyche und somit gleichzeitig die Vorbeugung gegen Depressionen. Sei es durch den direkten Tierkontakt, durch das Streicheln und Füttern oder durch den Aufenthalt hoch zu Ross in der Natur – die Hippotherapie sorgt bei den Betroffenen in vielerlei Hinsicht sowohl für ein besseres körperliches als auch seelisches Wohlbefinden.

Die positiven Effekte der Hippotherapie bei Multipler Sklerose lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Kräftigung der Rumpfmuskulatur
  • Aktivierung der Becken-, Hüft- und Lendenmuskulatur
  • bessere Koordination von Rumpf- und Beinmuskulatur
  • Normalisierung der Muskelspannung, dadurch weniger schmerzhafte Spastiken
  • Verbesserung des Gleichgewichts
  • Erhöhung der Ausdauer im Alltag, schnellere Ganggeschwindigkeit
  • Schulung der Wahrnehmung
  • Steigerung des Selbstvertrauens
  • Abnahme der Therapiemüdigkeit
  • mehr Lebensfreude und Lebensqualität

Praktischer Ablauf

Eine Hippotherapie-Sitzung dauert zwischen 20 und 30 Minuten, wobei das Auf- und Absitzen (ggf. mit Hilfsmitteln) bereits einen Teil der Therapie darstellt. Um eine Spastik zu verhindern, sitzen die Betroffenen mit deutlich gespreizteren Beinen als beispielsweise auf einem Stuhl oder beim klassischen Reiten.

Es stehen verschiedene Sättel zur Verfügung, die je nach Beschwerdesymptomatik für eine optimale Bewegungsübertragung sorgen sollen. Während der gesamten Therapiezeit führt ein Pferdeführer das Tier im Schritt am langen Zügel. Der Hippotherapeut geht gleichzeitig neben dem Pferd her und kann sich so voll und ganz auf den Betroffenen konzentrieren und die Bewegungsübertragung regulieren.

Nicht bei jedem einsetzbar

Leider ist die Hippotherapie nicht für jeden MS-Betroffenen geeignet. Es gibt einige Gegenanzeigen, die den Einsatz dieses Behandlungsverfahrens limitieren können.

Die Hippotherapie soll u.a. nicht angewendet werden bei:

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  • Entzündungen der Wirbelsäule, akutem Bandscheibenvorfall
  • extremen Abweichungen von der normalen Wirbelsäulenform
  • schweren Herzerkrankungen
  • nicht ausreichend eingestelltem Blutdruck, Kreislaufproblemen
  • medikamentös nicht gut eingestellter Epilepsie
  • Allergie gegen Pferdehaar oder Heu
  • instabilen Knochenbrüchen

Gut und teuer

Ein Wehmutstropfen bei der ganzen Sache ist: Trotz vieler positiver Praxisbeispiele werden die Kosten für eine Hippotherapie bislang noch nicht regulär von den Krankenkassen übernommen. Geben Sie aber nicht gleich auf, es lohnt sich, dranzubleiben und im Einzelfall immer nachzufragen.

So wird derzeit wohl – auf Grundlage der im August 2017 veröffentlichten Daten der "MS-HIPPO"-Studie – eine Neubewertung der Hippotherapie durch den G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) angestrebt, die dann idealerweise zur Kostenübernahme führt.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

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