Kann die MS auch eine neue Chance bedeuten?

Ja, es gibt durchaus viele MS-Betroffene, die darüber berichten, dass die Erkrankung einen neuen Menschen aus ihnen gemacht habe. Sie schildern, dass sie die MS leichter akzeptieren können, seit sie sie als Stärke und nicht nur als Last ansehen.

Aus dem Leben gerissen

Wer kennt das nicht? Tagtäglich ist man in seinem Trott, verschiebt Aufgaben und Vorhaben von heute auf morgen, regt sich ständig über irgendwelche Kleinigkeiten auf, überträgt Probleme anderer auf sich selbst und träumt einem Leben hinterher, das man sich zu leben jedoch nicht traut.

Dann die Schockdiagnose: Multiple Sklerose. Von einem Tag auf den anderen steht das Leben auf dem Kopf, nichts ist mehr, wie es war. Neben den körperlichen Einschränkungen und Beschwerden sorgt vor allem die Ungewissheit über den Verlauf dieser Krankheit bei vielen für Verzweiflung.

Wie soll es weitergehen? Kann ich meinen Alltag wie bisher bewältigen? Schaffe ich es, den beruflichen und familiären Anforderungen noch nachzukommen?

Die Welt mit anderen Augen sehen

Nicht selten sind es diese unerwarteten Ereignisse bzw. Schicksalsschläge, die manch einen innehalten und über die bisherige Lebensweise nachdenken lassen. So paradox das zunächst klingen mag, auch MS-Betroffene bestätigen, dass ihnen die Erkrankung rückblickend nicht nur mehr Kraft, sondern teilweise auch mehr Lebensqualität gegeben habe. Und zwar trotz der oft schweren und vielfältigen Begleitsymptomatik.

"Man lernt, sich mehr um sich selbst zu kümmern, sich nicht mehr um die Probleme anderer zu scheren und Dinge zu tun, die man sich zuvor nicht zugetraut hätte", so die Worte von Betroffenen. Die angeschlagene Gesundheit dient vielen mit einem Mal als Ausgangspunkt für eine neue Sichtweise auf das eigene Leben und die Welt drumherum.

Die MS als echte Chance

Doch wie genau soll das funktionieren? Wie kann eine chronische, nicht heilbare Erkrankung wie die MS konkret dafür sorgen, dass man sich stärker als zuvor fühlt und lernt, Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind? Wie lässt sich die Multiple Sklerose mit den Worten Glück und Zufriedenheit vereinbaren?

Anhand der persönlichen Erfahrungen und Schilderungen von MS-Betroffenen haben wir nachfolgend einige Punkte für Sie zusammengestellt, die aufzeigen, wie sich diese Erkrankung durchaus auch positiv auf Ihr Leben auswirken kann.

Gründe, warum die MS Sie stärker und glücklicher machen kann:

  • Wer MS hat, weiß, was "echtes Leid" bedeutet, und kann viel gelassener über andere Alltagsschwierigkeiten hinwegsehen.
  • Die MS lässt Sie relaxter und selbstsicherer werden. Sie lernen, sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen zu lassen, nicht jedem Impuls nachzugeben und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
  • Durch die MS erfährt man wahre Freundschaft, Rückhalt und Stärke – wenn Hilfe und Unterstützung am nötigsten sind, bemerkt man schnell, wer wirklich zu einem steht und auf wen man sich verlassen kann.
  • Die MS lehrt einen, echte Dankbarkeit zu empfinden für das, was man hat (z. B. Familie, Freunde) und noch alles gemeinsam erleben und machen kann.
  • Durch die MS lernt man sich, seinen Körper und die eigenen Bedürfnisse besser kennen.
  • Die MS bringt Sie dazu, Ihre Träume und Pläne zeitnah zu verwirklichen sowie das Leben bewusster und intensiver zu genießen.

Es zählt immer noch der Einzelne

Selbstverständlich kann sich nicht jeder mit diesen Worten bzw. mit den geschilderten positiven Erfahrungen identifizieren. Für viele Betroffene kann der Verlauf der MS auch so ausgeprägt und schwerwiegend sein, dass sie eher wie eine Farce klingen und nicht wie eine Perspektive.

Klar ist, jeder Mensch ist anders, und auch die MS kann individuell sehr stark variieren. Die Erkrankung als mögliche neue Chance im Leben zu titulieren, soll vor allem als Ermutigung dienen, sich von der Diagnose nicht unterkriegen zu lassen.

Es geht letztendlich also um die Einstellung zum Leben selbst, um persönliche Bewältigungsstrategien im Umgang mit der Krankheit, um Vertrauen, Akzeptanz, positives Denken, Zuversicht und Geduld.

Autorin: Dr. med. Sonia Trowe

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
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