MS: Neue und überraschende Studiendaten zum Thema CCSVI

Seit einigen Jahren werden immer wieder spezielle Venenverengungen im Kopf-Hals-Bereich als Risikofaktor für MS diskutiert und erforscht. Im Fachtitel Lancet ganz aktuell veröffentlichte Studienergebnisse nehmen dieser These nun deutlich Wind aus den Segeln. Die Annahme „seltene Venenverengung gleich hohes Risiko für MS“ kann zumindest in dieser einfachen Form nicht gelten.

In einer kanadisch-US-amerikanischen Untersuchung wurden 177 Menschen umfassend und nach neuesten Standards bezüglich der sogenannten chronischen cerebro-spinal venösen Insuffizienz (CCSVI) untersucht. Die Gruppe setzte sich zusammen aus 67 Patienten mit schubförmiger MS, 12 mit progredienter MS, 55 gesunden Geschwistern dieser Patienten sowie 43 gesunden anderen Kontrollpersonen ebenfalls ohne MS.

Gesunde Kontrollpersonen hatten genauso oft Venenverengungen

Zusammenfassend zeigte sich zweierlei:

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  • Die bisher in solchen Studien meist verwendete Ultraschallmethode zur Diagnose einer CCSVI ist sehr ungenau und sollte unbedingt durch eine sogenannte Katheter-Venographie ersetzt werden.
  • Mithilfe eben dieser Katheter-Venographie wurde wiederum festgestellt, dass CCSVI ganz andere Häufigkeiten aufweist als bisher angenommen: dass sie nämlich sehr oft und bei gesunden Vergleichsgruppen durchschnittlich mindestens genauso oft vorkommt wie bei MS-Betroffenen.

Die Forscher sehen damit einen weiteren Beweis, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen dieser speziellen Venenverengung und der Entwicklung einer Multiplen Sklerose gebe.

Zugrundeliegende Studie:

Prevalence of extracranial venous narrowing on catheter venography is similar in people with MS, their siblings, and unrelated healthy controls: a blinded case-control study. The Lancet, 2013 Oct 8

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: CCSVI – Venenverengung im Kopfbereich keineswegs MS-spezifisch

Seit der italienische Arzt Dr. Zamboni 2009 einen Zusammenhang zwischen bestimmten Venenverengungen im Kopf-Hals-Bereich und der Entstehung einer MS formulierte, wird diese Theorie immer wieder untersucht.

Die vorliegende Studie ist in doppelter Hinsicht bedeutsam: Zum einen überprüft sie kritisch, ob die bisherigen Messinstrumente überhaupt geeignet genug sind. Zum anderen zeigt sie, dass mit der empfindlicheren Methode gänzlich andere Ausgangsdaten zu gewinnen sind.

Bisher wurde angenommen, dass diese speziellen Venenverengungen sehr selten und vermehrt bei MS-Patienten nachweisbar seien. Durch „Venographie statt Ultraschall“ wurde klar, dass diese sogenannte CCSVI mit rund 70% (!) sehr viel häufiger war als bisher angenommen. Und diese bei Kontrollpersonen vor allem ebenso oft auftrat wie bei MS-Patienten!

Es ist natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen, dass es trotzdem Verbindungen gibt. Diese wären dann aber deutlich komplexer, als es mit einem einfachen Ultraschallgerät klärbar ….und mit einem eventuell folgenden operativen Eingriff lösbar wäre.

Dr. med. Katharina Buch

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