HIV-Infizierte erkranken verhältnismäßig selten an MS

In einer großangelegten britisch-australischen Studie konnte gezeigt werden, dass mit HIV infizierte Menschen im Vergleich zu Nicht-Infizierten signikant reduzierte MS-Raten aufwiesen. Bei der Untersuchung wurden die Daten von 21.207 HIV-Patienten einem Kontrollkollektiv von über 5 Millionen Menschen gegenübergestellt und analysiert.

Die Erhebung konnte allerdings nicht nachweisen, ob die Ergebnisse aufgrund der Infektion selbst sowie deren massiven Auswirkrungen auf das Immunsystem resultierten oder aber, ob sie durch die antivirale Therapie bedingt waren. Nahezu alle Patienten mit der Immunschwäche bekamen Medikamente. Wirkstoff und Dosierung wurden aber für diese Studie nicht gesondert festgehalten oder ausgewertet.

Mehr als 10 Jahre Stillstand der Multiplen Sklerose

Die vorliegende Studie sollte eine 2011 gemachte Beobachtung überprüfen: Ein MS-Betroffener, der gleichzeitig HIV-infiziert war und deswegen eine antivirale Medikation bekam, zeigte über mindestens 10 Jahre keinerlei neurologische Krankheitsaktivität mehr. Die Multiple Sklerose schien dort zum Stillstand gekommen sein – was die behandelnden Ärzte natürlich aufhorchen ließ.

Eine daraufhin gestartete Studie mit immerhin 5.000 HIV-Patienten zeigte bei denen ebenfalls eine verminderte Krankheitsrate. Die aktuelle Studie bestätigt den Zusammenhang in noch deutlicherem Maße.

Zugrundeliegende Studie:
Journal of Neurology Neurosurgery and Psychiatry (published online August 4).

KOMMENTAR:

Größe, Signifikanz und Reproduzierbarkeit der vorliegenden Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass tatsächlich ein gegenläufiger Zusammenhang zwischen einer HIV-Infektion und einer MS-Erkrankung besteht. Spannend und wichtig wäre es natürlich, in weiteren Untersuchungen die genauen Gründe herauszufinden. Ob nun aber die HIV-Infektion selbst oder aber die antivirale Behandlung diese Effekte hat... dieses wissenschaftliche Puzzleteilchen stützt auf jeden Fall die Hypothese, dass Viren bei Entstehung und Verlauf der Multiplen Sklerose möglicherweise doch eine entscheidende Rolle spielen.

Autor: Dr. med. Monika Steiner

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