Gute und schlechte Fresszellen: Neue Erkenntnisse in der MS-Forschung

US-Amerikanischen Wissenschaftlern gelangen jüngst möglicherweise wegweisende Entdeckungen in der MS-Forschung: Makrophagen, eine bestimmte und zentral wichtige Form von Immunzellen, existieren offenbar in zwei entgegengesetzt wirkenden Arten. Die „gute“ Form dieser, auch als „große Fresszellen“ bekannten, Zellen schützt dabei offenbar die Nervenfasern vor körpereigenen Angriffen, wohingegen die „schlechten“ diese selbst zerstören.

Aufgrund dieses bisher unbekannten Ansatzes könnten künftig MS-Therapien entwickelt werden, welche die „schlechten Makrophagen“ gezielt angreifen und die „guten“ explizit schonen bzw. fördern.

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Bei der MS-ähnlichen Erkrankung EAE (experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis) zeigte sich in einem Mäuse-Experiment, dass Makrophagen eine wichtige Rolle bei den Immunattacken spielten. So korrelierte Art und Anzahl der Makrophagen direkt mit der Schwere der Erkrankung. Obwohl der genaue Mechanismus noch nicht bekannt ist, treiben wohl bestimmte Fresszellen die EAE durch Zerstörung der schützenden Myelin-Ummantelung der Neurone voran.

Modernste Mikroskopie-Methoden erlauben wichtige Differenzierung

Manche Makrophagen bilden sich aus Hirnzellen (sogenannte Makroglia), während sich andere Makrophagen aus dem Blut differenzieren und diverse Aufgaben erfüllen (sog. Monozyten). Die Forscher fanden nun heraus, dass bei der MS eben diese aus Makroglia hervorgegangenen Fresszellen schützende Funktionen erfüllen, während diejenigen aus dem Blut eben jene zerstörerischen Eigenschaften auf die Nervenzellen haben. Diese „schlechten Makrophagen“ hafteten sich im Experiment auch vermehrt an die sogenannten Ranvierschen-Schnürringe an (also an diejenigen Nervenabschnitte, die für eine schnelle Impuls-Weiterleitung zuständig sind). Dieses könnte auch entsprechende Veränderungen bei der MS-Erkrankung erklären.

Erstmals war es den Forschern nun gelungen, diese beiden Makrophagen-Arten und ihre Aktivitäten mithilfe einer neuen Mikroskopie-Methode (3D high resolution) zu unterscheiden.

Zugrundeliegende Studie:

The Journal of Experimental Medicine (published online July 7, 2014)

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: MS-Forscher differenzieren erstmals Immunzelle mit schädigender bzw. schützender Funktion

Schwer zu sagen, ob die Ergebnisse dieser Untersuchung künftig eine entscheidende Bedeutung in der MS-Forschung haben werden. Tatsache ist aber, dass die effizientesten Therapien in der Medizin meist dort entwickelt werden, wo man Kenntnisse über genau solche Differenzierungen zwischen schädigenden bzw. schützenden Faktoren hat. Nur dann ist es möglich, Arzneistoffe zu erstellen, die ganz gezielt wirken und, die auch das körpereigene Regenerierungspotential voll ausschöpfen.

Leider wird es wohl auch hier noch ein paar Jahre dauern, bis man mehr weiß...

Dr. med. Monika Steiner

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