Sexualhormon Östrogen birgt offenbar unerforschtes Potential in der MS-Behandlung

Frauen mit schubförmiger Multipler Sklerose könnten eventuell von einer Kombination aus einem Östrogenpräparat (Östriol) und dem seit langem angewandten und bewährten Arzneimittel Glatirameracetat profitieren, so das Ergebnis einer neuen US-Amerikanischen Studie. Hierbei zeigte sich ein positiver Effekt sowohl auf die Schubrate als auch auf den Krankheitsfortschritt der Probandinnen.

Bei dieser Untersuchung bekamen 164 MS-Patientinnen zwischen 18 und 50 über einen Zeitraum von zwei Jahren in Tablettenform entweder das Östrogenpräparat Trimesta® oder aber ein Scheinmedikament (Plazebo). Zudem nahmen alle das Arzneimittel Glatirameracetat (Handelsname Copaxone®), welches einmal täglich unter die Haut gespritzt wird. Trimesta® enthält den Wirkstoff Östriol (Estriol). Das ist eine auch im Körper vorkommende Östrogen-Variante, die das aber schwächer wirksam ist als Östrogen selbst.

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Insbesondere im ersten Jahr zeigte sich eine deutliche Reduktion der Schübe. Auch andere klinische Parameter wie die kognitive Leistung (z.B. Merkfähigkeit) oder der Beeinträchtigungsgrad auf der sogenannten EDSS-Skala entwickelten sich mit dieser Medikamenten-Kombination signifikant positiver als bei der Vergleichsgruppe. Im zweiten Jahr waren diese Unterschiede allerdings nicht mehr ganz so groß....

Zugrundeliegende Studie:

Studie ist noch nicht publiziert, wurde aber auf dem Annual Meeting of the American Academy of Neurology 2014 im Vorfeld vorgestellt

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Ist Östrogen ein wichtiger Schlüssel beim Verständnis der Multiplen Sklerose?

Dass Östrogen auch immunologisch wirksam sein kann, ist keine unplausible Annahme. Schließlich beobachtet man auch, dass schwangere MS-Betroffene in den letzten Monaten vor der Geburt – wenn also der Östrogenspiegel am höchsten ist – meist deutlich weniger Schübe haben. Auch die Tatsache, dass Frauen doppelt so häufig an MS erkranken wie Männer, könnte eventuell auch vom Zusammenspiel der verschiedenen Hormone (mit)beeinflusst sein.

Wie so oft bei MS: Man weiß es leider nicht genau...

Einschränkend muss auch gesagt werden, dass es sich um eine sogenannte Phase-II-Studie handelt, also um ein relativ frühes Teststadium. Weitere Studien wären dringend erforderlich, um hier verbindliche Aussagen zu machen.

Mein Fazit: Das Thema ist trotzdem spannend und nicht zu Unrecht in der Fachwelt gerade heiß diskutiert.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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Kommentare (7)
MS und Östrogen
7 Mittwoch, den 20. Juli 2016 um 08:49 Uhr
Ich bin 48 Jahre alt und habe seit meinem 19. Lebensjahr MS. Es ging mir soweit immer relativ gut, nach meinen Schüben erholte ich mich immer fast vollständig.
Seit ca. 2 Jahren bin ich jedoch im Wechsel und seitdem geht es mit meiner MS bergab. Ich habe nun die progrediente Form der MS. Mein Medikament (Avonex) welches ich ca. 20 Jahre gespritzt habe hilft leider auch nicht mehr.
Da ich bis zum Beginn des Wechsels immer die "Pille" genommen habe, war ich auch schon am Überlegen ob ich diese nicht einfach weiter nehmen soll aufgrund des Östrogens!
Bei meinem letzten MS-Kontrolltermin habe ich leider vergessen dies zu fragen.
Freundliche Grüße
B. K.
umgekehrt wird ein Schuh draus
6 Freitag, den 05. Februar 2016 um 19:41 Uhr
Es ärgert mich, dass bei MS immer soviel rum-psychologisiert wird!! Bei Diabetes oder Krebs fragt auch keiner, welche Psychomacke dazu geführt hat. Es ist doch eher offensicchtlich, dass chronische Krankeiten wie MS, denen man mehr oder weniger hilflos ausgeliefert ist, auch Aggressionen oder Autoaggressionen auslösen können - und nicht umgekehrt!
Peter
deine Theorie ist doch Quatsch
5 Freitag, den 05. Februar 2016 um 19:40 Uhr
Hallo Christina,
sorry, aber das ist doch Schwachsinn! Überall auf der Welt leben Menschen in furchtbaren, wütendmachenden Verhältnissen und Beziehungen ohne sich wehren zu können. Frauen, aber auch Männer. Wenn deine Theorie stimmt, müsste MS überall auf der WElt noch verbreiteter sein. Und vorallemm eben in Ländern mit besonders viel Ausbeutung und Elend. Aber das Gegenteil ist der FAll. Hab letztens gelesen, dass das liberale Kanada das Land mit den meisten MSFällen ist.
Grüße, Ally
unterdrückter Zorn
4 Freitag, den 05. Februar 2016 um 19:20 Uhr
Ich bin ja überzeugt, dass MS was mit Autoaggression zu tun hat. Dass man oder frau zuviel geschluckt hat, zuviel Wut ausgehalten ohne mal zu explodieren oder Grenzen zu setzen. Und ich glaube, dass Frauen hier deshalb eher betroffen sind.
Zeit der Schwangerschaft war gut
3 Freitag, den 05. Februar 2016 um 19:19 Uhr
Stimmt, ich habe mich auch während meiner beiden Schwangerschaften körperlich (und damit auch seelisch) so gut gefühlt, wie vorher und nachher lange nicht.
Trimesta ist ein Östrogen-Präparat
2 Mittwoch, den 03. Februar 2016 um 15:40 Uhr
Hallo Sandra,
um einen groben Fehler handelt es sich hier sicher nicht. Östriol ist eine Variante von Östrogen, der Begriff Östrogen-Präparat wird gängigerweise auch für solche Hormonvarianten verwendet. Wir haben aber gleichwohl die Aussage noch etwas präzisiert.
Viele Grüße
Ihr Navigator-Team
grober Fehler
1 Mittwoch, den 03. Februar 2016 um 14:14 Uhr
Es handelt sich bei Trimestra um ein synthetisches ESTRIOL! Präparat und nicht wie hier publiziert um Estradiol bzw. Östrogen.
Bitte dringend korrigieren
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