MS und Alternativmedizin: Neue Richtlinien zeigen auf, was nachweislich hilft

Die größte Neurologen-Gesellschaft der USA hat mehrere häufig bei MS verwendete Methoden der sogenannten Komplementärmedizin wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Daraus wurden aktuelle Guidelines für Ärzte und Patienten zusammengestellt. Grundlage waren alle verfügbaren Studienergebnisse zu den jeweiligen Themen in Zusammenhang mit der Anwendung bei Multipler Sklerose. Diese wurden von dem Experten-Team sorgfältig geprüft bezüglich Nutzen, Sicherheit, Nebenwirkungen sowie der Frage, für welche Beschwerden die jeweiligen Mittel empfehlenswert bzw. eher ungeeignet seien.

Zum Thema Marihuana finden sich in den Richtlinien beispielsweise folgende Erkenntnisse: Cannabis-Extrakt sowie synthetisch hergestelltes THC (Tetrahydrocannabinol, ein aktiver Bestandteil von Marihuana) reduzieren nachweislich Spastik und Schmerzen, nicht aber MS-bedingtes Zittern (Tremor). Sativex® Mundspray verbessert deutlich die von Betroffenen beschriebene, also subjektiv wahrgenommene Spastik und Schmerzen sowie Häufigkeit des „Wasserlassens“. Wirkungslos war dieses Spray allerdings bei Spastik, die mit ärztlichen Methoden objektivierbar war. Marihuana in inhalativer, also gerauchter Form konnte in den vorhandenen Studien keinerlei signifikanten Effekt zur Linderung von MS-Symptomen (Spastik, Gleichgewichtsprobleme, Schmerzen, Gedächtnisstörungen etc.) zeigen und wird somit eher nicht empfohlen.

Hier in Kurzform noch weitere Auszüge dieser Richtlinien zu diversen Methoden:

Heilpflanzen und MS – einige haben Potential

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  • Ginkgo biloba ist bei MS nicht effektiv zur Reduzierung kognitiver Defizite wie z.B. Gedächtnisstörungen, kann aber gute Dienste bei der Minimierung von Fatigue, also chronischer krankheitsbedingter Müdigkeit, leisten.
  • Auch Magnetresonanztherapie kann bei Fatigue offenbar sehr hilfreich sein.
  • Reflexzonenmassage kann Missempfindungen der Haut mildern, ist aber bei Symptomen wie Schmerz oder auch Fatigue wirkungslos.
  • Eine fettreduzierte Ernährung mit Einnahme von Omega-3-Fettsäuren kann weder Schübe oder Krankheitsfortschritt verhindern, noch die Lebensqualität merklich steigern.

Die kurzgefassten ärztlichen Richtlinien der American Academy of Neurology (AAN) können hier vorab nachgelesen werden (zurzeit leider nur in englischer Sprache):
https://www.aan.com/Guidelines/Home/GetGuidelineContent/644

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Aktuelle Richtlinien bewerten diverse Alternativmethoden bei Multipler Skleros

Dass mit diesen neuen Richtlinien auch die alternativen Heilmethoden fokussiert und bewertet werden, kann man nur begrüßen. Sehr viele Menschen mit Multipler Sklerose nutzen zur Linderung ihrer Symptome Maßnahmen jenseits der Schulmedizin. Hier ist man aber auch heute noch weitgehend auf vage Empfehlungen und subjektive Erfahrungswerte angewiesen. Häufig probieren Betroffene vieles durch, bis eventuell irgendwas davon hilft. Hier ist es sehr gut und wichtig, die vorhandenen Erfahrungen sorgfältig wissenschaftlich zu bündeln und ergebnisoffen zu betrachten. Auf diese Weise können Patienten und Ärzte am besten entscheiden, von welchen Maßnahmen sie sich in ihrem speziellen Fall die günstigste Wirkung erwarten.

Dr. med. Monika Steiner

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