MS-Studie zeigt: Spezielle Lerntechnik steigert Gedächtnis und Lebensqualität enorm

Durch bestimmte Trainings-Methoden kann die Gedächtnisleistung von MS-Betroffenen deutlich und auch längerfristig verbessert werden. Im selben Zug verringern sich bei vielen oft auch Depression, Angst und andere Aspekte, die die Lebenssituation beeinträchtigen. Das sind die Ergebnisse einer US-Studie, die kürzlich im Journal „Neurology“ veröffentlicht wurden.

86 MS-Erkrankte aller Sub-Typen und Krankheitsgrade wurden in die Untersuchung einbezogen und in zwei Gruppen geteilt: 45 bekamen mithilfe eines Therapeuten über 5 Wochen zweimal wöchentlich ein spezielles Lerntraining. Dieses nennt sich „modified Story Memory Technique/ mSMT“ und umfasst (ganz kurz gefasst) stark bildliches und zusammenhangsbezogenes Lernen. Die anderen 41 Kontrollpersonen bekam im selben Zeitraum ein ähnliches, allerdings nicht-lernzentriertes Training. Teilnehmer und Trainer wussten jeweils nicht, wer in welcher Gruppe war und welchem speziellen Zweck die Methode diente.

Vor, direkt danach sowie 6 Monate nach dem Training durchliefen die Teilnehmer diverse Gedächtnistests und Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität, des Depressionsgrades etc.

Positive Effekte auch halbes Jahr später noch nachweisbar

Die Ergebnisse offenbarten eindrücklich, dass die Teilnehmer der „Lerngruppe“ nicht nur verbesserte Gedächtnisleistungen hatten, sondern auch eine höhere allgemeine Zufriedenheit, eine aktivere Zukunftsplanung sowie reduzierte Apathie-Neigung zeigten.

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Dieser Effekt war unabgeschwächt auch noch nach einem halben Jahr feststellbar – ohne, dass weitere Trainings nötig waren!

Die Forscher gehen davon aus, dass durch die aktive Nutzung wichtiger und auch bei MS-Patienten gut funktionierender Gedächtnisanteile (wie eben die des bildlichen Lernens) gleich mehrere Hirnareale angeregt werden. So kann auch nachhaltig ein für viele Lebensbereiche positiver Prozess in Gang gesetzt werden, der den Betroffenen nicht nur bei Gedächtnislücken hilft.

Zugrundeliegende Studie:

An RCT to treat learning impairment in multiple sclerosis. Neurology. 2013 Aug 13

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Wissen über diese sehr effektive Lerntechnik bitte weitergeben

Die Aussage dieser Studie ist sicher nicht revolutionär und völlig verwunderlich. Trotzdem: Wer als MS-Betroffener unter sogenannten kognitiven Problemen leidet – und das ist immerhin jeder zweite – weiß, wie sehr diese Beruf und Alltagssituationen beeinträchtigen können. Gut zu wissen, dass man diesen Schwierigkeiten doch nicht ganz hilflos ausgeliefert ist, sondern durch spezielle Techniken aktiv richtig große Sprünge nach vorne machen kann. Umso besser, wenn sich die allgemeine Lebensqualität in der Folge auch noch verbessert….

Allerdings sollten diese Lernmethoden der sogenannten „modifizierten Story Memory Technique“, alltagstauglich und verständlich aufbereitet, möglichst bald auch publiziert werden. Nur so kann jeder interessierte MS-Patient diese für sich ausprobieren und entscheiden, ob sie für ihn praktikabel und hilfreich sind.

Kompliziertes oder allzu theoretisches Spezialwissen in der Hand einiger weniger Trainer nützt hier hingegen fast gar nichts!

Dr. med. Katharina Buch

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