Tierexperiment mit Hautzellen nährt Hoffnung bei progressiver MS

Stammzellen aus der Haut zeigten bei Mäusen gute Effekte bei der Reparatur von Nervengewebe, so die Ergebnisse einer aktuellen italienischen Studie. Erfolgreiche Versuche dieser Art sind besonders bemerkenswert, da hier nicht nur Entzündungen gemildert und spätere Defekte verhindert werden können.

Im Gegensatz zu den meisten heute verfügbaren Behandlungen basiert die Stammzelltherapie auch darauf, bereits zerstörtes Gewebe wieder aufzubauen. Damit sollen künftig auch progrediente MS-Formen besser kontrollierbar sein.

In dieser Mailänder Studie wurden Mäuse mit der MS-ähnlichen EAE (Experimental Autoimmune Encephalomyelitis) untersucht. Dabei wurden deren ausgereifte (adulte) Stammzellen aus der Haut durch Zell-Reprogammierung wieder in den embryonalen Zustand versetzt. Diese quasi jungfräulichen Zellen haben das Potential, sich wiederum in jede andere Körperzelle weiterzuentwickeln – so eben auch in gesunde Nervenzellen.

Untergegangenes Nervengewebe wurde wieder aufgebaut

Die darauffolgende Infusion dieser Zellen ins Rückenmark der Tiere hatte zur Folge, dass deren intakte Markscheiden (Myelin) weitgehend vor weiterer Schädigung geschützt waren und dass sich vor allem auch neues, gesundes Myelingewebe bildete.

Die Forscher sehen darin einen weiteren Beleg, dass Stammzellen in naher Zukunft eine wichtige Rolle beim Kampf gegen die Entmarkung bei MS spielen wird. Insbesondere bereits verlorene Körperfunktionen könnten so auch wieder aufgebaut werden.

Zugrundeliegende Studie:

iPSC-derived neural precursors exert a neuroprotective role in immune-mediated demyelination via the secretion of LIF. Nature communications. Oct 29, 2013

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Hautzellen helfen bei der Reparatur von geschädigten Nerven

Die Stammzelltherapie funkelt seit einigen Jahren wie ein goldener Hoffnungsschimmer am Horizont. Und derartige renommierte Studien deuten darauf hin, dass sich diese Ansätze zum Wohle der MS-Betroffenen künftig auch in größerem Rahmen realisieren lassen. Weltweit wird hier sehr intensiv geforscht. 2014 sollen erste große Studien an Patienten starten.

Leider ist die Materie sehr komplex und steckt mit ihrem vermutlich jetzt noch gar nicht überblickbar großem Potential noch weitgehend in den Kinderschuhen. Derweil ist es wichtig, nicht auf unseriöse private Institute hereinzufallen, die schon jetzt Stammzellbehandlung zur MS-Therapie anbieten.

Dr. med. Katharina Buch

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