Myelin-Pflaster zeigt positiven Effekt bei schubförmiger MS

Pflastern statt spritzen… und das mit guten Erfolgen in der Krankheitsaktivität der MS? Künftig vielleicht kein ferner Traum mehr, wenn man eine kürzliche Publikation im renommierten Fachblatt JAMA Neurology betrachtet und weiterdenkt.

In einer kleinen Studie polnischer Wissenschaftler wurden Patienten mit schubförmiger MS über ein auf die Haut geklebtes Pflaster sogenannte Myelin-Peptide verabreicht. Sehr vereinfacht ausgedrückt handelt es sich hier um Anteile der Markscheiden. Also derjenigen Substanz, die eigentlich die Nervenbahnen isoliert, aber bei der MS durch das Immunsystem attackiert wird.

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Die 30 Studien-Teilnehmer wurden in Gruppen eingeteilt und über den Zeitraum von einem Jahr folgendermaßen behandelt: 16 bekamen ein Pflaster mit 1 mg Myelin-Peptid, 4 erhielten ein 10-mg-Pflaster und 10 ein Plazebo-Pflaster ohne Wirkstoff. Die auf dem Oberarm platzierten Pflaster wurden zunächst wöchentlich, nach vier Wochen dann monatlich erneuert.

Verbesserungen auch im MRT nachweisbar

Die Ergebnisse in dieser kleinen Gruppe waren recht eindrücklich: So zeigte beispielsweise die 1-mg-Gruppe im Vergleich zur Plazebo-Gruppe eine Reduktion der jährlichen Schubrate um knapp 70%. Der Prozentsatz derjenigen mit zunehmenden Behinderungen sank um 51%. Und auch die durch regelmäßige Kernspin-Aufnahmen dokumentierte Krankheitsaktivität nahm bei den Patienten „mit Pflaster“ nachweislich ab.

Die Verträglichkeit des Pflasters war – bis auf gelegentlich leichte Reizungen an der Klebestelle – sehr gut. Es wurden keinerlei ernste Nebenwirkungen festgestellt.

Zugrundeliegende Studie:

Transdermal application of myelin peptides in multiple sclerosis treatment. JAMA Neurol. 2013 Sep 1.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Pflastern statt spritzen – schön wäre es

Ein faszinierender neuer Ansatz, ein gutes Studiendesign sowie beachtliche Ergebnisse. Alles Punkte, die Raum für Hoffnungen geben. Allerdings zeigen frühere Versuche mit diversen Myelin-Antikörpern und verschiedenen Anwendungsarten, dass die Ergebnisse auch überaus nüchtern ausfallen können.

Die vorliegende Studie hat leider eine sehr kleine Teilnehmerzahl. Zwar ist es durch die wissenschaftliche Methodik so gut wie ausgeschlossen, dass die positiven Ergebnisse reine Zufälle sind. Trotzdem bräuchte man weitere, deutlich größer angelegte Studien, um die Effekte zu erhärten. Und sie dann möglicherweise in eine Behandlungsempfehlungen münden zu lassen. Die Erforschung und Anwendung von Myelin-Peptiden bei Multipler Sklerose scheint vielversprechend, steht aber noch ziemlich am Anfang.

Dr. med. Katharina Buch

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Kommentare (2)
warum dauert alles so lange??
2 Mittwoch, den 20. Juli 2016 um 22:21 Uhr
Warum probiert man die Sachen nicht einfach an allen Patienten aus, die sich freiwillig dafür entscheiden? Schon würde man über mehr Erfahrungen und Ergebnisse verfügen. Warum immer dieses Abwarten auf Studien, die dann doch nicht aussagekräftig sind??
Myelin Pflaster
1 Donnerstag, den 09. Juli 2015 um 05:29 Uhr
Als ich das erste mal davon gelesen habe, war ich schon sehr angetan. In den Studien war die Rede davon, dass manche Anwender wieder Gefühl in den abgestorbenen Nervenbereichen bekamen.
Was mich aber immer wieder runter zieht, es geht nirgends voran, alles dauert immer noch Jahre...Zeit die mancher MS-Kranke nicht hat.
Bei mir z.B. wäre so eine Therapie bestimmt von großen Nutzen, da ich noch nicht so viele Ausfälle habe. Aber bis das mal alles für mich zugänglich ist, bin ich wahrscheinlich so geschädigt, dass mir das auch nicht mehr hilft.
Das macht einen verdammt wütend auf die Forscher...
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