Magnetstimulation kann Fatigue und Depression bei MS positiv beeinflussen

Die Stimulierung ganz bestimmter tiefer Hirnregionen mithilfe von Magnetfeldern führt häufig zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens bei Multipler Sklerose. Bisher konnte vor allem die chronische Erschöpfung (Fatigue) oft nur unzureichend behandelt werden. Möglicherweise könnte sich das bald ändern…

Für diese deutsch-israelische Studie wurden 29 MS-Betroffene, die gleichzeitig unter Depression und Fatigue litten, untersucht. 9 bekamen die Magnetstimulation über der Hirnregion des sogenannten präfrontalen Kortex, 10 über dem sogenannten motorischen Kortex und 10 Patienten bekamen Schein-Stimulationen. Insgesamt fanden über 6 Wochen 18 Sitzungen statt.

Hirnregion „Motorkortex“ hier offenbar besonders relevant

Anhand mehrerer im Vorfeld durchgeführter standardisierter Testbögen wurde der Grad an Depression und Fatigue ermittelt und mit den Werten 2 Wochen nach abgeschlossener transkranieller Magnetfeldtherapie (TMS) verglichen.

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Die Ergebnisse zeigten, dass die Plazebo-Stimulierungen und die des präfrontalen Kortex keinen relevanten Einfluss auf die psychische Gesundheit der Probanden hatten. Die Gruppe, die aber mit Stimulierung des motorischen Kortex therapiert wurde, zeigte deutliche Verbesserungen sowohl bei der Depression als auch in Punkto Fatigue.

Zugrundeliegende Studie:

Deep repetitive transcranial magnetic stimulation can improve depression and fatigue in multiple sclerosis: results from a clinical phase 1/2a study.

Vorstellung der aktuellen Studienergebnisse auf dem 29th Congress of the European Committee for Research and Treatment in Multiple Sclerosis (ECTRIMS).

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Gute Effekte auf MS-bedingte Fatigue – dank Magnetfeldtherapie

Fast 90% aller MS-Patienten leiden im Laufe ihrer Erkrankung an Depression und/ oder chronischer Erschöpfung (Fatigue). Gerade für die Behandlung der Fatigue stehen bisher leider nur mäßig erfolgreiche medikamentöse Optionen zur Verfügung. Umso interessanter, wenn mal ein ganz anderer Therapieansatz unter Studienbedingungen probiert wird.

Die Magnetstimulation ist eine seit Jahrzehnten bekannte Methode, um biologische Gewebe wie Muskulatur, Nerven und Gehirn mithilfe von starken Magnetfeldern zu aktivieren bzw. zu hemmen. Sie wird gelegentlich begleitend bei Krankheiten wie Tinnitus, Schlaganfall, Epilepsie, Parkinson, Schizophrenie und auch Depressionen eingesetzt. Mal mit großem Erfolg, mal weniger überzeugend. Die Studienlage ist hier leider einfach noch zu dünn, um wissenschaftlich fundierte Therapieempfehlungen auszusprechen. Das gilt natürlich auch für das kleine Kollektiv der in dieser Studie erfolgreich behandelten MS-Patienten mit Fatigue.

Aber immerhin… ein ernstzunehmender Hoffnungsschimmer, gerade bei einem so komplexen und schlecht zugänglichem Symptom wie der krankheitsbedingten Müdigkeit. Ein großes Plus sind auch die bei richtiger Anwendung sehr überschaubaren Nebenwirkungen: Gelegentlich leichte Kopfschmerzen aufgrund der Muskelreizung.

Bleibt zu hoffen, dass diese ersten positiven Ergebnisse bald in größerem Rahmen weiter untersucht werden.

Autorin: Dr. med. Katharina Buch

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