MS-Forschung: Kombination von Kortison und Ulinastatin zeigt erstaunliche Effekte

Die Kombination aus bewährtem Kortison mit dem Wirkstoff Ulinastatin könnte MS künftig effektiver bekämpfen, so erste Erkenntnisse einer aktuellen tierexperimentellen Studie.

Hierbei gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich die günstigen Effekte beider Stoffe eben nicht nur summieren und ergänzen, sondern vielmehr potenzieren.

Unsere 10 wichtigsten Tipps bei Multipler Sklerose

weiterlesen...

Ulinastatin (auch urinary trypsin inhibitor oder UTI genannt) ist ein körpereigener Enzymhemmer, der bereits in einigen früheren Studien Neuronen schützende Wirkung gezeigt hat. Das zur Gruppe der Kortisone gehörende Methylprednisolon wiederum wird bereits seit vielen Jahrzehnten aufgrund seiner stark entzündungshemmenden Wirkung in der MS-Therapie verwendet.

Entmarkung bei Kombitherapie signifikant niedriger

In der vorliegenden Studie wurde in Mäusen die sogenannte Experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis (EAE) ausgelöst. Das ist eine der Multiplen Sklerose sehr ähnlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Labortieren. Je eine Gruppe wurde mit einer der beiden Wirkstoffe, eine weitere mit der Kombination aus beiden und eine nächste mit Kochsalzlösung behandelt. Eine fünfte Mäuse-Gruppe diente als unbehandelte Kontrollgruppe. Neben klassischen körperlichen Befunden (clinical score) wurden bei der Auswertung vor allem mehrere typische Laborwerte untersucht, die Rückschlüsse auf die Entmarkungsaktivität zulassen (demyelinationg score).

Im Ergebnis zeigte die Kombinationstherapie mit Abstand die besten klinischen Befunde plus die niedrigste Entmarkungsrate verglichen mit allen anderen Gruppen – explizit auch im Vergleich zu den Gruppen, die jeweils nur einen der beiden Arzneistoffe bekamen.

Zugrundeliegende Studie:

Combined therapy with methylprednisolone and ulinastatin in experimental autoimmune encephalomyelitis. Chin Med J (Engl). 1. Sept 2013

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Kortison plus Ulinastatin – Lichtstreif am Horizont bei MS?

Ulinastatin ist ein in der Medizin bekannter Arzneistoff, der seit vielen Jahren bei Erkrankungen wie akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Blutvergiftung eingesetzt wird. Da auch eine protektive Wirkung bei Minderdurchblutung des Gehirns beobachtet wurde, kamen die Wissenschaftler wohl auf Frage, ob auch eine Neuronen schützende Wirkung bei Multipler Sklerose nachzuweisen sei. Wie man an der Studie sieht, lagen sie mit ihrer Annahme offenbar nicht ganz falsch!

Ausdrücklich einschränkend sind hier allerdings zwei Punkte zu nennen: Zum einen handelt es sich nur um ein Tierexperiment und somit noch um eine sehr frühe Studienphase. Trotz aller entsprechender Erfahrung und Vergleichbarkeit kann man die Wirkung sicherlich nicht 1:1 auf den Menschen übertragen. Zum anderen ist – wohl auch aufgrund der ausgesprochen komplexen Laboruntersuchungen – die Zahl der untersuchten Fälle mit 40 Tieren (für alle Gruppen zusammen) sehr gering.

Und trotzdem! Es sind in der Medizin häufig Zufallsbefunde, die Forscher auf eine wichtige Spur bringen. Durch gedankliche Verknüpfung entstehen dann Ideen für neue Arzneimittelkombinationen. Und wenn diese sich in ersten Versuchen bereits als so eindeutig günstig erweisen, kann man nur hoffen, dass zügig in diese Richtung weiter geforscht wird und weitere Studienphasen folgen. Möglich, dass die Hoffnung dann im Sande verläuft. Beide Arzneistoffe sind allerdings sehr potent und äußerst bewährt. Ganz unplausibel ist es da nicht, dass UTI in Kombination mit Kortison Potential für eine gänzlich neue Therapieoption bei MS hätte.

Dr. med. Katharina Buch

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Anzeigen