Eculizumab (Soliris®) zeigt vielversprechende Effekte auf schubförmige Neuromyelitis optica

Wer an Neuromyelitis optica (NMO) leidet, für den könnte es neue Hoffnung geben. Wie eine kleine US-Studie jetzt zeigte, wirkte sich eine Behandlung mit Eculizumab (Handelsname Soliris®) in den meisten Fällen positiv auf Sehschärfe, Schubrate und Krankheitsverlauf aus.

Für die kürzlich im Lancet veröffentlichte Erhebung wurden 14 NMO-Patienten mit einer hohen Schubfrequenz von mindestens 2-3 Schüben pro Jahr einbezogen. Sie erhielten das Medikament einen Monat lang wöchentlich in einer intravenösen Gabe von 600 mg, danach fast ein Jahr lang alle zwei Wochen 900 mg. Während der gesamten Zeit wurden die Teilnehmer engmaschig hinsichtlich Wirkung und Nebenwirkungen untersucht.

Anfälligkeit für Meningokokken ist bekannt

Nach 12 Monaten waren 12 von 14 Patienten schubfrei. Die Schubrate sank im Durchschnitt von 3 auf statistisch knapp über 0. Die Sehschärfe auf einem oder beiden Augen verbesserte sich bei 5 Patienten um 1-2 Punkte. Der Mittelwert auf der EDS-Skala sank von durchschnittlich 4,3 auf 3,5. Verschlechterungen in diesen Bereichen wurden bei keinem Teilnehmer festgestellt.

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Nebenwirkungen gab es kaum und wenn, dann mehrheitlich eher leichter Natur: Kopfschmerzen, leichte Übelkeit etc. Eine Ausnahme war hier allerdings ein Fall von Meningokokkensepsis, der aber laut den Autoren gut therapierbar war. Der Wirkungsmechanismus von Soliris® erhöht bekannterweise die Anfälligkeit für diese spezielle bakterielle Erkrankung. Trotz auch hier im Vorfeld durchgeführter Impfung kann es durch ungewöhnliche Untergruppen des Bakteriums gelegentlich zur Infektion kommen. Die betroffene Patientin konnte und wollte nach abgeschlossener Behandlung weiterhin an der Studie teilnehmen.

Zugrundeliegende Studie:

Eculizumab in AQP4-IgG-positive relapsing neuromyelitis optica spectrum disorders: an open-label pilot study. Lancet Neurology 12. Juni 2013

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Kommentar: Aktuelle Studie: Spezielle Bakterien trüben die äußerst positive Wirkung von Eculizumab (Soliris®) bei Neuromyelitis optica

Man kann die vorliegende, im Lancet veröffentlichte Studie einordnen unter dem Motto: äußerst klein, aber fein. Dazu muss man wissen, dass die Neuromyelitis optica, auch Devic-Syndrom genannt, sehr selten ist. Sie betrifft etwa 1% der Menschen mit entmarkenden Erkrankungen und befällt vor allem den Sehnerv und das Rückenmark. Eine Abgrenzung zur „klassischen“ MS ist häufig nur durch den Nachweis eines speziellen Antikörpers, des sogenannten Aquaporin 4, möglich.

Wie so oft, wird das Seltene leider oftmals auch seltener wissenschaftlich untersucht. Nicht unbedingt immer aus finanziellen Gründen, sondern häufig auch, weil man erstmal genug vergleichbare Patienten für eine Studie zusammenfinden muss. (Bisher gibt es nur eine im Aufbau vergleichbare Studie mit dem Wirkstoff Rituximab und gerade mal 8 Teilnehmern!).

Mit 14 Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe verbietet die vorliegende Erhebung eigentlich ernsthafte Verallgemeinerung. Nichtsdestotrotz: Für Betroffene mit aggressiver NMO sind die Ergebnisse durchaus sehr ermutigend und könnten in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten gegebenenfalls sogar einen individuellen Therapieversuch rechtfertigen.

Aber auch, wenn die sonstigen Nebenwirkungen als gering eingestuft werden – das Risiko einer Meningokokkeninfektion muss sehr ernst genommen werden. Hier ist es wichtig, dass auch der Patient und seine Angehörigen erste Symptome sofort erkennen und schnell reagieren können.

Dr. med. Katharina Buch

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