Fumarsäure zeigt bei allen Sub-Gruppen mit RR-MS gute Wirkung – ganz besonders bei Jüngeren

Vor einiger Zeit sorgte die DEFINE-Studie, die die Wirkung des oralen Fumarsäure-Medikaments BE-12 bei schubförmiger MS umfassend untersuchte, für Aufsehen. Zeigte sie im Vergleich zur Plazebo-Kontrolle doch deutliche Verbesserungen bezüglich der Schubrate sowie des Krankheitsfortschritts.

Mit einer nun erfolgten weiteren Auswertung der Daten hinsichtlich Unterschieden in den einzelnen Sub-Gruppen (Geschlecht, Alter, Gewicht, Wohnort etc.) liegen nun weitergehende Informationen zur Wirksamkeit dieses Medikaments vor: Offenbar profitieren insbesondere Jüngere (unter 40 Jahre), zuvor noch nicht behandelte MS-Betroffene sowie solche mit niedrigem EDSS-Wert ganz besonders von dieser neuen Medikation.

An der sogenannten DEFINE-Studie (Determination of the Efficacy and Safety of Oral Fumarate) beteiligten sich 1234 Patienten zwischen 18 und 55 Jahren mit unterschiedlichen Krankheitsstadien und Verläufen einer schubförmigen Multiplen Sklerose. Eine Gruppe erhielt eine zweimal, eine andere eine dreimal tägliche Gabe des Fumarsäure-Präparats "BG-12" in einer Dosierung von 240 Milligramm. Eine dritte Gruppe erhielt ein Scheinmedikament (Plazebo).

Zusammenfassend konnte BE-12 in allen untersuchten Gruppen deutliche Vorteile bezüglich Auftreten weiterer Schübe, Schubhäufigkeit, Fortschreiten von Behinderungen sowie Anzahl der Läsionen im MRT bewirken – weitgehend unabhängig, ob das Medikament zwei- oder dreimal täglich eingenommen wurde. Einige Sub-Gruppen (Unter-40-jährige, Nicht-Vorbehandelte) konnten laut der neuen Erhebung darüber hinaus besonders deutlichen Nutzen ziehen.

Nebenwirkungen wie Magendarmprobleme kamen gelegentlich vor, wurden von den Studienteilnehmern aber überwiegend als „leicht“ beschrieben.

Zugrundeliegende Studie:

Clinical efficacy of BG-12(dimethyl fumarate) in patients with relapsing-remitting multiple sclerosis: subgroup analyses of the DEFINE study. Journal of Neurology. 2013 Jun 25.

Kommentar vom Ärzte-Team / Navigator-Medizin

Weitergehende Untersuchungen großer Studien sind spannend, weil immer die Möglichkeit besteht, zusätzliche Hinweise auf Ursprung und Therapierbarkeit von komplexen Krankheiten – wie hier bei der MS – zu bekommen.

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Dass bei dieser Analyse insbesondere die Jüngeren noch etwas mehr als andere von BE-12 profitierten, deckt sich auch mit einigen Studien zu anderen MS-Medikamenten. Möglicherweise führt die bei jungen MS-Betroffenen oft höhere Entzündungsrate, bei gleichzeitig niedrigerer Rate neurodegenerativer Aktivität, auch zu einem besseren Ansprechen auf das Immumsystem beeinflussende Arzneimittel. Die anderen in dieser Auswertung gefundenen Ergebnisse aus den Untergruppen kann man kontrovers diskutieren. Aufgrund letztlich aber doch immer kleinerer Fallzahlen und möglicher Fehleranfälligkeiten bei der Zusammenstellung von Sub-Gruppen können diese allerdings wohl eher nur als leichte Tendenz angesehen werden. Letztlich trifft das auch auf den oben beschriebenen Altersaspekt zu.

Alles in allem lässt die große DEFINE-Studie aber wohl den Schluss zu, dass oral eingenommene Fumarsäure-Präparate wie BE-12 in der Tat das Potential haben können, den Verlauf der schubförmigen Multiplen Sklerose in positiver Weise zu beeinflussen. Das unter dem Handelsnamen Tecfidera® bekannte Arzneimittel steht in Deutschland jetzt, Mitte 2013, kurz vor der Zulassung. Ob ein Behandlungsversuch bzw. Therapiewechsel möglich oder ratsam ist, kann dann im individuellen Fall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Fumarsäureester (Tecfidera, Fumaderm, Skilarence): Wirkung und Nebenwirkungen

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