MS und Depression: Duloxetin positiv bewertet

Wenn es als Begleiterscheinung der Multiplen Sklerose zu depressiven Phasen kommt, lohnt sich möglicherweise ein Behandlungsversuch mit Duloxetin. Zu diesem Ergebnis kommt eine Multicenter-Studie aus der Schweiz und Italien. Allerdings war die Teilnehmerzahl für eine endgültige Aussage zu klein, außerdem wurde nicht im Vergleich mit Plazebo getestet.

Insgesamt 75 MS-Patienten nahmen an der Studie teil. Alle litten unter Depressionen. Sie erhielten über 12 Wochen das Antidepressivum Duloxetin in einer Dosierung von maximal 60 mg pro Tag.

Auch Erschöpfungs-Symptome gebessert

Das Ergebnis: 12 der 75 Patienten brachen die Behandlung vorzeitig ab. Einige aufgrund von Nebenwirkungen wie Übelkeit, andere aus nicht näher erläuterten Gründen.

Bei den 63 verbleibenden Patienten wurde eine signifikante Reduktion der depressiven Symptome festgestellt. Auch die chronische Müdigkeit (Erschöpfungs-Syndrom, Fatigue-Syndrom), unter der zuvor viele Teilnehmer gelitten hatten, nahm unter der Behandlung deutlich ab.

Die Autoren stufen Duloxetin zusammenfassend als effektives, sicheres und insgesamt gut verträgliches Medikament ein.

Duloxetin ist im Handel unter folgenden Namen: Ariclaim®, Cymbalta®, Xeristar®, Yentreve®

Zugrundeliegende Studie:

Duloxetine Is Effective in Treating Depression in Multiple Sclerosis Patients: An Open-Label Multicenter Study. Clin Neuropharmacol. 2013 Jun 17.

Kommentar vom Ärzte-Team / Navigator-Medizin

Depressionen kommen bei Menschen mit Multipler Sklerose mit etwa 50% Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich häufig vor. Die Gründe sind vielfältig und reichen von komplexen organischen Ursachen bis hin zu Problemen mit der Krankheitsverarbeitung.

Längst nicht immer ist eine Behandlung mit sogenannten Antidepressiva nötig – oft leisten auch Psychotherapie, Selbsthilfegruppen, Naturheilmittel wie Johanniskraut oder auch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft gute Dienste.

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Wer seine Depression aber doch mit Medikamenten behandeln lassen muss oder möchte, will verständlicherweise ein für seine Erkrankung möglichst passendes und sicheres Arzneimittel. Hier können die Ergebnisse dieser Multicenter-Studie zumindest gute Anhaltspunkte liefern. Zwar war die Teilnehmerzahl doch eher überschaubar. Auch wäre wünschenswert, dass nicht nur die Wirksamkeit eines Medikaments getestet wird, sondern vielmehr ein Vergleich mehrerer verschiedener Antidepressiva auch anderer Wirkgruppen stattfindet – vom eigentlich obligatorischen Plazebo-Vergleich ganz zu schweigen.

Da aber Duloxetin schon länger als Antidepressivum bekannt ist und neben psychischer Niedergeschlagenheit auch diverse körperliche Begleitbeschwerden wie Schmerz, Spastik und sogar Inkontinenz mildert, scheinen die Ergebnisse dieser nun MS-spezifischen Studie zum Thema Depression durchaus plausibel.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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Kommentare (1)
Duloxetin
1 Sonntag, den 07. August 2016 um 08:37 Uhr
Ich habe eine Kalkschulter, die mich unter Belastung mit Schmerzen beeinträchtigt. Während eines depressiven Schubs litt ich unter Dauerschmerzen. Ich bekam Duloxetin 30 mg verordnet und hatte plötzlich nicht mehr diesen Dauerschmerz! Ich war positiv überrascht, dass es möglich ist, mit einem Antidepressivum den Schmerzimpuls zu steuern! Da ich mir keine Behandlung für die Kalkschulter leisten kann, bin ich froh, dass ich die Schmerzen jetzt nur unter Belastung habe!
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