Stimmt es, dass eine Narkose eine Parkinson-Krankheit auslösen kann?

Unter Patienten geht das Gerücht, schuld an der Parkinson-Krankheit könne eine vorherige Narkose sein. Es wird genährt durch die Beobachtung, dass ein Morbus Parkinson nicht selten unmittelbar nach einer Operation erstmals auftritt. Und dass bei bestehendem Parkinson eine Narkose die Symptomatik stark verschlechtern kann.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Trotzdem ist die Narkose nicht die Ursache. Sie bringt das Fass nur manchmal zum Überlaufen. Der Grund: Einige gängige Narkosemittel können den Dopamin-Gehalt im Gehirn kurzfristig stark senken. Also genau den körpereigenen Stoff, an dem es bei der Parkinson-Erkrankung fehlt. Eine Parkinson-Erkrankung wiederum kommt nicht über Nacht, sie entsteht schon Jahre, bevor sie Beschwerden verursacht. Die Dopamin-Produktion nimmt ganz langsam und schleichend ab. Erst wenn über die Hälfte der Dopamin-produzierenden Hirnzellen lahmgelegt sind, bemerkt man erste Symptome.

Das bedeutet: Wenn man mit einer herannahenden Parkinson-Erkrankung operiert wird, kann die Narkose tatsächlich der Grund dafür sein, dass der ohnehin schon bestehende Dopamin-Mangel zum ersten Mal symptomatisch wird. Die Erkrankung wäre dann aber auch ohne die Operation aufgetreten, nur vielleicht etwas später.

Da eine Vollnarkose aber immer eine erhebliche Körperbelastung darstellt und auch zur Verschlechterung einer bereits bestehenden Parkinson-Symptomatik beitragen kann, sollten Sie als Betroffener oder Angehöriger rechtzeitig vor dem Eingriff mit dem Anästhesisten und dem Behandlungsteam in Kontakt treten, damit die Parkinson-Besonderheiten berücksichtigt werden können.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser/Dr. med. Jörg Zorn

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