Parkinson-Erkrankung: Was muss man bei einer Operation und Narkose beachten?

Eine Vollnarkose stellt für den menschlichen Organismus grundsätzlich eine Belastung dar. Für Menschen, die an der Parkinson-Krankheit leiden, gilt das erst recht. Zudem können Sie nicht davon ausgehen, dass die bei Morbus Parkinson zu berücksichtigenden Besonderheiten dem Arzt- und Pflegepersonal komplett vertraut sind – zumindest nicht in einer nicht darauf spezialisierten Klinik.

Als Selbstbetroffener oder betreuender Angehöriger empfiehlt es sich deshalb, einige hilfreiche Hinweise zu beachten:

  • Es sollten nur unbedingt notwendige Operationen durchgeführt werden.
  • Führen Sie für Notfälle einen Parkinson-Ausweis mit einer Auflistung der aktuell eingenommenen Tabletten mit sich.
  • Wählen Sie bei einem planbaren Eingriff eine Klinik aus, in der Erfahrung im Umgang mit Parkinson-Patienten besteht. Sprechen Sie im Vorwege mit Ärzten und Pflegepersonal über Ihre Erkrankung und etwaige Besonderheiten.
  • Bestimmte Narkosemittel dürfen bei Menschen mit Parkinson nicht verwendet werden.
  • Auch bei richtiger Narkoseführung und Betreuung vor und nach der Operation kann sich die Parkinson-Symptomatik durch eine Vollnarkose verschlechtern, wenn auch meist nur vorübergehend. In einigen Fällen wird deshalb nach der Operation eine medikamentöse Neueinstellung notwendig, häufig sogar stationär in einer geeigneten Parkinson-Abteilung oder Klinik. Dadurch kann der Verschlechterung in der Regel erfolgreich entgegengewirkt werden.
  • In seltenen Fällen kommt es nach der Operation zu einem sogenannten Durchgangssyndrom, das durch Verwirrtheit und Desorientierung gekennzeichnet ist. Sofern es sich nicht nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt, kann sogar eine stationäre Behandlung in einer geeigneten Einrichtung erforderlich werden.

Achtung mit den Parkinson-Medikamenten

  • Nehmen Sie Ihre Parkinson-Arzneimittel in ausreichender Menge in die Klinik mit. Zum einen besteht dann keine Gefahr einer abweichenden Medikation, zum anderen sind diese Medikamente in einer chirurgischen Abteilung in der Regel nicht vorrätig. Müssen sie erst bestellt werden, kann es zu einer ungewollten Medikamentenpause kommen.
  • Es sollte grundsätzlich vermieden werden, dass vor und nach der Operation bzw. Narkose eine unnötig lange Medikamentenpause entsteht oder von der bisherigen Medikation (Zusammensetzung, Einnahmezeiten und Einzeldosen der Antiparkinson-Mittel) abgewichen wird. Sonst drohen eine mitunter erhebliche Verschlechterung der Parkinson-Symptomatik und eine verzögerte Mobilisierungsfähigkeit. Im schlimmsten Fall kann die Therapieunterbrechung zu einem schweren L-Dopa-Entzugs-Syndrom (akinetische Krise) führen.
  • Häufig wird – zumeist aus Unwissenheit – versucht, den Medikamentenplan von Parkinson-Patienten zugunsten der Krankenhaus-Routine zu „vereinfachen“. Beispielsweise, indem die auf 6 bis 8 mal am Tag verteilte Einnahme mehrerer Medikamente in kleineren Dosen gestrafft wird auf täglich 3 mal 1-2 Tabletten. Eine solche Änderung der Medikation kann Ihr Beschwerdebild erheblich verschlechtern – und braucht bzw. darf nicht hingenommen werden!
  • Auch schlagartige Wechsel in der Medikamentenwirkung sind manchem Krankenhauspersonal nicht unbedingt geläufig und werden häufig falsch gedeutet. Für Nichtbetroffene ist es eben schwer nachvollziehbar, dass ein Patient, der noch vor einer Minute nahezu symptomfrei war, sich plötzlich nicht mehr bewegen können soll. Sorgen Sie deshalb durch ein rechtzeitiges Gespräch mit Arzt und Pflegepersonal für Aufklärung!

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Anzeigen