Medikamente, Pumpen und Schrittmacher: Fortschritte und Sackgassen in der Parkinson-Therapie

Über Jahrzehnte gab es praktisch nur eine Therapie-Option bei Morbus Parkinson: mit Medikamenten irgendwie den Dopamin-Mangel ausgleichen und damit die Beschwerden lindern. Nun tun sich zumindest ein paar Alternativen auf, wie auf dem Europäischen Neurologen-Kongress deutlich wurde.

Über die Fortschritte berichtete Prof. Heinz Reichmann, Parkinson-Experte an der Universitätsklinik Dresden. Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild:

  • Ursachenforschung


    Noch immer bleibt das Parkinson-Syndrom in den meisten Fällen eine Erkrankung unbekannter Ursache. Aber zumindest gibt es neue Hinweise, wie die Erkrankung entstehen könnte. Umweltgifte wie Mangan oder Kohlenmonoxid, aber auch Bakterien und Viren sind auf der Liste der Verdächtigen ganz oben. Verdichten sich diese Hinweise, könnten daraus erstmals auch Vorbeugungsstrategien entwickelt werden.
  • Medikamentöse Therapie


    Mit neuen Wirkstoffen aus der Gruppe der MAO-Hemmer (Rasagilin, Selegilin) scheint es möglich zu sein, die Erkrankung auch schon zu einem Zeitpunkt aufzuhalten, zu der sie noch zu keinen Behinderungen geführt hat. Allerdings müssen die bisherigen Studiendaten dazu noch anhand größerer Patientenzahlen bestätigt werden.
  • Nebenwirkungen der Medikamente


    Typische Nebenwirkungen von Medikamenten aus der Gruppe der Dopamin-Agonisten sind sogenannte Impulskontrollstörungen. Auf deutsch: Spielsucht, Kaufsucht, Esssucht oder sogar Sexsucht. Mit der zusätzlichen Gabe des Wirkstoffs L-Dopa scheint man diese belastenden Symptome vermeiden zu können.
  • Apomorphin-Pumpe


    Studien zeigen, dass bei fortgeschrittenen Bewegungsstörungen eine kleine Pumpe, die man am Körper trägt und die über eine unter die Haut gesetzte Nadel den Wirkstoff Apomorphin freisetzt, gut wirksam ist. Ähnliches wurde über eine L-Dopa-Pumpe berichtet.
  • Gehirn-Schrittmacher


    Was sich schon schrecklich anhört, scheint auch in der Praxis nicht so gut zu wirken wie erhofft. Der neue Ansatz einer Hirnstimulation über eingepflanzte Elektroden hat sich in Studien als nur begrenzt wirksam erwiesen. Vor allem, weil die Operation millimetergenau erfolgen muss, was nicht immer gelingt.
  • Begleitsymptome


    Mehr Fokus soll in Zukunft auf die Begleitsymptome der Parkinson-Erkrankung gelegt werden. Riechverlust, Blasenschwäche, Verstopfung, Demenz, um nur einige zu nennen. Denn die beeinträchtigen die Lebensqualität oft mehr als die eigentliche Grunderkrankung.


Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 12.06.2012
Quelle: Europäischer Neurologenkongress in Prag

Anzeigen