Welche Medikamente gibt es gegen den Morbus Crohn?

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten. Welche für Sie geeignet sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Rolle spielt, ob der Morbus Crohn gerade so richtig aufgeblüht ist oder ruht – und wie stark die Erkrankung bei Ihnen ausgeprägt ist.

Bei leichteren, akuten Beschwerden werden häufig sogenannte Aminosalicylate verschrieben. Dazu gehören:

  • Sulfasalazin (z.B. Azulfidine®, Colo-Pleon®, Salazopyrine®)
  • Mesalazin (z.B. Claversal®, Pentasa®, Salofalk®)

Bei schwereren Krankheitsschüben werden kurzzeitig oft Kortison-Präparate (z.B. Prednison und Prednisolon) verordnet, die den Entzündungsschub relativ rasch lindern können. Als Dauertherapie sind sie wegen der dann zu befürchtenden Kortison-Nebenwirkungen aber nicht geeignet. Allerdings gibt es auch nur lokal wirksame Mittel (im Darm freigesetzte Kortison-Präparate mit dem Wirkstoff Budesonid (z.B. Budenofalk®, Entocort®), die sehr viel verträglicher sind und zumindest bei leichteren Schüben ebenfalls gut wirksam sind.

Optionen für schwierige Fälle

Bewährte Medikamente für schwerere Verläufe sind Azathioprin (z.B. Azafalk®, Imurek®) und 6-Mercaptopurin (z.B. Puri-Nethol®). Ähnlich wie Kortison reduzieren sie die Entzündungsaktivität, indem sie das körpereigene Immunsystem bremsen. Zwar dauert es erfahrungsgemäß drei bis sechs Monate, bis die Wirkung einsetzt – dafür stehen die Chancen gut, dass sie auch länger anhält.

Wegen der starken Einwirkung auf das Immunsystem sollten Azathioprin und 6-Mercaptopurin nur bei gravierenden Beschwerden zum Einsatz kommen. Das gilt auch für einen weiteren klassischen Entzündungshemmer: Methotrexat. Er ist vor allem für Patienten vorgesehen, bei denen Azathioprin oder 6-Mercaptopurin keinen Erfolg gezeigt haben oder bei denen die Behandlung wegen der Nebenwirkungen abgebrochen werden musste.

Für heftige Schübe TNF-Blocker als Reservemittel

Für sehr schwere Schübe, die hochakut sind, gibt es noch eine weitere Gruppe von Medikamenten, nämlich sogenannte Biologika. Dazu gehören zum Beispiel die TNF-Blocker. Sie hemmen den Tumor-Nekrose-Faktor, ein Eiweiß, das an Entzündungsprozessen beteiligt ist. Auf dem Markt sind zur Crohn-Therapie beispielsweise Infliximab (Remicade®) und Adalimumab (Humira®). Vertragen Sie diese Mittel nicht oder spüren keine Besserung, steht noch eine Alternative zur Verfügung, und zwar Vedolizumab (Entyvio®). Das Mittel wirkt gezielt im Magen-Darm-Trakt.

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Im Vergleich zu Azathioprin bringen die Biologika meist eine sehr viel schnellere Linderung – die Mittel helfen also gegebenenfalls in der akuten Situation. Dafür passiert es ab und zu, dass die Wirkung nach einigen Monaten nachlässt.

Infliximab, Adalimumab und Vedolizumab sind zum jetzigen Zeitpunkt (2017) Ersatzmedikamente. Sie sollten also nur bei besonderen und komplizierten Verläufen eingesetzt werden oder wenn Standardmedikamente wie Kortison nicht infrage kommen. Das liegt unter anderem daran, dass die Biologika relativ neu sind und kaum Erfahrungen vorliegen, wie sie sich langfristig auswirken. Abgesehen davon sind diese Medikamente sehr teuer.

Autorinnen: Dr. med. Anne-Kristin Schulze & Anna Brockdorff

 

 

 



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