10 Tipps für ein gutes Leben mit Morbus Crohn

Zwei unserer Autoren nennen Ihre wichtigsten Tipps und Empfehlungen für den Alltag mit Morbus Crohn. Hier der Beitrag von Frau Dr. Steiner, am Ende des Artikels finden Sie den Link zum Beitrag von Herrn Dr. Zorn.

10 Tipps für ein gutes Leben mit Morbus Crohn

  • 1. Halten Sie sich an Ihren Behandlungsplan! Bei chronischen Krankheiten ist ein langfristiges und vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis besonders wichtig. Wenn Sie sich bei Ihrem behandelnden Spezialisten in guten Händen fühlen, sollten Sie auch die Medikationseinnahme gewissenhaft befolgen. Fragen klären, diskutieren und Alternativen abwägen ist vorab natürlich richtig und auch wünschenswert. Wenn der Medikationsplan jedoch steht, sollte man in dem Punkt nicht eigenmächtig „rumexperimentieren“. Manche Crohn-Betroffene lassen die Arzneimitteleinnahme schleifen, sobald sie sich wieder eine längere Zeit wohl und gesund fühlen. Aber gerade das führt häufig zu neuen Schüben oder Komplikationen. Änderungen bei den Medikamenten – selbstverständlich auch und besonders bei vermeintlichen Nebenwirkungen – also bitte immer mit dem Facharzt besprechen.
  • 2. Nehmen Sie auch leichte Symptome ernst. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht bei diesem Ratschlag nicht darum, sich noch mehr Sorgen und Gedanken um seine Erkrankung zu machen, als dieses womöglich eh schon der Fall ist. Gerade Menschen mit Morbus Crohn müssen sich ja schon zwangsläufig mehr mit körperlichen Symptomen befassen als ein gesunder Durchschnittsbürger –  da ist es verständlich, wenn man vermeintlich leichtere Beschwerden oder dezente Veränderungen einfach mal ignoriert oder herunterspielt. Diese Haltung kann für den Alltag mit Crohn auch nützlich und sogar empfehlenswert sein – bei Ihren Arztterminen sollten Sie allerdings genau solche „Kleinigkeiten“ unbedingt erwähnen. Manchmal kann die frühzeitige Behandlung eines leichten Befundes schwere Komplikationen in der Zukunft vermeiden. Oder aber Sie bekommen von Ihrem Facharzt Hilfen zur Linderung dieser Symptome und müssen nicht unnötig leiden. Aber auch eine komplette Entwarnung seitens Ihres Arztes kann nützlich sein, diffuse Krankheitssymptome besser einzuordnen und überflüssige Befürchtungen aus dem Hinterkopf zu vertreiben.
  • 3. Darmkrebsvorsorge gibt Sicherheit. Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn haben ein leicht erhöhtes Risiko in späteren Jahren Darmkrebs zu entwickeln – zumindest, wenn auch der Dickdarm (das Kolon) betroffen ist. Nun hat gerade diese Karzinomart eine ausgesprochen gute Heilungs-Chance, wenn die Tumore und vor allem auch mögliche Vorstufen nur rechtzeitig entdeckt werden – je früher desto besser. Viele Experten empfehlen deshalb heutzutage, dass Crohn-Betroffene sicherheitshalber alle 1-2 Jahre eine Darmspiegelung durchführen lassen.
  • 4. Lassen Sie das Rauchen! Laut verschiedener Untersuchungen soll Zigarettenkonsum  eine latente Crohn-Erkrankung wahrscheinlich triggern können, jedenfalls sind Raucher deutlich häufiger von dieser Erkrankung betroffen als Nichtraucher. Aber auch bei bereits bestehender Erkrankung ist ein Nikotinverzicht sehr zu empfehlen. So nimmt das Schubrisiko deutlich ab, die Notwendigkeit einer OP ist seltener gegeben und auch die Rezidivrate ist bei nichtrauchenden Crohn-Patienten kleiner als bei rauchenden. Neben den allgemeinen Gesundheitsrisiken der Zigarette lohnt sich ein Entzug für Crohn-Betroffene also in mehrfacher Hinsicht.
  • 5. Nehmen Sie Kontakt zu anderen Betroffenen auf! Auch und gerade weil einige Symptome des Morbus Crohn mit Gefühlen von Scham oder Peinlichkeit verbunden sein können –  isolieren Sie sich nicht! Crohn ist besonders unter jungen Erwachsenen gar nicht selten und es kann sehr hilfreich sein, zu erfahren, wie andere mit den Herausforderungen der Krankheit umgehen. Im Zeitalter der sozialen Medien braucht man dazu noch nicht mal das Haus zu verlassen und kann beim Austausch auf entsprechenden Foren völlig anonym bleiben. Doch sollte man auch den persönlichen Kontakt mit anderen Crohn-Erkrankten nicht unterschätzen. Ob Selbsthilfegruppe oder eine in Online-Netzwerken geknüpfte Freund- oder Bekanntschaft – es kann sehr entlastend sein, wenn man sich immer wieder mal austauschen kann und sich dem anderen nicht erklären muss.
  • 6. Wissen ist Macht... und Rückgewinn von Kontrolle. Chronische Erkrankungen können mit Gefühlen von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein und Kontrollverlust einhergehen. Akzeptieren Sie gelegentliche Wut oder Traurigkeit, aber versuchen Sie auch, einer Resignation aktiv entgegenzuwirken. Informieren Sie sich beispielsweise umfassend über Ihre Krankheit. Wer weiß, welche Lebensmittel ihm guttun, welche Arzneistoffe tabu sind, was bei Schüben zu tun ist oder welche Methoden Linderung bei diversen Symptomen bieten, kann seinen Alltag deutlich entspannter angehen.
    Und: Hadern Sie nicht mit Ihrem Los! Es ist so, wie es gerade ist. Erst wenn Sie Ihre Krankheit wirklich für sich akzeptieren, werden Sie im Leben die nächsten Schritte machen können.
  • 7. Reduzieren Sie den Stress! Auch wenn latenter oder akuter Stress den Morbus Crohn nicht primär auslöst, kann er doch Symptome verschlechtern und das Schubrisiko erhöhen. Die Ursache liegt darin, dass sich starke Anspannung unmittelbar auf den Verdauungstrakt auswirkt: Passagezeiten werden verlangsamt oder beschleunigt, Säurespiegel steigen an etc. Bei anhaltender Belastung kann es durch Anpassungsprozesse sogar zu Gewebeveränderungen kommen.
    Grund genug, das Leben – wo eben möglich – etwas zu entschleunigen und bewusste Ent-Spannung einzuplanen. Sei es durch Sport, Autogenes Training, Yoga oder Veränderungen der beruflichen und privaten Anforderungen. Durchleuchten Sie Ihren Alltag auf Stressherde und verordnen Sie sich regelmäßige Auszeiten!
  • 8. Erstellen Sie sich Ihren persönlichen Speiseplan. Die Essgewohnheiten spielen bei Morbus Crohn eine wichtige Rolle. Manche Lebensmittel können bei Betroffenen Schmerzen oder Durchfälle auslösen und sollten deshalb gemieden oder reduziert werden. Folglich werden Erkrankte mit einer Fülle an Ernährungs-Tipps konfrontiert: Weniger Ballaststoffe! Vorsicht mit Milchprodukten! Häufige, aber kleinere Mahlzeiten... etc.
    Nehmen Sie diese Ratschläge als mögliche Wegweiser, aber versuchen Sie Stück für Stück Ihre eigenen Ernährungsoptionen herauszufinden. Möglicherweise haben Sie mit vielen Mahlzeiten gar keine Probleme oder aber es hilft schon eine kleine Umstellung (z.B. weniger Fettgehalt oder „gekocht, statt roh“).
    Eine Kladde oder Liste kann helfen, die diversen (positiven und negativen) Erfahrungen mit den verschiedenen Lebensmitteln zu bündeln und Ihnen letztlich ein Stück Sicherheit und Freiheit zurückzuschenken.
  • 9. Unterstützen Sie Ihre Knochen! Da die Aufnahme von Vitamin D und Calcium bei Morbus Crohn eingeschränkt sein kann, ist bei langjähriger Krankheitsdauer eine Reduktion der Knochendichte nicht auszuschließen. Insbesondere Frauen, Menschen mit Osteoporose in der Familiengeschichte sowie Patienten, die aufgrund der Erkrankung Cortison erhalten, sollten daher ihre Knochengesundheit im Blick behalten. Der Arzt kann durch Bluttests ermitteln, ob bei Ihnen eine entsprechende Nahrungsergänzung nötig ist. Im Risikofall kann auch eine Knochendichtemessung hilfreich sein. Als Vorbeugung ist übrigens auch Sport gut: Gerade Bewegungsarten, die sanft gegen die Schwerkraft arbeiten (Treppensteigen, Joggen, Trampolin...) sind hier zu empfehlen.
  • 10. Achten Sie auf eine ausreichende Nährstoffaufnahme! Defizite im Vitaminhaushalt können bei Menschen mit Morbus Crohn verschiedene Gründe haben: Appetitmangel, Resorptionsstörungen oder Unverträglichkeiten (und damit bewusstes Weglassen diverser Nahrungsmittel zur Vermeidung von unangenehmen Symptomen). Zur Gesunderhaltung ist es sehr wichtig, dass der Körper trotzdem mit allen essentiellen Spurenelementen versorgt wird. Zusammen mit Ihrem Arzt sollten Sie hier typischen Mangelzuständen entgegenwirken.

Noch ein Extra-Tipp: In den letzten Jahren mehren sich wissenschaftliche Studien, die sich mit den Effekten von Naturstoffen beschäftigen – mit teilweise beeindruckenden Ergebnissen. Mehrere dieser Heilpflanzen und Naturprodukte haben erstaunliche Effekte und scheinen auch beim Morbus Crohn helfen zu können. Mehr dazu hier.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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