Colitis ulcerosa: Verlauf & Prognose

Die Colitis ulcerosa kann unterschiedlich verlaufen. Meist tritt sie schubweise auf, wobei sowohl die Frequenz der einzelnen Entzündungsphasen als auch die Stärke der Beschwerden individuell variieren können. Seltener verläuft die Erkrankung chronisch-kontinuierlich, ohne dass sich die Beschwerden zwischenzeitig wieder zurückbilden.

Mehr dazu erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Was versteht man unter einem schubförmigen Verlauf der Colitis ulcerosa?

Wie stark die Beschwerden bei einer Colitis ulcerosa ausgeprägt sind, kann individuell stark variieren. In der Regel richtet sich die Behandlung nach der Ausprägung der Symptome.

Bei der chronischen Colitis ulcerosa werden zwei Verlaufsformen unterschieden:

  • chronisch rezidivierend/intermittierend (in Schüben)
  • chronisch aktiv/kontinuierlich

Daneben gibt es fulminante Verläufe der Colitis ulcerosa, bei denen die Erkrankung plötzlich und akut auftritt. Sie geht mit starken Beschwerden einher und kann tödlich verlaufen. Diese Verlaufsform ist jedoch zum Glück selten.

Chronisch rezidivierender Verlauf am häufigsten

Der schubförmige Verlauf ist die häufigste Form der Colitis ulcerosa. Dabei wechseln Phasen mit mehr oder weniger plötzlich (akut) einsetzenden Symptomen mit relativ beschwerdefreien Abschnitten ab.

Wie lange die beschwerdefreien Zeiten anhalten, kann sich individuell deutlich unterscheiden. Bei manchen Betroffenen vergehen Jahre bis zum nächsten Schub, bei anderen kommt der nächste Schub nach deutlich kürzerer Zeit. In der Fachsprache wird diese Verlaufsform auch als chronisch rezidivierend bezeichnet.

Was ist ein chronisch aktiver Verlauf der Colitis ulcerosa?

Dauerhaft Beschwerden

Neben der schubförmig verlaufenden Colitis ulcerosa, bei der sich die Beschwerden zwischen den Schüben vollständig zurückbilden, gibt es auch chronisch aktive Verläufe dieser entzündlichen Darmerkrankung.

Dabei kommt es, obwohl der Betroffene die richtige Therapie erhält, nicht zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden. Zwar gehen die Symptome unter der Behandlung zurück, doch haben die Betroffenen mehr als zwei Krankheitsausbrüche bzw. Schübe (Rezidive) pro Jahr. Es wird also kein anhaltendes und komplettes Verschwinden der Beschwerden (Remission) erreicht.

Was ist eine Remission bei der Colitis ulcerosa?

Im Verlauf der Colitis ulcerosa werden körperliche Beschwerden (Schub) von beschwerdefreien Phasen (Remission) unterschieden. Unter einer Remission verstehen Mediziner das vollständige Abklingen der Schubbeschwerden. Die Krankheit ist nach einem Schub nicht mehr aktiv, der Betroffene befindet sich sozusagen in einer Ruhephase.

Keine Durchfälle, kein Blut, keine Schmerzen

Bei einer Colitis ulcerosa ist die Remission durch verschiedene Kennzeichen definiert. Dazu gehört zum einen, dass keine Durchfälle mehr auftreten und kein Blut im Stuhl zu finden ist. Zum anderen dürfen keine Darmbeschwerden oder andere Symptome, die mit einer Colitis ulcerosa zusammenhängen, bestehen.

Kriterien für das Vorliegen einer klinischen Remission sind demnach:

  • die Abwesenheit von Durchfällen (≤ 3 ungeformte Stühle pro Tag)
  • kein sichtbares Blut im Stuhl und
  • keine durch die Colitis bedingten Darmbeschwerden oder sogenannte extraintestinale Symptome außerhalb des Darmtraktes wie z.B. Gelenkschmerzen, Augenentzündungen oder Hautsymptome.

Wie lange kann eine Colitis ulcerosa symptomfrei bleiben?

Vorhersage über Verlauf schwierig

Wie oft es im Krankheitsverlauf zu einem Schub kommt und wie stark die Erkrankung ausgeprägt sein wird, ist wie bereits erwähnt sehr unterschiedlich und kann leider nur schwer vorhergesagt werden. Abhängig davon, wie stark die klinischen Symptome und die endoskopisch sichtbare Entzündung im Dickdarm ist, wird neben der Verlaufsform zwischen einem leichten, mittelschweren und schweren Verlauf unterschieden.

Zudem wird je nach Ausdehnung der Entzündung zwischen einer Proktitis (Entzündung des Enddarms), einer Linksseitenkolitis und einer ausgedehnten Kolitis bis hin zur Pankolitis (Befall des gesamten Dickdarms) unterschieden.

Milder Verlauf überwiegt

Der überwiegende Teil der Betroffenen hat einen milden Verlauf und spricht auf die initiale Therapie (meist 5-ASA und Steroide) gut an. Es gibt durchaus auch Menschen mit Colitis ulcerosa, die im gesamten Verlauf nur wenig Symptome bzw. 1-2 Schübe insgesamt haben. Die Erkrankung kann manchmal auch über 10 Jahre symptomfrei bleiben.

Auf der anderen Seite haben 5-10% der Betroffenen einen chronisch aktiven Verlauf, d.h. es wird trotz medikamentöser Therapie nie eine Remission erreicht.

Kontrolluntersuchungen auch im Ruhezustand sinnvoll

Über den genauen Langzeitverlauf gibt es nicht allzu viele Daten. Aus Studien weiß amn, dass neben dem Ausmaß des anatomischen Befalls insbesondere die Krankheitsaktivität entscheidend ist: Hat jemand in den ersten Jahren der Erkrankung sehr häufig immer wiederkehrende Schübe, so hat er auch im Verlauf der nächsten 10 Jahren ein erhöhtes Risiko für Schübe. Daher kann es in einem solchen Fall besser sein, gleich zu Beginn sehr intensiv zu therapieren um langfristige Komplikationen zu vermeiden.

Grundsätzlich gilt aber: Das Fehlen von körperlichen Beschwerden heißt nicht automatisch auch endoskopische Remission, also eine Abheilung der Dickdarmschleimhaut. Betroffene mit Colitis ulcerosa brauchen auch bei einem symptomfreien Verlauf regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt und in festgelegten Abständen auch Kontroll-Koloskopien.

Was sind Anzeichen dafür, dass eine Colitis ulcerosa eher milde und nicht schnell fortschreitend verläuft?

Teilbefall des Darms und wenig Beschwerden

Aus Studien wissen wir, dass Betroffene mit einem alleinigen Befall des Enddarms (Proktitis) statistisch gesehen einen milderen Verlauf haben als Menschen mit einem Befall des gesamten Dickdarms (Pankolitis). Für einen milden Verlauf spricht auch das Fehlen von Fieber, starken Blutabgängen, Durchfällen und Schmerzen.

Besteht dagegen bereits zu Beginn der Erkrankung ein ausgeprägter Befall mit schweren Symptomen und kommt es in den ersten beiden Jahren der Erkrankung zu häufigen Schüben, spricht dies eher für einen schweren Verlauf, der intensiv therapiert werden sollte.

Autoren: Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack, Dr. med. Anne-Kristin Schulze