Wie lange kann eine Colitis ulcerosa symptomfrei bleiben? Gibt es eine Art Höchstgrenze?

Im Verlauf der Colitis ulcerosa unterscheiden wir Phasen mit starker entzündlicher Aktivität und körperlichen Beschwerden (Schub) und beschwerdefreie Phasen (Remission). Kriterien für das Vorliegen einer klinischen Remission sind:

  • die Abwesenheit von Durchfällen (≤3 ungeformte Stühle pro Tag),
  • kein sichtbares Blut im Stuhl und
  • keine durch die Colitis bedingten Darmbeschwerden oder extraintestinale Symptome wie z.B. Gelenkschmerzen, Augenentzündungen oder Hautsymptome.

Vorhersage über Verlauf schwierig

Wie oft es im Krankheitsverlauf zu einem Schub kommt und wie stark die Erkrankung ausgeprägt sein wird, kann leider nur schwer vorhergesagt werden. Abhängig davon, wie stark die klinischen Symptome und die endoskopisch sichtbare Entzündung im Dickdarm ist, wird zwischen einem leichten, mittelschweren und schweren Verlauf unterschieden. Zudem wird je nach Ausdehnung der Entzündung zwischen einer Proktitis (Entzündung des Enddarms), einer Linksseitenkolitis und einer ausgedehnten Kolitis bis hin zur Pankolitis (Befall des gesamten Dickdarms) unterschieden.

Milder Verlauf überwiegt

Der überwiegende Teil der Patienten hat einen milden Verlauf und spricht auf die initiale Therapie (meist 5-ASA und Steroide) gut an. Es gibt durchaus auch Patienten, die im gesamten Verlauf nur wenig Symptome bzw. 1-2 Schübe insgesamt haben – eine Colitis ulcerosa kann manchmal auch über 10 Jahre symptomfrei bleiben.

Auf der anderen Seite haben auch 5-10% der Patienten einen chronisch aktiven Verlauf, d.h. es wird trotz medikamentöser Therapie nie eine Remission erreicht.

Kontroll-Untersuchungen auch im Ruhezustand sinnvoll

Über den genauen Langzeitverlauf gibt es nicht allzu viele Daten – aus Studien wissen wir, dass neben dem Ausmaß des anatomischen Befalls insbesondere die Krankheitsaktivität entscheidend ist: Hat ein Patient in den ersten Jahren der Erkrankung sehr häufig immer wiederkehrende Schübe, so hat er auch im Verlauf der nächsten 10 Jahren ein erhöhtes Risiko für Schübe. Daher kann es bei solchen Patienten besser sein, gleich zu Beginn sehr intensiv zu therapieren um langfristige Komplikationen zu vermeiden.

Grundsätzlich gilt aber: Das Fehlen von körperlichen Beschwerden heißt nicht automatisch auch endoskopische Remission, also eine Abheilung der Dickdarmschleimhaut. Patienten mit Colitis ulcerosa brauchen auch bei einem symptomfreien Verlauf regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt und in festgelegten Abständen auch Kontroll-Koloskopien.

Autorin: Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack

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Colitis ulcerosa: Verlauf und Prognose

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