Stimmt es, dass Rauchen vor Colitis ulcerosa schützt?

Ja. Es klingt ein bisschen absurd, aber die Datenlage dazu ist eindeutig. Sowohl Nichtraucher als auch Ex-Raucher erkranken häufiger an einer Colitis ulcerosa als aktive Raucher.

Zusammenhang mysteriös

Bislang ist völlig unklar, woran das liegt. Die Wissenschaft tappt hier noch im Dunkeln. Versuche, eine Colitis ulcerosa mit Nikotinpflastern zu behandeln, blieben erfolglos. Ein klares Argument gegen das Nikotin als Ursache. Was die Situation noch nebulöser macht, ist die Tatsache, dass die andere chronisch-entzündliche Darmerkrankung, der Morbus Crohn, bei Rauchern nachweislich häufiger auftritt. Und das, obwohl sich die beiden Erkrankungen ansonsten so stark ähneln.

Rauchen ist keine Therapie

In einem immerhin sind sich alle Experten einig: Zu rauchen, um eine Colitis ulcerosa zu verhindern, ist Quatsch. Und auch, eine Colitis ulcerosa selbst zu behandeln, in dem man eine nach der anderen qualmt, ist Unsinn. Denn zum einen ist ein bremsender Effekt des Rauchens, wenn die Erkrankung bereits besteht, nicht nachgewiesen. Zum anderen sind die damit neu heraufbeschworenen Risiken für Herzinfarkt, Lungenkrebs und viele andere Erkrankungen, die man nicht haben will, Grund genug, darauf zu verzichten.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (8)
Colitis und Rauchen.
8 Mittwoch, den 01. Juli 2020 um 15:47 Uhr
Werner Kull
Auch wenn es die Ärzte nicht gerne hören ist es aber Tatsache das Rauchen vor Colitis schützt. Ich habe das erstemal 2002 aufgehört zu Rauchen, einen Monat später fing das Drama an. Da wusste ich aber überhaupt nicht was los war. Also zur Darmspiegelung, Diagnose Colitis Ulcerosa. Dann folgten die üblichen Medikamente wie Salofalk und ähnliches. Genutzt hat es überhaupt nichts. Ich habe dann nach langer Suche im I-Net einen Artikel über einen aufgehörten Raucher gefunden. An das Rauchen hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht. Also habe ich wieder angefangen zu Rauchen und siehe da, ich hatte Ruhe. Natürlich ist die Colitis noch da, aber sie macht nichts mehr. Dann habe ich vor 2 Monaten mal wieder aufgehört zu Rauchen und siehe da, nach ein paar Tagen fing das ganze Drama wieder von vorne an. Die Toilette ist wieder mein bester Freund geworden. Im Moment sperre ich mich noch ein wenig wieder das Rauchen anzufangen, aber ich denke es wird wieder darauf hinaus laufen. Es ist klar das Ärzte das nicht unbedingt wollen und deswegen sagen das kein Zusammenhang besteht. Aber ich denke ich als Betroffener mit der Erfahrung die ich gemacht habe kann es in diesem Fall besser beurteilen.
Aus eigener Erfahrung
7 Sonntag, den 14. Juni 2020 um 18:25 Uhr
Patrick
Nach einem langen Leidensweg von den ersten Beschwerden bis zur Diagnose und anschließender hochdosierter, ärztlich verordneter Medikation, die zwar Linderung aber keine dauerhafte und stabile Besserung brachte, bin ich zufällig darauf gekommen, dass der ganze Mist begann, als ich damals rigoros vor Jahren mit dem Rauchen aufhörte. Das Aufhören war eine große Errungenschaft und so ging ich, nach etlichen Versuchen mit anderen Mitteln, schweren Herzens auch zu diesem Selbstversuch über. Binnen zwei Tagen war ich beschwerdefrei und bin es seitdem und vor allem stabil! Als wäre nie was gewesen! Was es ist, weiß ich nicht und ich finde es schade, dass in der Richtung nicht geforscht wird. Es ist aber definitv nicht das Nikotin. Würde man die eine Substanz extrahieren, sie wäre besser als jedes Medikament, das ich genommen habe. Ich finde es auch komisch, dass direkt in den Überschriften diverser Artikel und bei Google wie eine Warnung ganz oben steht, dass Rauchen nicht hilft. Das stimmt so nicht. Man sollte mal diejenigen fragen, die dadurch wieder einen planbaren und schmerzfreien Alltag haben. Ich lebe sonst gesund, viel Sport, gute Ernährung, wenig Zucker und Fett, kein Gramm Übergewicht. Für mich persönlich habe ich entschieden, dass wenige Zigaretten, die mir Leiden und einen diffusen Medikamentencocktail ersparen, vereinbar sind. Aber ich "forsche" auch selbst weiter, da das Rauchen eine bewusste übergangsweise Notlösung ist, bis ich dem ganzen auf die Spur gekommen bin oder es irgendwann vielleicht eine Heilung gibt. Rauchen ist natürlich nicht gut. Aber in meinem Fall ganz klar das kleinere Übel. Stehe für Studien übrigens gern zur Verfügung :)
Colitis nach Rauchstopp
6 Dienstag, den 02. Juli 2019 um 10:55 Uhr
Andreas
Ich habe 2016, nach gut 25 Jahren, mit dem Zigarettenrauchen aufgehört. Das mit Hilfe von E-Zigaretten mit Nikotinzusatz. Kurz danach ist dann bei mir eine bereits vorher schwach vorhandene, aber nicht diagnostizierte Colitis definitiv ausgebrochen (heute weiß ich, woher die Magenschmerzen und Durchfälle kamen).
Seither hat sich die Situation ständig verschlechtert. Momentan bin ich bei der Kombination von Mesalazin/Azathioprin angelangt. Ich fühle mich zwar ohne das Rauchen viel gesünder, was die Atemwege betrifft, aber Nikotin führe ich immer noch zu. Das scheint aber die Colitis nicht zu beeinflussen. Demnach müsste ein anderer Stoff vom Zigarettenrauch allenfalls eine "positive" Wirkung haben. Wünsche allen Betroffenen eine schubfreie Zeit.
Es lässt sich definitiv nicht von der Hand weisen...
5 Donnerstag, den 14. März 2019 um 12:56 Uhr
Jan Bergner
...aber: Rauchen kann Colitis ulcerosa stilllegen. Ich habe selbst seit 2001 CU und habe mich 7 Jahre lang auf das Schlimmste damit rumgeplagt. Sieben (7) schwere Schübe im Jahr waren keine Seltenheit. Genommen habe ich alles, vom Prednisolon, über Mesalazin bis hin zum AZA (Azathioprin). Geholfen hat nichts so wirklich. Eher zufällig, mitten in einer privaten Krise, begann ich Ende 2008 moderat zu rauchen (2-4 Zigaretten am Tag). Ich hatte noch einen leichten Schub in 2008, und dann war es vorbei. Remission, seit 11 Jahren, Beschwerden gegen 0. Bereits in den 1970er Jahren erkannte man die Wirkung des Nikotins gegen CU bei männlichen Patienten (und nur bei denen). Ärzte empfahlen damals noch moderat zu rauchen (heute nicht mehr vorstellbar, aber war so). Nur am Rande mit Augenzwinkern: Selbst Dr. House schreibt in einer Folge einem CU- Patienten ein Rezept: 2 Zigaretten am Tag. Der hat nicht schlecht geschaut. Da aber das Rauchen derzeit zum größten Feind überhaupt auserkoren wurde, ist das heute natürlich nicht mehr vermittelbar. Aber ich sage es an dieser Stelle: Wer durch die CU- Hölle gegangen ist, so wie ich, nimmt das leicht erhöhte Risiko durch Zigarettenrauch liebend gern in Kauf...
nicht so ein Quatsch
4 Montag, den 11. Februar 2019 um 07:11 Uhr
Andresen
Naja. Das Rauchen als Quatsch abzutun halte ich schon für ein wenig arrogant. Ich schlage mich seit knapp 20 Jahren mit einer CU rum. Ich kann die Symptome innerhalb von 2 Wochen ausschalten, wenn ich mit dem Rauchen anfange. In den letzten Jahren hat mir dies immer wieder angenehme Pausen verschafft, in denen ich essen und trinken konnte was ich wollte und mir keine Gedanken darüber machen musste, wo ich die nächste Toilette finde. Natürlich bin ich mir über die Risiken bewusst, nur überwiegt mein Wunsch nach einem gewissen Maß an Lebensqualität.
Colitis ulcerosa
3 Sonntag, den 21. Oktober 2018 um 10:32 Uhr
Ulrich Christine
Habe vor ca. 15 Jahren mit dem Rauchen begonnen. Gleichzeitig gingen die Beschwerden bei Colitis ulcerosa vollständig zurück, d. h., seit 15 Jahren war ich in Remission (keine Blutungen, normaler Stuhl etc.). Vor 3 Monaten hörte ich mit dem Rauchen auf - und gleichzeitig kam die längst vergessene Colitis ulcerosa wieder zurück! Dieser Zusammenhang sollte unbedingt erforscht werden. Ich möchte nicht rauchen, überlege aber, wegen der enormen Einbuße der Lebensqualität aufgrund der Colitis ulcerosa, ob ich nicht lieber wieder rauchen soll? Ganz ernsthaft.
Pancolitis
2 Freitag, den 30. März 2018 um 12:36 Uhr
Hildegard
Ich rauche hin und wieder, bin mit 31 Jahren erkrankt und heute 75 Jahre. Hatte viele Krankenhausaufenthalte und 49 Koloskopien, fand aber für meine Erkrankung kein Verständnis in meinem Umfeld. Da man mich nicht mehr operieren will, bekomme ich Azza. Ich trinke keinen Tropfen Alkohol. Aber, ein paar Zigaretten - die gönne ich mir. Zum Genuss!
Gerbstoffe die Ursache
1 Dienstag, den 31. Juli 2012 um 17:52 Uhr
Stephanie D.
Hallo,

ich habe zum Thema "Stimmt es, dass Rauchen vor Colitis ulcerosa schützt?" hier folgendes zu sagen:
Ich denke, dass es etwas mit den Gerbstoffen im Zigarettenrauch zu tun hat, was das Krankheitsbild und die Beschwerden der Colitis ulcerosa positiv beeinflusst.

Viele Grüße,
Stephanie D.
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