Warum entsteht eine Colitis ulcerosa?

Diese Frage kann bislang nicht genau beantwortet werden, da die Ursachen für eine Colitis ulcerosa bislang nicht oder nicht genügend bekannt sind. Wissenschaftler vermuten, dass zum einen erbliche Veränderungen für die Ausbildung dieser chronisch-entzündlichen Darmerkrankung verantwortlich sein könnten. So tritt sie in einigen Familien häufiger auf.

Insgesamt ist bezüglich der Vererbung aber noch vieles unklar. Es gibt mehrere Genkonstellationen bzw. Mutationen, die gehäuft bei Menschen mit Colitis ulcerosa nachweisbar sind. Allerdings ist dieser Zusammenhang noch sehr diffus, an wirklich tiefgreifenden Erkenntnissen fehlt es leider.

Eine Erkrankung der "modernen Welt"?

Zum anderen müssen aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen. So kommt die Colitis ulcerosa unter anderem in den hoch entwickelten Ländern der nördlichen Hemisphäre häufiger vor als in den weniger entwickelten Ländern der südlichen Hemisphäre. Ähnliche Beobachtungen gibt es ja auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Allergien oder Multiple Sklerose. Es wird immer wieder vermutet, dass unsere (übertriebenen) Hygiene-Maßnahmen und auch die Ernährung ursächlich dafür sind, dass wir in den Industrienationen so gehäuft mit Erkrankungen fehlgesteuerter Immunabwehr zu tun haben.

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Auch zwischen den ethnischen Gruppen gibt es offenbar Unterschiede. Die Colitis ulcerosa tritt zum Beispiel bei Menschen weißer Hautfarbe viermal häufiger auf als bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe.

Colitis in der Familie erhöht das Risiko

Wenn Sie ein Familienmitglied haben, das an Colitis ulcerosa leidet, dann ist statistisch auch bei Ihnen das Erkrankungsrisiko erhöht. Am engsten ist der Zusammenhang bei Geschwistern. Man hat festgestellt, dass Geschwister von Menschen mit Colitis ulcerosa 10-15 mal häufiger erkranken als andere.

Da die Colitis ulcerosa meist bereits im jungen Erwachsenenalter oder noch früher auftritt, nimmt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken aber auch bei Verwandten ab, umso älter sie werden. Und wichtig, sich klarzumachen: Selbst ein 15fach erhöhtes Risiko bedeutet immer noch, dass die größte Wahrscheinlichkeit darin besteht, nicht zu erkranken.

Forschung in vollem Gang

Jenseits von Vererbung, äußeren Einflüssen und ethnischen Unterschieden rücken die genauen Mechanismen, die sich hinter der Fehlsteuerung des Abwehrsystems und den nachfolgenden Entzündungsreaktionen verbergen, immer mehr in der Fokus der gegenwärtigen Forschung. Das ist nicht nur an sich spannend, sondern könnte auch Folgen für Sie als Betroffenen haben. Denn je weiter die Wissenschaftler der Erkrankung auf die Schliche kommen, umso genauer und zielgerichteter kann sie bekämpft werden.

Bisher beschränkt sich die Therapie weitgehend darauf, das Immunsystem und die Entzündung einzudämmen. In Zukunft könnte der Darm selbst mitsamt seinen unzähligen Kleinstbewohnern sowie die gestörte Barrierefunktion der Schleimhaut zum Ziel der Behandlung werden. Das liegt an folgenden Erkenntnissen:

Fragiles Gleichgewicht im Darm

Schon lange wird gemunkelt, dass ein komplexes Zusammenspiel zwischen fehlgesteuerter Abwehr, Darmmilieu und einer gestörten Schleimhautbarriere im Magen-Darm-Trakt von Menschen mit Colitis ulcerosa herrscht. Unklar ist allerdings nach wie vor, was am Anfang der zerstörerischen Prozesse steht und die Entzündung letztlich auslöst.

Anders als beim Morbus Crohn, dem "Bruder" der Colitis ulcerosa, sind bei ihr wohl nicht bestimmte Abwehrstoffe vermindert; vielmehr ist die Schleimhaut so verändert, dass sie ihre wichtige Barrierefunktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann. Sie ist dünner, ihr Sekret weniger dickflüssig. Eiweißstoffe, die der Abwehr dienen, haften daher weniger gut und werden durch das Darmrohr unverrichteter Dinge wieder ausgespült. Erreger haben es dadurch leicht, sich einzunisten. Das wiederum hat eine entsprechende Abwehr- und Entzündungsreaktion mit den bekannten Beschwerden zur Folge.

Therapie der Zukunft

Würde man die unzureichende Barriere stärken und den Darm bei der Abschirmung nach außen unterstützen, gäbe es womöglich gar keinen Anlass mehr für das Immunsystem, derart aus dem Ruder zu laufen. Erste Ansätze dazu gibt es bereits. So könnten sogenannte Probiotika, lebende Mikroorganismen, oder auch ganze Stuhlübertragungen den Darm wieder fit machen.

Noch ist vieles davon Zukunftsmusik. Aber die Forschung läuft auf Hochtouren und hat bereits vielversprechende Ansätze gefunden. Vielleicht ist auch bald für Sie ein Mittel dabei, dass Ihnen ganz besonders gut hilft.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (2)
Kontamination
2 Montag, den 04. November 2013 um 21:00 Uhr
Hendrik
Hallo Stefanie! Was haben Sie mit den Gegenständen aus der alten Wohnung gemacht? Ich habe eine ähnliche Befürchtung und die Vermutung, dass doch alles kontaminiert sein müsste. Viele Grüße
Wohnungsschimmel und Colitis ulcerosa
1 Dienstag, den 31. Juli 2012 um 17:55 Uhr
Stephanie D.
Hallo,

ich war durch Wohnungsschimmel, Aspergillus niger (krebserregender Schwarzschimmel), im Schlafzimmer und Aspergillus versicolor im Badezimmer und weiteren Schimmelbefall der ganzen Wohnung/des gesamten Hauses (schwere Baumängel) über viele Jahre an einer schweren Darmentzündung erkrankt, hatte nur noch blutige Durchfälle, jeden Tag so viel Blut im Stuhlgang, sodass mir aufgrunddessen sogar der Zyklus für mehrere Monate ausblieb, was wohl auf den starken Blutverlust zurück zu führen war.
Auch meine Colliehündin erbrach sich 3-6 mal täglich und hatte ebenfalls blutige Durchfälle.
Ich hatte so starke Schmerzen, dass ich schwere Herz-Kreislauf-Beschwerden bekam und mir vor Schmerzen beide Beine taub wurden und ich ein paar Mal fast kollabierte. Ich litt ebenfalls unter starkem Schwindel, totaler Erschöpfung, unerträgliche Übelkeit.
Später bekam ich amtlich bescheinigt, dass diese Wohnung "unbewohnbar" sei.
Als ich dann 2010 endlich eine neue Wohnung für mich und meine Hündin fand und dort ausgezogen war, besserte sich mein Gesundheitszustand immer weiter, so dass ich jetzt 2012 fast beschwerdefrei bin.
Ich denke, dass ggf. Wohnungsschimmel oder auch Schimmel generell für das Ausbrechen bzw. die Erkrankung der Colitis ulcerosa verantwortlich ist.

Viele Grüße,
Stephanie D.