Colitis ulcerosa: Wann wird Ciclosporin (Sandimmun) verordnet?

Ciclosporin (z.B. Sandimmun®) ist ein Wirkstoff, der die körpereigenen Abwehrkräfte bremst, es gehört also zu den sogenannten Immunsuppressiva. Das geschieht, indem es die Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen, genauer der T-Lymphozyten, hemmt. Das Medikament ähnelt einem weiteren Immunsuppressivum namens Tacrolimus.

Nur bei extrem heftiger Colitis

Ciclosporin wird vor allem in der Transplantationsmedizin eingesetzt, um zu verhindern, dass transplantierte Organe wieder abgestoßen werden. Das Mittel hat sich aber auch als wirksam erwiesen, um bei einer extrem ausgeprägten und heftigen Colitis ulcerosa mit vielen blutigen Durchfällen, Fieber und Sepsis (umgangssprachlich "Blutvergiftung") die überschießende Entzündung einzudämmen. Ciclosporin gilt als sehr eingreifender Wirkstoff und wird daher in der Regel nur verabreicht, wenn Kortison-Präparate keine Besserung bringen.

Ist die Colitis gerade sehr stark (man spricht auch von einem fulminanten Verlauf), so wird Ciclosporin anfangs nicht selten als Dauerinfusion gegeben, direkt in die Vene. Später bietet es sich an, beispielsweise auf Kapseln zum Schlucken umzusteigen.

Eventuell mit Azathioprin kombinieren

Parallel dazu wird eventuell das Immunsuppressivum Azathioprin (z.B. Azafalk®, Imurek®) gegeben. Der Grund: Ciclosporin wirkt recht zügig, Azathioprin erst nach einigen Wochen oder Monaten. Ciclosporin ist also für den schnellen Einsatz da und hilft, die Zeit zu überbrücken, bis Azathioprin greift. Generell sollte Ciclosporin aber nicht dauerhaft verabreicht werden.

Nicht für jeden geeignet

Bevor die Therapie überhaupt beginnen kann, muss der Arzt sicherstellen, dass Sie das Mittel bekommen dürfen. Wichtig ist erst einmal ein Gespräch, dann eine körperliche Untersuchung. Ihr Blutdruck sollte gemessen werden, in der Regel wird man Ihnen Blut abnehmen und Sie um eine Urinprobe bitten.

Außerdem kann es hilfreich sein, wenn Sie Ihren Impfpass dabei haben. Denn bestimme Impfungen (Lebendimpfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber, Windpocken) dürfen Sie kurz vor und während der Therapie nicht bekommen, da sie bei dem geschwächten Immunsystem zu gefährlichen Komplikationen führen können. Andererseits ist es gerade wegen der eingeschränkten Abwehrkräfte wichtig, dass Sie soweit wie möglich geimpft und damit vor Infektionen geschützt sind.

Interaktionen und Nebenwirkungen

Sprechen Sie mit dem Arzt darüber, welche anderen Medikamente Sie gerade nehmen. Auch pflanzliche Heilmittel wie beispielsweise Johanniskraut sind von Bedeutung. Manche Stoffe vertragen sich nicht oder beeinflussen sich gegenseitig, sodass die Wirkung verstärkt oder abgeschwächt wird.

Wenn Sie Ciclosporin nun bekommen, kann es – wie bei allen Medikamenten – sein, dass Sie Nebenwirkungen bei sich bemerken. Sehr häufig (das betrifft mehr als 10% der Anwender) berichten Betroffene von Kopfschmerzen und Zittern. Bei Frauen kommt es oft zu einem sogenannten Hirsutismus, also einer vermehrten Körper- und Sexualbehaarung. Auch Nierenprobleme können auftreten, ebenso häufig steigt der Blutdruck an.

Engmaschige Kontrolluntersuchungen

Sie sollten sich während der Therapie mit diesem Mittel regelmäßig bei Ihrem Arzt zeigen (wenn Sie nicht ohnehin im Krankenhaus sind) – anfangs wahrscheinlich jede Woche, dann alle zwei Wochen. Denn es ist wirklich wichtig zu prüfen, wie sich bestimmte Blutwerte verändern (sie geben beispielsweise einen Hinweis auf die Nieren- und Leberfunktion), ob Ihr Blutdruck gestiegen ist, ob Sie Fieber haben, ob sich Ihr Körpergewicht verändert hat und einiges mehr.

Schatten statt Sonne

Noch ein Hinweis für den Alltag: Sie sollten sich während der Behandlung mit Ciclosporin nicht zu sehr der Sonne aussetzen. Denn durch das Medikament steigt möglicherweise das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Am besten schützen Sie sich durch entsprechende Kleidung und Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor.

Autorin: Anna Brockdorff

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Cyclosporin A: Wirkung und Nebenwirkungen