Was ist ein toxisches Megakolon und wie wird es behandelt?

Toxisches Megakolon – hinter diesem etwas gestelzten Fachbegriff verbirgt sich eine ziemlich unangenehme und ernsthafte Komplikation, die bei der Colitis ulcerosa vorkommen kann, aber glücklicherweise nur noch sehr selten auftritt.

Charakteristisch: ein stark erweiterter Darm

Der Hintergrund: Die Entzündung greift auf die komplette Darmwand über und zieht das Nervensystem des Darms in Mitleidenschaft. Das führt dazu, dass die Wandmuskeln nicht mehr so arbeiten wie vorgesehen. Der Darm (medizinisch: Kolon) verliert seine Eigenbeweglichkeit und dehnt sich enorm aus (deshalb Megakolon). Das sieht man vor allem im Ultraschall und auf der Röntgenaufnahme. Dort zeigt sich, dass der Darm auf bis zu 10 cm erweitert ist. Aber auch die Beschwerden sind meist nicht zu übersehen, sodass sich die Diagnose oft schon daraus ergibt.

Folgende Symptome können auftreten:

  • aufgetriebener, evtl. harter Bauch, der heftig schmerzt (akutes Abdomen)
  • beim Abhören „Totenstille“ im Bauch (denn der Darm ist wie gelähmt, daher sind keine Geräusche mehr zu hören)
  • Fieber über 38 Grad Celsius
  • schneller Puls (mehr als 120 Schläge pro Minute)
  • hohe Entzündungswerte im Blut (weiße Blutkörperchen, CRP)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Flüssigkeitsmangel
  • Verwirrtheit
  • Elektrolytstörungen
  • niedriger Blutdruck

Gefahr eines Darmdurchbruchs

Dieser Zustand ist sehr gefährlich. Denn es kann passieren, dass der Darm durchbricht und sich Erreger im Bauchraum ausbreiten. In einigen Fällen entzündet sich das Bauchfell. Treten Krankheitserreger ins Blut über („Blutvergiftung“ oder in der Fachsprache „Sepsis“), entsteht dadurch möglicherweise sogar ein Schock, dann ist das ein absoluter Notfall. Je länger das toxische Megakolon unbehandelt bleibt, desto größer ist das Risiko. Und wir reden hier tatsächlich von Lebensgefahr.

Medikamente und/oder OP

Im günstigsten Fall wird der Arzt versuchen, das Megakolon noch mit Medikamenten in den Griff zu bekommen. Eingesetzt werden Antibiotika und Kortison. In der Regel muss man als Betroffener für eine bestimmte Zeit auf Nahrung verzichten und künstlich ernährt werden. Mit Infusionen werden Flüssigkeits- und Elektrolytverluste ausgeglichen. Sollte eine solch intensive konservative Therapie nach wenigen Tagen nicht anschlagen, kommen Sie um eine Operation meistens nicht drum herum. In einigen Fällen muss sogar sofort operiert werden. Dann wird der betroffene Darmabschnitt entfernt.

Autorin: Anna Brockdorff