Colitis ulcerosa: Komplementäre Therapien

  • Flohsamen: Indische Flohsamenschalen wirken ähnlich entzündungshemmend wie Mesalazin, allerdings gibt es hierzu keine gesicherten Studien. Durch Einnahme unmittelbar nach Einrühren in Wasser wirken die Flohsamenschalen durchfallhemmend, da sie im Darm weiter aufquellen und so den Darminhalt verfestigen. Lässt man die Flohsamenschalen dagegen länger stehen wirken sie eher abführend. Von aspartamhaltigen Präparaten ist abzuraten, da diese abführend wirken. Neben einigen Präparaten gibt es im Handel auch naturbelassene Flohsamenschalen. Flohsamen selber wirken genauso wie die Schalen, allerdings wesentlich abgeschwächt. Die Kosten für Flohsamenschalenpräparate werden bei diagnostizierter Colitis ulcerosa von den Krankenkassen übernommen. Da die entzündungshemmende Wirkung noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen wurde, kann man nur von einer Behandlung der Durchfälle und nicht der Ursache selber reden.

  • Weihrauch: Indischer Weihrauch hat eine entzündungshemmende Wirkung. Daher wirkt er einer Colitis entgegen. Die Studien zur Weihrauchbehandlung bei Colitis laufen an einigen Kliniken, aber es gilt nicht als anerkannte Therapie und wird nicht von der Krankenkasse bezahlt. Theoretisch wirkt auch reiner Weihrauch (etwa aus der Apotheke). Allerdings werden die Weihrauchstückchen schlecht verdaut. Selbst gemahlener und in Kapseln gefüllter Weihrauch verklumpt häufig, bevor er vom Körper aufgenommen werden kann, und wird wieder ausgeschieden.
  • Myrrhe: Auch Myrrhe wirkt entzündungshemmend. Myrrhe wird in der Naturheilkunde schon länger gegen Entzündungen innerlich und äußerlich angewendet. Neben der reinen (beim Kauen bitteren) Myrrhe stehen auch geschmacksneutrale Präparate zur Verfügung. Eine erste Wirksamkeitsstudie läuft.
  • Lecithin: Gesunde Darmschleimhaut im Dickdarm enthält Lecithin und dieses Lecithin spielt eine wichtige Rolle für die Barrierefunktion des Darms, also die Möglichkeit der Abgrenzung gegen Bakterien und Schadstoffe sowie diese ohne Immunreaktion zu tolerieren. In Studien wurde gezeigt, dass die Darmschleimhaut von Colitis-ulcerosa-Betroffenen signifikant weniger Lecithin enthält, als die von Gesunden. Da Lecithin jedoch durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse für die Verdauung aufgespalten wird, erreicht normal verabreichtes Lecithin den betroffenen Dickdarm nicht. Um intaktes Lecithin oral bis zum Dickdarm transportieren zu können, wird ein Lecithin-Granulat für diesen Therapieansatz mit dem Polymerharz Eudragit S100 magensaftresistent mikroverkapselt, so dass das Lecithin erst im unteren Dünndarm und im Dickdarm freigesetzt wird. Diese Therapie befindet sich momentan im Stadium der Dosisfindung und weiteren Erforschung. Sie ist noch keine anerkannte Therapie.[11][12]
  • Trichuris suis: Eier des Schweinepeitschenwurms (TSO-Eier) oral eingenommen haben sich in ersten Studien als erfolgversprechend dargestellt. Es liegt die Theorie zugrunde, dass das Immunsystem durch Beschäftigung mit diesen Parasiten von den unerwünschten Angriffen auf die Darmschleimhaut abgelenkt wird. Die Würmer sondern offenbar auch selbst wirksame Substanzen aus, die extrahiert werden können und in Tierversuchen bereits Autoimmunerkrankungen (bspw. Asthma) lindern können. Eine Zulassungsstudie ist in Planung, im Moment ist eine Behandlung auf Risiko des behandelnden Arztes möglich, wobei die Behandlungskosten von ca. 3.000 EUR pro Behandlungszyklus vom Patienten zu tragen sind. Die Schweinepeitschenwürmer sterben im menschlichen Körper innerhalb von 14 Tagen ab und können nicht auf andere Menschen übertragen werden.
  • Leukozytapherese: Ziel der Leukozytapherese ist es, bestimmte weiße Blutzellen (Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten) aus dem Blutkreislauf des Patienten zu entfernen, um die vermutlich durch Häufung dieser Zellen hervorgerufene Entzündung der Darmschleimhaut zum Abklingen zu bringen. Es ist zu vermuten, dass die Behandlung mit der Leukozytapherese ein Ungleichgewicht im gesamten körpereigenen Abwehrsystem wieder in ein Gleichgewicht verwandeln kann. Die Wirksamkeit der Leukozytenapherese ist in Japan bereits anerkannt. In Deutschland laufen noch Studien, bevor die Therapie von den Kassen übernommen werden kann.
  • Ernährung: Entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Omega 3 Fettsäuren und anthocyanhaltige Beeren, insbesondere Blaubeeren oder Heidelbeermuttersaft können auch etwas helfen. Oft hilft auch das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel. Welche Nahrungsmittel nicht gut vertragen werden, ist jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich. Zusätzlich werden im akuten Schub häufig Lebensmittel nicht oder nur in geringer Menge vertragen, die in Remission vertragen werden (etwa Milch, Sahne, Äpfel, Gemüse mit Schale). Entsprechend wird empfohlen, den Genuss von aggressiven, entzündungsfördernden Nahrungsmitteln einzuschränken. Mehr erfährt man beim Besuch der Ernährungsberatung.
  • THC-Produkte: Während eines akuten Schubs führt die Einnahme von THC-Produkten in leichter Dosierung zur Krampflösung. Sie sind in Deutschland für diese Indikation jedoch nicht zugelassen.
  • Dimeticon: Gegen extreme Blähungen, die mit den üblichen Hausmitteln (Magendarmtee, etc.) nicht ausreichend zurückgehen, können dimeticonhaltige Präparate, evtl. in Kombination mit Enzymen, Linderung bringen. Hiermit werden jedoch nur die Blähungen, nicht die Entzündung an sich behandelt. Außerdem sind einige dieser Präparate bei bestimmten anderen Grunderkrankungen kontraindiziert. Daher sollten die Präparate – auch wenn frei verkäuflich – nicht ohne aufmerksames Lesen des Beipackzettels oder ärztliche Rücksprache eingenommen werden.



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