Stimmt es dass die Muttermilch als Therapeutikum bei Colitis ulcerosa in Betracht kommt?

Ja, und zwar die sogenannte Vormilch (auch Kolostrum genannt). Und nein, weil unrealistisch. Kolostrum ist die erste Milch, die von der Mutter bis wenige Tage nach der Geburt gebildet wird. Beim ersten Stillen nimmt das Neugeborene also in der Regel Kolostrum zu sich.

Die „Vormilch“ enthält viele Substanzen, die das Zellwachstum und die Zellerneuerung unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel Wachstumsfaktoren wie IGF-1 (insulin-like growth factor) oder TGF-b (transforming growth factor beta).

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Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Kolostrum und andere aus Milch stammende Substanzen (Peptide = kurzkettige Eiweiße) kurzfristig offenbar die Zellregeneration fördern und gegen Darmentzündungen wirken. Allerdings fehlen bislang langfristige Daten, so dass die Anwendung von Kolostrum und ähnlichen Substanzen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zur Zeit noch nicht ernsthaft empfohlen werden kann.

Im übrigen wäre zumindest menschliches Kolostrum auch praktisch unverfügbar (da es ja nur begrenzt produziert und dann für den Säugling benötigt wird), so dass eine positive Wirkung der Vormilch sogleich unlösbar scheinende Anwendungsprobleme hervorrufen würde. Aber möglicherweise ließen sich daraus synthetische Herstellungsprozesse ableiten.

Autorin: Dr. med. Anne-Kristin Schulze

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