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Antidepressiva: Wirkung und Nebenwirkungen

Wann sind Antidepressiva sinnvoll, wann nicht? Welche verschiedenen Medikamente gegen Depressionen gibt es überhaupt und wie unterscheiden sie sich? Alle wichtigen Fragen zu einer der umstrittensten Arzneimittelgruppen überhaupt versuchen wir im folgenden Beitrag zu beantworten.

Welche Arzneimittel werden als Antidepressiva eingesetzt?

Antidepressiva greifen in den Hirn-Stoffwechsel ein und beeinflussen, etwas vereinfacht gesagt, unsere Glückshormone. Sie sorgen dafür, dass diese Botenstoffe, die unsere Stimmung positiv beeinflussen, besser arbeiten können. Meistens beruht das auf dem Prinzip, dass Serotonin & Co an ihren Wirkorten länger zu Verfügung stehen.

Und wie wird das mit den Medikamenten erreicht (wenn sie denn wirken)? In dem: 

  • die Rückspeicherung der Botenstoffe verhindert wird;
  • deren Abbau blockiert wird;
  • oder sie vermehrt ausgeschüttet werden.

Die Wirkung und die Nebenwirkungen der antidepressiven Arzneimittel hängt von der Art und Zahl der beeinflussten Botenstoffe ab. Ob diese neurochemischen Wirkungen der Medikamente tatsächlich für ihren antidepressiven Effekt verantwortlich zeichnen, ist letztlich noch immer unklar.

Neuere Antidepressiva wirken spezifischer

Die älteren, klassischen Antidepressiva (Trizyklika, Tetrazyklika, MAO-Hemmer) greifen in mehrere Botenstoffsysteme ein. Sie weisen deshalb eine sehr breite und hohe Wirksamkeit, dafür aber eine nicht so gute Verträglichkeit auf und kommen heute vor allem bei schweren Depressionen zum Einsatz.

Die neueren, "modernen" Antidepressiva beeinflussen dagegen gezielt nur einzelne Botenstoffsysteme. Sie sind deshalb wesentlich besser verträglich, teilweise aber auch weniger wirksam.

Wie schnell sollte man zu einem Antidepressivum greifen?

Nur wenn man tatsächlich an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt ist, sollte man – gemeinsam mit seinem Arzt – die Einnahme eines Antidepressivums erwägen. Die Faustregel der Experten besagt, dass dies nach einer zwei Wochen andauernden Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit ohne ersichtlichen Grund der Fall ist.

Bei leichten oder mittelgradigen Verlaufsformen gibt es immer zwei Behandlungs-Möglichkeiten: die medikamentöse Therapie oder eine Psychotherapie. Im Falle einer schweren Depression ist dagegen der Einsatz einer geeignet ausgewählten antidepressiven Medikation nach allgemeiner Expertenmeinung unverzichtbar.

Wenn man sich für die Einnahme eines Antidepressivums entscheidet, sollte man ihm auch die Chance geben, seine Wirkung zu entfalten, bevor man es wieder absetzt. Dies kann bis zu mehreren Wochen dauern.

Welche Antidepressiva gibt es?

Zu den Medikamenten, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, zählen vor allem die folgenden Gruppen.

Was sind in der Depressions-Behandlung Wiederaufnahmehemmer?

Bei der Mehrzahl der modernen Antidepressiva handelt es sich um sogenannte Wiederaufnahmehemmer. Das Prinzip: Botenstoffe wie z.B. Serotonin, die im Gehirn (positive) Signale übertragen, werden daran gehindert, nach Überbringen ihres Signals zurück in ihre Ausgangszelle zu gelangen. Dadurch können sie länger und intensiver wirken. Im Falle des Serotonins ist dies ein gewünschter Effekt, weil Serotonin eine positive Wirkung auf die Stimmung hat.

Medikamente versperren die Hintertür

Die Hemmung der Wiederaufnahme in die Ausgangszellen gelingt mit einem Trick: Das Medikament, also der Wiederaufnahmehemmer, ist an der Oberfläche gewissermaßen eine Kopie des Botenstoffes. Dadurch dockt er an die Zellen an, die den Botenstoff sonst wieder aufnehmen würden und versperrt dort den Weg. Die Hintertür für den Botenstoff wird also blockiert. Die Folge: Serotonin & Co bleiben länger im aktiven Raum (dem synaptischen Spalt) und wirken entsprechend länger.

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Wie wirken Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)?

Die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wirken vor allem aktivierend, stimmungsaufhellend und angstlösend. Sie haben in der Regel keinen beruhigenden oder dämpfenden Effekt.

SSRI blockieren gezielt den Rücktransport von Serotonin in seine zellulären Speicher. Dadurch verbleibt der Botenstoff länger im Synapsenspalt und seine Wirksamkeit wird erhöht. Genauer gesagt blockieren die Medikamente aus dieser Gruppe ein bestimmtes Transporter-Eiweiß, das Serotonin nach der Freisetzung normalerweise wieder rasch in die Zellen zurückbefördert. Ein Mangel an Serotonin wird mit dem Auftreten von Depressionen assoziiert.

SSRI sind seit den 80er Jahren auf dem Markt. Im Gegensatz zu den älteren Antidepressiva (z.B. Trizyklika) haben sie ein weniger stark ausgeprägtes Nebenwirkungsprofil. Wie die meisten Antidepressiva-Gruppen benötigen sie einige Tage bis mehrere Wochen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. SSRI sind heute die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva.

SSRI werden auch zur Behandlung von Angststörungen, Essstörungen, sexuellen Funktionsstörungen, Impulskontrollstörungen und anderen psychischen Problemen verordnet.

Die einzelnen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sind weiter oben aufgelistet.

Wofür steht die Abkürzung SSRI?

SSRI ist die Abkürzung für Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Wenn Sie jetzt das R und I in der Abkürzung vermissen, liegt das daran, dass die Bezeichnung aus dem Englischen übernommen wurde (SSRI = Selective Serotonin Reuptake Inhibitors).

Schwanger: Darf man dann noch Antidepressiva aus der SSRI-Gruppe einnehmen?

Nein, das sollten Sie auf keinen Fall tun. Das Risiko, dass die Depression zum ernsten Problem wird, ist deutlich geringer, als das Risiko, dass die Medikamente dem Ungeborenen relevant schaden. Während der Schwangerschaft können SSRI beim Ungeborenen unter anderem zu schweren neurologischen Problemen, zu Lungenerkrankungen und zu Missbildungen führen. Das Verbot gilt auch für die Still-Periode.

Wie wirken Selektive Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI)?

Die als SSNRI bezeichneten Antidepressiva erhöhen den Wirkspiegel der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin im Gehirn. In Deutschland gibt es bisher zwei dieser Medikamente: Venlaxafin und Duloxetin. Da Depressionen für Pharmafirmen ein großer und attraktiver Markt sind, werden es nicht die letzten sein.

Die Grundidee bei beiden Substanzen ist ähnlich wie bei den herkömmlichen SSRI (reine Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer): Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin gelten als stimmungsaufhellend. Deshalb soll ihre Wiederaufnahme in die Zellen nach der Ausschüttung eingeschränkt werden, damit sie länger agieren können.

Was sind trizyklische Antidepressiva (Trizyklika)?

Die trizyklischen Antidepressiva (kurz Trizyklika genannt) gehören zu den älteren Medikamentengruppen gegen Depressionen. Sie werden vor allem bei schweren depressiven Erkrankungen verschrieben. Sie wirken vor allem aktivierend und stimmungsverbessernd. Der gewünschte Effekt tritt allerdings in der Regel erst nach zwei bis vier Wochen ein.

Die Trizyklika haben ein recht breites Wirkspektrum, das bei den verschiedenen Einzelwirkstoffen unterschiedlich ausgeprägt ist. Sie hemmen beispielsweise die Wiederaufnahme von Serotonin und Dopamin, was sich positiv auf die Stimmung auswirkt. Sie können auch die Noradrenalin-Wirkung ankurbeln, was den Antrieb steigert. Und über eine stimulierende Wirkung auf Histamin können sie entspannend wirken. 

Welche Antidepressiva gehören zu den Trizyklika?

Die trizyklischen Antidepressiva werden grob in drei Gruppen aufgeteilt:

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  • Amitriptylin-Typ (neben Amitryptilin auch Doxepin, Trimipramin)
    stark beruhigende Komponente, vor allem bei Schlafstörungen und Unruhezuständen eine Option
  • Imipramin-Typ (neben Imipramin auch Clomipramin)
    antidepressiv, nur leichte Antriebssteigerung
  • Desipramin-Typ
    stark antriebssteigernd, langfristig angstlösend, zu Beginn aber mitunter auch Angstgefühle auslösend

Die einzelnen Trizyklika sind weiter oben aufgelistet.

Erwünschte Wirkung setzt oft mit Verzögerung ein

Was wichtig zu wissen ist: Der stimmungsaufhellende Effekt von Imipramin und Clomipramin tritt nicht sofort ein. Zu Beginn der Behandlung kommt es eher zu einer dämpfenden Wirkung. Dann aber, nach ein paar Wochen, setzt der eigentliche Wirkmechanismus ein: Der Antrieb nimmt wieder zu und die Stimmung wird besser. Lesen Sie dazu auch: Wie lange dauert es, bis trizyklische Antidepressiva anfangen zu wirken?

Welche Nebenwirkungen können trizyklische Antidepressiva haben?

Das breite Wirkspektrum der trizyklischen Antidepressiva hat Vorteile, hat aber auch den Nachteil, relativ viele unerwünschte Effekte verursachen zu können. Wegen der vergleichsweise höheren Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen gelten Trizyklika heute eher als Antidepressiva der zweiten Wahl. Typische Nebenwirkungen sind zum Beispiel Mundtrockenheit, Verstopfung und Gewichtszunahme.

Typische Nebenwirkungen zu Beginn der Behandlung

Die meisten Nebenwirkungen der trizyklischen Antidepressiva gehen auf deren anticholinerge Wirkung zurück. Damit ist der hemmende Effekt auf den Parasympathikus gemeint, den von Acetylcholin gesteuerten Part des vegetativen Nervensystems. Da der Parasympathikus unter anderem die Herzarbeit beruhigt und den Speichelfluss anregt, sind typische Nebenwirkungen vor allem zu Beginn:

  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen

Weitere typische Nebenwirkungen, die eher später auftreten

Nach ein paar Wochen der Behandlung tritt der anticholinerge Effekt etwas in den Hintergrund (verschwinden tut er aber nicht), dafür greifen jetzt vermehrt die stimmungsaufhellenden Effekte im Gehirn, die über eine Vermehrung der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin & Co erreicht werden. Damit verändert sich auch das Nebenwirkungsspektrum. Auftreten können jetzt zum Beispiel:

  • Sehstörungen
  • Zittern
  • Verstopfung
  • Gewichtszunahme

Eine vollständige Liste aller möglichen Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte dem jeweiligen Beipackzettel.

Was sind tetrazyklische Antidepressiva (Tetrazyklika)?

Tetrazyklische Antidepressiva (auch Tetrazyklika genannt) sind eine Medikamentengruppe gegen Depressionen, die den Trizyklika ähnelt. Ebenso wie die trizyklischen Antidepressiva sind die Tetrazyklika recht umfassend in ihrem Wirkspektrum, dafür aber wenig spezifisch.

Im direkten Vergleich zu den Trizyklika sind die Tetrazyklika weniger stark wirksam, haben dafür aber auch weniger Nebenwirkungen.

Tetrazyklika sind besonders wirksam auf den Noradrenalin-Spiegel im Gehirn und führen über eine Erhöhung des Noradrenalins zu einer Antriebssteigerung. Deshalb werden sie häufiger bei älteren Menschen mit ausgeprägter Antriebsschwäche verordnet.

Zur Wirkstoffgruppe der Tetrazyklika gehören:

  • Maprotilin: stimmungsaufhellend und beruhigend
  • Mianserin: wie Maprotilin, zusätzlich gegen Angstzustände
  • Mirtazapin: beruhigend, wird wegen seiner geringen Kreislaufbelastung häufiger bei älteren Menschen verordnet

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Wie wirken MAO-Hemmer?

MAO-Hemmer sind Medikamente gegen Depressionen. Sie wirken antriebssteigernd, stimmungsaufhellend und angstdämpfend. Das gelingt diesen Wirkstoffen, indem sie das Enzym Monoaminoxidase (MAO) daran hindern, Amine abzubauen, zu denen auch die Botenstoffe Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin zählen.

Die verschiedenen MAO-Hemmer unterscheiden sich dadurch, ob sie nur eine oder beide Unterformen der Monoaminoxidase (MAO-A und MAO-B) hemmen und ob sie dies dauerhaft (irreversibel) oder nur vorübergehend (reversibel) tun. Die wichtigsten Vertreter sind Moclobemid und Tranylcypromin.

Die MAO-Hemmer sind wirkungsstarke Medikamente, die bevorzugt in schweren Fällen, beispielsweise bei Nichtansprechen auf Trizyklika zum Einsatz kommen. Aufgrund ihres starken antriebssteigernden Effekts werden sie außerdem besonders bei gehemmten Depressionen, also bei Antriebsschwäche verordnet.

Was sind Phasenprophylaktika?

Phasenprophylaktika oder Stimmungsstabilisierer („Mood Stabilizer“) sind Medikamente, die bei bipolarer (manisch-depressiver) Störung und schizoaffektiver Störung angewendet werden. Die schizoaffektive Störung ist vereinfacht gesagt eine Art Mischung aus depressiver Verstimmung und Schizophrenie-ähnlichen Symptomen. Auch bei chronisch wiederkehrender Depression werden Phasenprophylaktika zur Verhinderung neuer Krankheitsphasen verschrieben.

Zum Einsatz kommen vor allem die Wirkstoffe:

  • Lithium
  • Valproinsäure
  • Carbamazepin
  • und seltener auch andere Substanzen

Eine Rückfallvorbeugung bei (unipolarer) Depression kann auch mit einem Antidepressivum in niedriger Dosierung erfolgen. Es liegt dann oft nahe, das Präparat, welches sich zuletzt als wirksam erwiesen hat, weiter einzunehmen.

Gibt es ein pflanzliches Mittel gegen Depressionen? 

Das bekannteste und am besten erprobte pflanzliche Mittel gegen Stimmungstiefs oder leichte Depressionen ist Johanniskraut. Der Wirkstoff wird im Gegensatz zu vielen anderen Heilpflanzen auch von der Schulmedizin anerkannt und auch von "normalen Ärzten" verschrieben.

Johanniskraut-Präparate kann man aber auch selber kaufen. Viele solcher Mittel gibt es in der Apotheke und z.T. auch bereits in Supermärkten. Allerdings empfiehlt sich der Kauf in der Apotheke, da die Supermarkt-Angebote oft einen zu niedrigen Gehalt an Johanniskraut haben. Um Stimmungstiefs und leichte Depressionen effektiv zu behandeln, werden pro Tag 500-800 mg Johanniskraut-Extrakt empfohlen.

Überzeugende Studiendaten

Dass Johanniskraut auch in der Schulmedizin so anerkannt ist und in offiziellen Leitlinien empfohlen wird, liegt in der für pflanzliche Arzneimittel ungewohnt guten Datenlage. So gibt es eine ganze Reihe an hochwertigen Studien, die einen Effekt von Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen nachweisen. Bei sehr schweren und ausgeprägten depressiven Episoden stößt das Phytotherapeutikum allerdings an seine Grenzen.

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Gibt es ein pflanzliches Mittel gegen Stimmungstiefs in den Wechseljahren? 

Auch hier sind Johanniskraut-Präparate die erste Empfehlung. Darüber hinaus sind bei depressiver Verstimmung oft auch beruhigende Mittel hilfreich, aus der Pflanzenmedizin also Baldrian, Melisse oder Lavendel. Denn Depressionen sind ja oft auch von Angst- und Unruhezuständen begleitet. Auch ein Versuch mit Rosenwurz-Extrakten kann sich lohnen. Einige Experten empfehlen bei Depressionen auch Kurkuma (Safranwurz, Gelber Ingwer).

Was sind positive Eigenschaften von Antidepressiva?

Antidepressiva haben nicht unbedingt einen guten Ruf. Zum Teil ist die kritische Haltung diesen Medikamenten gegenüber auch berechtigt, denn längst nicht immer halten sie das, was sie versprechen. Eine "Verteufelung" ist aber auch Unsinn. Denn oft genug helfen diese Medikamente auch aus Depressionen und damit schweren Lebenskrisen heraus.

Die Vorteile von Antidepressiva auf einen Blick:

  • Sie haben eine organische Wirkung, die wissenschaftlich fundiert ist.
  • Eine breite Palette von Medikamenten ermöglicht eine individuell angepasste Behandlung.
  • Die Erfolgsquote ist vergleichsweise hoch (wenn auch leider bei weitem nicht bei 100%).
  • Es besteht keine Gefahr der Abhängigkeit.
  • Antidepressiva bewirken keine Persönlichkeitsveränderung, wie das bei anderen Psychopharmaka zum Teil der Fall ist.
  • Es gibt keine Hinweise auf dauerhafte körperliche oder sonstige Schäden, auch nicht nach längerer Einnahme in höherer Dosierung.

Was sind negative Eigenschaften von Antidepressiva?

Wenn Sie sich auf Anraten Ihres Arztes dazu entschließen, Antidepressiva einzunehmen, sollten Sie dies mit Kenntnis der Eigenschaften dieser Medikamente tun, um Ihren eigenen Behandlungserfolg weder durch Anwendungsfehler noch durch zu rasches Absetzen zu gefährden.

Wichtig zu wissen ist, dass bei der Einnahme von Antidepressiva nahezu immer Nebenwirkungen auftreten, die darauf beruhen, dass es sich eben um Medikamente mit starker Wirkung handelt. Sie sollten also wissen, mit welchen negativen Eigenschaften von Antidepressiva zu rechnen ist, um deren Wirkungen und Nebenwirkungen an sich selbst kritisch beobachten und richtig einschätzen zu können.

Nebenwirkungen und Nachteile im Überblick:

  • Häufige Nebenwirkungen sind z.B. Mundtrockenheit, Ermüdung, Blutdrucksenkung, Libidostörungen, Koordinationsstörungen, Schwitzen, Sehstörungen, Magen-Darm-Probleme, Verstopfung, Zittern und Kopfschmerzen. Diese Begleiteffekte können zum Teil sehr unangenehm sein, gehen jedoch nach wenigen Tagen meist deutlich zurück.
  • Tückischerweise sind die Nebenwirkungen den Symptomen der Depression teilweise sehr ähnlich.
  • Die Symptome können sich wenige Tage nach Beginn der Medikamenteneinnahme verstärken, bevor die positive Wirkung zum Tragen kommt. Dies ist möglicherweise durch einen kurzfristigen Neurotransmitter-Mangel erklärbar, kann aber Ihre Unsicherheit über die Sinnhaftigkeit des Arzneimitteleinsatzes erhöhen.
  • Für den Krankheitsverlauf ist Ihr Vertrauen zum behandelnden Arzt und den gemeinsamen Therapiebeschlüssen von großer Bedeutung. Sprechen Sie also unbedingt mit Ihrem Arzt darüber, wenn Sie Zweifel an der Richtigkeit der medikamentösen Behandlung haben.
  • Die Wirkung tritt leider oft erst nach 2 bis 6 Wochen ein. Die Zeit bis zum Eintritt der Wirkung fordert die Geduld des Behandelten heraus und erfordert in dieser Phase eine besonders gute Betreuung, um einen Abbruch zu verhindern.
  • Da die genannten Nebenwirkungen auch in ähnlicher Form als Störungen bei Depressionen vorkommen können, ist zu Beginn der Behandlung zu berücksichtigen, dass es sich statt um Nebenwirkungen der (dann möglicherweise zu niedrig dosierten!) Antidepressiva auch um die zu therapierenden depressiven Beschwerden handeln könnte.

Woran scheitert häufig eine Behandlung mit Antidepressiva?

Zum einen wirken, wie oben beschrieben, Antidepressiva nicht bei jedem Patienten gleich gut. Zudem ist aber auch das Verhalten des Betroffenen von ausschlaggebender Bedeutung. Oft wird das Medikament nicht so eingenommen wie vom Arzt verordnet oder es wird sogar ganz abgesetzt. 

Zu den drei wichtigsten Gründen für ein Absetzen von Antidepressiva gegen den ärztlichen Rat zählen:

  • Angst vor Nebenwirkungen
  • Angst vor Persönlichkeitsveränderungen
  • Angst, abhängig zu werden

Sollten Sie diese Ängste teilen, würden wir Sie Ihnen gerne nehmen: Antidepressiva verursachen weder Persönlichkeitsveränderungen noch eine Abhängigkeit. Nebenwirkungen erzeugen sie schon, denn die sind letztlich auch ein Ausdruck ihrer starken Wirkung. Besser aber, als sich vor ihnen zu ängstigen, ist es allemal, sie zu kennen und kritisch an sich zu beobachten. Im Zusammenspiel mit dem Arzt können sie dann durch die passende Auswahl von Medikament und Dosierung meist auf einem akzeptablen Niveau gehalten werden.

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Was versteht man unter vegetativen Nebenwirkungen von Antidepressiva?

Bei der Einnahme von Psychopharmaka können Funktionsstörungen des vegetativen Nervensystems auftreten. Das vegetative oder autonome Nervensystem steuert Körperfunktionen wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel.

Mögliche vegetative Nebenwirkungen durch Antidepressiva sind:

  • Mundtrockenheit
  • Verdauungsstörungen
  • Harnverhalt
  • Blutdruckabfall
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Hitzewallungen

Wenn es zu solchen Nebenwirkungen kommt, sollten Sie den behandelnden Arzt darüber informieren. Möglicherweise lässt sich die Dosis des Medikaments reduzieren oder auf ein anderes Präparat wechseln.

Weshalb kommt es bei Einnahme von Antidepressiva manchmal zu Mundtrockenheit?

Mundtrockenheit kann in den ersten Wochen und Monaten eine unangenehme Nebenwirkung von Antidepressiva sein. Sie entsteht durch eine medikamentös bedingte Funktionsstörung der Speicheldrüsen, die zu einer verminderten Produktion von Speichel führt. Meistens (aber nicht immer) verflüchtigt sich diese Nebenwirkung nach ein paar Wochen.

Die Ursache der Mundtrockenheit ist der hemmende Einfluss mancher Antidepressiva auf den Botenstoff Acetylcholin. Der sorgt unter anderem für den Speichelfluss. Wird Acetylcholin gehemmt, vermindert sich die Speichelsekretion und der Mund fühlt sich trocken an. Das kann sehr unangenehm sein, lässt sich aber zumindest zum Teil durch spezielle Feuchtigkeits-Sprays lindern.

Welche Antidepressiva können eine Schlafstörung verursachen?

Ob ein Antidepressivum den Schlaf beeinträchtigt, hängt von der Wirkweise des jeweiligen Arzneimittels ab. Vor allem die Medikamente gegen Depressionen, die antriebssteigernd wirken, bringen zugleich auch oft die Gefahr von Schlafstörungen mit sich.

Komplexe Einwirkungen auf das Schlaf-Hormon Melatonin

Schaut man tiefer in die biochemischen Auslöser der Schlafprobleme hinein, wird es kompliziert. Verschiedene rezeptorvermittelte Prozesse und Interaktionsmechanismen im Zentralnervensystem spielen dabei eine Rolle. Sie führen unter anderem zu einer geänderten Funktionalität der Botenstoffe Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Und das wiederum wirkt sich auf die Produktion des Schlafhormons Melatonin aus.

Zudem wird der Schlaf-Wach-Rhythmus durch blockierende Effekte auf bestimmte Botenstoffe beeinflusst. Das alles führt dazu, dass zu Beginn der medikamentösen Behandlung oft vermehrte Müdigkeit eintritt. Im schlimmsten Fall kann diese bei längerer Einnahmedauer in ausgeprägte Schlaflosigkeit übergehen.

Einige Beispiele

Die Wirkstoffe Amitriptylin und Doxepin aus der der Substanzklasse der Trizyklika wirken sedierend, machen also müde. Trizyklika vom Desipramin-Typ dagegen sind psychomotorisch aktivierend und lösen als unerwünschte Nebenwirkungen neben Erregungszuständen und Verwirrtheit nicht selten eine Schlaflosigkeit aus.

Auch die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, das sind die derzeit am häufigsten verschriebenen Substanzen) können offenbar die Melatonin-Synthese und damit den Schlaf bis hin zur Schlaflosigkeit stören. Davon berichten bis zu 10% der Patienten, die SSRI einnehmen. Bei einem bestimmten Wirkstoff dieser Gruppe (Fluvoxamin) ist nachgewiesen, dass es die enzymatischen Abbauwege von Melatonin hemmt und damit dessen Schlafvermittlung stört. Andere SSRI wie Fluoxetin, Paroxetin und Citralopram haben diese spezifischen (Neben-) Wirkungsmechanismus offenbar nicht.

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Umstellung schwierig

Bei anderen Medikamentengruppen ist die Umstellung auf einen ähnlichen, aber besser schlafverträglichen Wirkstoff häufig ein probates Mittel, um die gestörte Nachtruhe wiederherzustellen. Bei den Antidepressiva ist das schwieriger. Hier ist die richtige medikamentöse Einstellung meist heikler und ein Medikamentenwechsel aus pharmakologischer Sicht deshalb nicht so gerne gesehen.

Findet ohnehin eine Neueinstellung statt, werden SSRI in niedriger Dosierung empfohlen. Pflanzliche Präparate kommen als schlaffreundliche Alternative in Frage, wenn die psychischen Störungen nicht sehr stark ausgeprägt sind.

Stimmt es, dass Antidepressiva die Erektionsfähigkeit vermindern können?

Ja, in manchen Fällen können Antidepressiva zu Problemen mit der Erektion führen. Das kann sich in Potenzstörungen oder auch in einem Libidoverlust äußern. Da aber auch die Depression selbst auf die sexuelle Lust schlagen kann (und das auch häufig tut), ist es nicht ganz einfach, bei auftretenden Erektionsstörungen zwischen Erkrankung und Medikamenten als Ursache zu unterscheiden.

Wenn das passiert, setzen Sie die Medikamente nicht einfach ab, damit riskieren Sie zu viel. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, für ihn ist das ein ganz alltägliches Problem. Manchmal hilft dann ein zusätzliches Medikament oder auch ein Medikamentenwechsel.

Nur wenige Medikamente haben eine weiße Weste

Apropos Medikamentenwechsel: Es gibt fast keine Antidepressiva, bei denen Probleme mit sexueller Lust und Erektion nicht beschrieben wären. In unterschiedlicher Häufigkeit. Daraus den Schluss zu ziehen, dass ein Wechsel nicht bringt, wäre aber falsch. Denn erstens kann im individuellen Fall das eine Mittel solche Probleme verursachen und das andere nicht. Bei einem zweiten Betroffenen kann es andersherum sein.

Zweitens gibt es auch ein paar wenige Antidepressiva, die völlig frei von dieser Nebenwirkung sind. Zumindest laut Studienlage. Dies sind:

  • Agomelatin (Valdoxan®)
  • Bupropion (Elontril®)
  • Mirtazapin (Remergil® und viele weitere Mirtazapin-Präparate)
  • Moclobemid (Aurorix® und viele weitere Moclobemid-Präparate)

Verändern Antidepressiva die Persönlichkeit?

Nein, für diese Sorge besteht kein Anlass. Antidepressiva können zwar in bestimmten Dosierungen vor allem Müdigkeit oder Übelkeit verursachen, verändern aber nicht die Persönlichkeit.

Das bekannte Antidepressivum Prozac (Wirkstoff Fluoxetin, in Deutschland unter anderem als Fluctin® oder Fluxet® auf dem Markt), das als zweitältester Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) schon seit über drei Jahrzehnten auf dem Markt ist, wurde mittlerweile sogar von Millionen US-Amerikanern aufgrund seiner antriebssteigernden Wirkung als Lifestyle-Droge konsumiert.

Dass Antidepressiva eben keine persönlichkeitsverändernde Wirkung haben, bedeutet übrigens auch, dass sie zur alleinigen Behandlung nicht ausreichen, wenn Änderungen im Denken und den mentalen Verhaltensmustern zur Überwindung einer Depression erforderlich sind.

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Machen Antidepressiva abhängig?

Ein klares Nein. Entgegen hartnäckig sich haltender Vorurteile führt selbst eine längere Einnahme von Antidepressiva nicht zur Abhängigkeit. Allerdings sollte man die Dosierung dieser Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache und stufenweise reduzieren oder gar auf Null herunterfahren.

Erstens, weil es sonst zu Absetz-Phänomenen kommen kann, beispielsweise zu vorübergehenden Schlafstörungen und leichter Unruhe. Zweitens – und das ist gravierender –, weil ohne den medikamentösen Schutz möglicherweise ein erhöhtes Rückfallrisiko bestehen könnte.

Zu den Psychopharmaka mit Abhängigkeitspotenzial bei langfristiger Einnahme gehören beispielsweise die als Beruhigungsmittel eingesetzten Benzodiazepine.

Antidepressiva in der Schwangerschaft: Gefahr für die Neugeborenen

Eigentlich sollten Schwangere möglichst gar keine Medikamente nehmen, raten Frauenärzte. Doch insbesondere bei chronischen Erkrankungen, wie es bei psychischen Erkrankungen der Fall sein kann, lässt sich das kaum vermeiden. Eine Studie belegt nun, dass die Einnahme von Antidepressiva das Risiko erhöht, dass die Neugeborenen an Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) erkranken. Betroffen davon sind allerdings nur wenige.

Antidepressiva-Einnahme: Doppelt so viele Fälle an Lungenhochdruck

Für die in Skandinavien durchgeführte Studie (s. Quellen, BMJ) wurden über 1,6 Millionen Kinder der Jahrgänge 1996 bis 2007 untersucht. Bei 1.899 von ihnen gab es die Diagnose Lungenhochdruck. Das bedeutet einen Anteil von 0,11%. Hinter der Bezeichnung Lungenhochdruck verbirgt sich ein zu hoher (und gefährlicher) Blutdruck in den Lungengefäßen.

Bei den 11.014 Müttern, die im Spätstadium der Schwangerschaft Antidepressiva eingenommen hatten, wurden 33 Babies mit Lungenhochdruck gezählt, das sind 0,2%. Und bei den 17.053 Müttern, die diese Medikamente im Frühstadium der Schwangerschaft verwendet hatten, lag die Zahl der erkrankten Neugeborenen bei 32, das sind 0,19%.

Die Wissenschaftler beruhigen nun, dass die Gefahr für Lungenhochdruck bei Neugeborenen mit drei Fällen pro 1.000 Schwangerschaften grundsätzlich gering sei. Weil sich unter der Einnahme von Antidepressiva diese Zahl fast verdoppelt, raten sie jedoch zu einem vorsichtigen Umgang mit den Medikamenten.

Was ist zu tun, wenn man das Antidepressivum nicht verträgt?

Nebenwirkungen und Unverträglichkeitsreaktionen sollten möglichst rasch dem Arzt mitgeteilt werden. Möglicherweise bessert eine Dosisreduktion die Beschwerden, oder ein anderer Wirkstoff ist besser geeignet.

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Leider sind Nebenwirkungen von Antidepressiva keine Seltenheit. Im Prinzip ist das auch kein Wunder, wenn man sich vor Augen hält, dass diese Medikamente tief in den Botenstoff-Austausch im Gehirn eingreifen. Allerdings wäre es auch falsch, aus Angst vor Nebenwirkungen einen Behandlungsversuch mit Antidepressiva abzulehnen. Denn oft genug gelingt es damit tatsächlich, das Stimmungstief zu überwinden. Im Falle von Nebenwirkungen finden sich zudem in der Regel alternative Präparate, die auch gut wirken.

Kann man Antidepressiva einfach absetzen?

Man sollte die Menge der eingenommenen Antidepressiva nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt verändern. Auch zu rasches Absetzen der Medikamente kann zu Beschwerden führen, denn der Hirnstoffwechsel muss sich erst langsam anpassen.

Hält man sich nicht an diese Empfehlung und beendet die Einnahme der Antidepressiva praktisch von heute auf morgen, kann es zu sehr unangenehmen Begleiterscheinungen kommen. Typische Absetz-Symptome sind zum Beispiel

  • Muskelschmerzen
  • schwere Stimmungsschwankungen
  • Schwindel-Anfälle
  • Schlafstörungen
  • Unruhe-Zustände
  • Konzentrationsprobleme
  • grippeähnliche Symptome

Von den Herstellern wird dieses Problem häufig etwas heruntergespielt, aber es lohnt sich unseres Erachtens unbedingt, das Absetzen schrittweise anzugehen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt und entwerfen Sie gemeinsam einen Absetz-Plan.

Verursacht das Absetzen von Antidepressiva Entzugssymptome?

Wenn Antidepressiva zu rasch abgesetzt werden, kann es aufgrund der Anpassungen im Hirnstoffwechsel zu einem Absetzsyndrom mit leichten und vorübergehenden körperlichen Beschwerden kommen, die typischerweise schnell nachlassen, wenn das Arzneimittel wieder eingenommen wird. Durch ein stufenweises „Ausschleichen“ können diese sehr unterschiedlichen Absetzphänomene in der Regel vermieden werden.

Da Antidepressiva nicht abhängig machen, sind die „Entzugssymptome“ übrigens kein „Beweis“ für ein solches Suchtrisiko, wie immer wieder mal falsch berichtet wird. Aber sie zeigen andererseits doch, wie tiefgreifend der Einfluss auf die Botenstoffe im Gehirn ist.

Moderne Antidepressiva: Nutzen überschätzt?

Der Nutzen moderner Medikamente gegen Depressionen wird immer wieder in Frage gestellt. Haben Sie wirklich einen Vorteil gegenüber älteren Präparaten und anderen Behandlungsmaßnahmen? Oder wird hier nur Geld mit einer Volkskrankheit verdient? Das "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) hat 2009 (s.u. Quellen) drei moderne Antidepressiva unter die Lupe genommen – und kommt zu ernüchternden Ergebnissen .

Bewertet wurden die vorliegenden Studiendaten für die Wirkstoffe:

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  • Bupropion,
  • Duloxetin,
  • Mirtazapin,
  • Reboxetin,
  • Venlafaxin.

Reboxetin: "ungünstige" Daten weggelassen?

Apropos "vorliegende Studiendaten": Der Wirkstoff Reboxetin wurde laut IQWiG in mindestens 16 Studien an etwa 4.600 Menschen mit Depression erprobt. Der Hersteller Pfizer gab aber nur die Daten von etwa 1.600 Patienten bekannt. Für das Institut ein Unding, denn wenn so viele Daten fehlen, sei eine sachgemäße Beurteilung praktisch unmöglich. Denn es sei ja durchaus denkbar, dass vom Hersteller vor allem die ungünstigen Studienergebnisse im Schließfach belassen worden seien. Gegen diesen Vorwurf wehrt sich zwar der Pharmakonzern, aber von der Hand zu weisen ist dieser Verdacht nicht.

Das vorläufige IQWiG-Urteil: Datenlage unzuverlässig, kein nachgewiesener Nutzen.

Mirtazapin: fragwürdige Wirkung

Auch bei Mirtazapin fehlten Studiendaten, wenn auch nicht ganz so viele. Den Recherchen zufolge führte der Hersteller Essex 31 Untersuchungen durch, dem Institut wurden aber nur die Ergebnisse von 27 Studien zur Verfügung gestellt.

Gegenüber Plazebo gab es eine nachweisbar überlegene Wirkung, allerdings ohne vermehrte komplette Heilungen und mit mehr Nebenwirkungen. Die Behandlung mit Mirtazapin war in den meisten Studien allerdings nicht erfolgreicher als die mit anderen Antidepressiva.

Das vorläufige IQWiG-Urteil: Nutzen fraglich, weil nicht alle Daten vorliegen.

Bupropion: Nutzen nachgewiesen, aber schlechter als Venlaxafin

Einzig zum Wirkstoff Bupropion lagen dem IQWiG alle Daten aus insgesamt 6 Studien vor (Hersteller: GlaxoSmithKline). Darin zeigte sich eine nachweisbare Wirkung im Vergleich mit Plazebo, bei insgesamt guter Verträglichkeit. Im einzigen Direktvergleich mit einem anderen Antidepressivum erwies sich dieses – Venlaxafin – aber als überlegen.

Das vorläufige IQWiG-Urteil: Nutzen nachgewiesen, gute Verträglichkeit, aber möglicherweise kein Vorteil gegenüber Vergleichspräparaten.

Duloxetin und Venlafaxin: Nutzen nachgewiesen, Nebenwirkungen aber auch

Das Gesamturteil: Die beiden sogenannten Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) lindern relativ gut die Symptome und schützen vor Rückfällen, haben allerdings auch einige unangenehme Nebenwirkungen.

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In Vergleichsstudien mit Plazebo (Scheinmedikament) erwiesen sich beide Substanzen als überlegen in der Wirksamkeit. Laut der IQWiG-Analyse scheinen nach der Behandlung mit Duloxetin und Venlaxafin auch weniger Rückfälle aufzutreten als unter Plazebo.

Die Analyse der berichteten Nebenwirkungen ergab folgendes: Sowohl unter Duloxetin als auch unter Venlafaxin kam es häufiger zu Unverträglichkeitsreaktionen als unter älteren Antidepressiva (SSRI).

Wer hat recht: Die Pharmafirmen oder das Bewertungsinstitut?

Der Fairness halber wollen wir aber auch die Gegenstimmen erwähnen: Die Bewertungen des IQWIG geben regelmäßig Anlass zu Beschwerden. Mal sind es Hersteller, mal auch Patientengruppen, die die Berichte kritisieren. Ein häufiger Vorwurf lautet, dass bei den Beurteilungen der Patient selbst und dessen – subjektive – Einschätzung wenn überhaupt nur unzureichend berücksichtigt werde. Ein anderer richtet sich dagegen, welche Studien für die Bewertung des Nutzens eines Arzneimittels herangezogen werden und welche nicht. Das IQWIG wähle, so der Vorwurf, die Studien nach wissenschaftlich umstrittenen Kriterien aus. Deshalb würden viele Ergebnisse zur Wirkung von Medikamenten nicht berücksichtigt.

Studie mit Antidepressiva: kaum Unterschiede in der Wirksamkeit

Die 13 am meisten verwendeten Antidepressiva der zweiten Generation wurden jetzt untereinander und mit älteren Wirkstoffen verglichen (s. Quellen, Annals). Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirksamkeit der Mittel trotz großer Preisunterschiede sehr ähnlich und damit der Nutzen vergleichbar ist. Unterschiede wurden bei den Nebenwirkungen und in der Zeit bis zum Ansprechen festgestellt.

Neuere Antidepressiva oft verträglicher

Als Antidepressiva der zweiten Generation werden sogenannte "Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer" (SSRI) bezeichnet. Sie wirken, in dem sie gezielt die Menge des Serotonins, das als Bote zur Übertragung von Signalen zwischen den Nervenzellen dient, im Gehirn erhöhen. Das beeinflusst eine Depression positiv, weil es die Stimmung aufhellt und die Angst dämpft. Wirkstoffe sind u.a. Fluvosamin, Fluoxetin, Paroextin, Citalpram und Escitalopram.

Der Medikamentencheck stellt fest, dass die Wirksamkeit der Medikamente der ersten und zweiten Generation vergleichbar ist. Allerdings hätten die Medikamente der ersten Generation viel öfter und viel gravierendere Nebenwirkungen. Die Gefahren einer Überdosierung und von unerwünschten Wirkungen in Kombination mit anderen Medikamenten wurde von vielen Patienten als inakzeptabel eingestuft.

Insgesamt noch viel Luft nach oben

Der Vergleich der Medikamente der zweiten Generation untereinander zeigt, dass die Unterschiede in der Wirksamkeit sehr gering sind. Wenn es Unterschiede gab, dann offenbarten sie sich in der Dauer, bis die Antidepressiva ihre Wirkung entfalteten. Auch bei den unerwünschten Nebenwirkungen gab es unterschiedliche Profile der einzelnen Wirkstoffe. Doch die Studie stellt generell fest, dass die Beweiskraft der ausgewerteten klinischen Untersuchungen in den meisten Fällen zwischen mangelhaft, gering und dürftig rangiert, und nur in wenigen Fällen wirklich akzeptabel ist.

Weil zwei von fünf Patienten mit Depressionen nicht auf die erste Behandlung reagieren, mahnt die Studie effektivere Diagnose- und Therapiestrategien an, um das Ansprechen auf eine Medikation besser abschätzen zu können. Und auch um herauszufinden, ob die Kombination von Antidepressiva den Behandlungserfolg verbessern können.

Autoren:  & Dr. med. Jörg Zorn

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Unipolare Depression - Nationale Versorgungs-Leitlinie, Download: http://www.awmf.org, Zugriff August 2019.
  • Pressemitteilungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 11.6.2009 und 20.8.2009.
  • BMJ, doi: 10.1136/bmj.d8012, 16.01.2011.
  • Annals of Internal Medicine, 07.12.2011 

Kommentare: Archiv

Abhängigkeit
Mittwoch, den 03. August 2016 um 13:52 Uhr
Wie sollte man es denn nennen, wenn es beim Absetzen von Jatrosom zu massiven Beschwerden kommt? Natürlich die Abhängigkeit von 
diesem Mittel! Alles andere ist Verscheißerung!
 
Mirtazapin
Dienstag, den 19. Juli 2016 um 14:15 Uhr
Der Kommentar vom 3. Februar trifft es auf den Punkt! Wenn hier von leichten Beschwerden bei zu raschem Absetzen gesprochen wird, dann kann ich Dr. Hubertus Glaser nur empfehlen, diese Tabletten doch selbst einmal über mehrere Jahre zu nehmen. Wie würde der Artikel dann inhaltlich aussehen. Aber wie dumm von mir, ich bin ja nur der Patient, der das fühlt und erlebt. Ich werde ein Medizinstudium nachholen, dann weiß ich es besser und habe natürlich diese Entzugserscheinungen nicht!
 
Nicht abhängig: Euer Ernst?
Donnerstag, den 16. Juni 2016 um 19:12 Uhr
Zigaretten machen süchtig, aber Antidepressiva nicht? Bei Nikotin habe ich keine "Absetzerscheinungen", aber bei Venlafaxin (selbst Konsument) schon. Auch wenn man nicht daran stirbt, ist es Entzug und Abhängigkeit! Ich bin so wütend über die Medizin! Was lernt man an einer medizinischen Fakultät? Schön reden, was einem passt, schlecht reden, was nicht? Hinzu kommt, dass die meisten Ärzte völlig den Bezug zu Verbindung zwischen Körper und Geist verloren haben und davon keinen Plan haben! Sehr traurig!
 
Venlafaxin und Duloxetin
Sonntag, den 08. Mai 2016 um 22:49 Uhr
Das Absetzen von Venlafaxin war mega heftig. Stromschläge im Körper, vor allem Kopf und Beine. Sehr hässlich. 
Aktuell schleiche ich jetzt Duloxetin aus. Jetzt, wo ich auf null bin, kommen auch hier die Stromschläge und das Gefühl, als hätte ich am Vortag übermäßig viel Alkohol getrunken und noch leicht einen sitzen. Hoffentlich geht das bald weg, 4 Tage ist das jetzt schon so.
 
Fluoxetin nach 15 Jahren kalt abgesetzt
Freitag, den 11. März 2016 um 17:04 Uhr
Vor 32 Tagen abrupt abgesetzt: Symptome mittlere Schlaflosigkeit, Juckreiz am Oberkörper, Muskelschmerzen im Nacken und Rücken, Durchfall, etwas Schwindel, Herzrhythmusstörungen (Doppelschläge, Stolpern).
 
Jatrosom Entzug
Mittwoch, den 24. Februar 2016 um 00:11 Uhr
Nach meiner Ansicht macht Jatrosom abhängig. Ich habe es 20 Jahre genommen und habe große Probleme beim Ausschleichen. Valium konnte ich ohne Probleme von einem Tag zum anderen weglassen, ebenso Lexotanil nach 3 Jahren Einnahme.
 
Tranylcpromin
Mittwoch, den 03. Februar 2016 um 20:05 Uhr
Ich wende mich dagegen, dass Medikamente gegen Depression nicht abhängig machen. Da es zu starken Entzugssyndromen kommen kann, erzwingen diese häufig die Notwendigkeit der weiteren Einnahme. Das ist für mich ganz klar eine Abhängigkeit von diesem Medikament. Wenn die Abhängigkeit als Entzugserscheinung deklariert wird, dann ist das für mich eine reine Täuschung im Interesse dieser Medikamente.
 
Abhängigkeit: Die Frage, welche ewig wie NL im Brennpunkt steht....
Mittwoch, den 11. November 2015 um 10:40 Uhr
Guten Tag, 
da ich solchen Artikel natürlich als medizinisch interessant finde, und auch daher jeden Tag mit Medikamenten arbeite, finde ich es manchmal sehr interessant, was Kollegen so denken... Ich höre meist ähnliches über Medikamente. 
Da ich Pharmakologe noch bin, kann ich es nur nicht verstehen, warum immer eine Gruppe schuld sei... 90% verweisen auf Benzodiazepine. Wenn die Meinungen so gezielt immer wieder eine Gruppe betreffen, so frage ich mal, warum verschreiben 80% dann Benzodiazepine? Wir müssen eigentlich (meine Meinung) BZD ja nicht immer die Schuld geben. 
Es ist bekannt, dass eine Einnahme über einen längeren Zeitraum abhängig macht... BZD haben ein höheres Abhängigkeitspotential, jedoch in der Gruppe der Psychopharmaka, möchte ich sagen, sind ALLE Medikamente über einen langen Einnahmezeitraum suchterzeugend... 
Man macht es sich selbst zu einfach, 100% auf BZD zu schieben. Aber es sind immer 2 Gruppen in der Psychopharmakologie schuld, Benzodiazepine und Stimulanzien! 
Ich verordne täglich an ADHS Patienten welche Stimulanzien. Hier kann ich sagen, eine Abhängigkeit wäre nicht möglich. Möchte wissen, wer diese Meinung teilt mit mir, jedoch arbeite ich knapp über 10 Jahre mit ADHS Patienten, hier kann ich auch argumentieren bzw. eine Abhängigkeit ausschließen. Ich verweise aus die Tachyphylaxie, die hier eine Sucht 100% ausschließt. Das ist ein Fakt, der nicht in Frage gestellt werden kann, welcher Kollege kann mir ein AD ebenfalls zu 100% sagen.... 
Eines wollte ich noch als meine Meinung loswerden, schon evtl. ungewollte Überdosis von "Methylphenidat, Dex-Amphetamin" löst bei einem ADHS kranken Patienten nicht aus (Tachyphylaxie Dosis irrelevant), um genau zu bleiben, Amitriptylin x7 - 8 ist potentiell tödlich, die 2 häufigsten suizidalen VD wurden alle mit AD durchgeführt , da man an einer Atropinvergiftung stirbt. 
Die letzten 10 Jahre behaupte ich, ohne genaue Zahlen zu kennen, dass an AD prozentual zu Stimulanzien 85:15 verstorben sind. 
Kollegen verschreiben gerne TZA ohne Bedenken, mir wird gesagt, ADHS-Medikamente sind schon eine Gefahr. Die Gefahr, kann ich nur sagen, dass meine Patienten Methylphenidat bekommen u.a., welches in ihrer Einnahme nicht mal pathophysiologisch mehr ist. 
Ich bin ehrlich froh, dass ich ein solches Therapiefeld habe, TZA würde ich nicht einfach ohne 3 mal zu überlegen verschreiben, da ich eine Gefahr wie eine weitere Gruppe habe "Barbiturate" traurig aber Tatsache.
 
Antidepressiva
Donnerstag, den 05. November 2015 um 10:37 Uhr
Nehme seit 1 Woche keine Medis mehr. Mir gehts richtig kacke. Mir ist ständig schwindlig. Hab das Gefühl, nicht 100% da zu sein. Hoffe es geht bald vorbei. Ist ein enorm schlimmes Gefühl.
 
Escitalopram erfolgreich abgesetzt
Donnerstag, den 05. November 2015 um 09:04 Uhr
Ich habe das Medikament von jetzt auf gleich abgesetzt. Seit zwei Wochen nehme ich keine Tabletten mehr und fühle mich richtig gut. Ich kann besser schlafen und bin tagsüber nicht mehr so müde. Freunde sagen, ich bin ausgeglichener und lache mehr. Die ersten zwei Tage hatte ich das Gefühl von Watte im Kopf, aber jetzt geht es mir richtig gut.
 
Antidepressiva
Donnerstag, den 13. August 2015 um 08:02 Uhr
Ich habe Zyprexa, Mirtazapin, Valproat, Sertralin und noch viele weitere Psychopharmaka bisher genommen. Letzteres nehme ich noch heute (Valproat und Sertralin) und ich merke bei allem nicht ein bisschen Besserung. Ganz im Gegenteil. Im letzten und in diesem Jahr habe ich mein Dasein so gehasst, dass ich sogar mehrere Überdosen genommen habe ... Ich habe aber eine 15 Monate alte Tochter und somit Verantwortung, was mir sehr doll bewusst geworden ist. Nun kämpfe ich mich durch mein Leben und hoffe, dass es irgendwann besser wird.
 
Jatrosom absetzen
Donnerstag, den 09. April 2015 um 20:01 Uhr
Von 4 täglich auf 2 täglich dann 1 täglich und jeden 2. Tag eine. 
Ein längerer Weg!
 
gute Erfahrung
Sonntag, den 29. März 2015 um 20:48 Uhr
Mir hat Citalopram gut 2 Jahre geholfen und hatte davor 2.5 Jahre Amitryptilin ...nachdem ich Citalopram über 4 Monate langsam ausschleichen lassen habe, merke ich, dass jetzt nach 4 weiteren Monaten wieder alles so unangenehm wie vorher wird und ich mir echt überlegen, ob ich sie nicht wieder nehmen sollte ... jedenfalls ging es mir damit erheblich besser als jetzt.
 
Cipralex/Citalopram
Montag, den 23. März 2015 um 15:29 Uhr
Absetzerscheinungen halten teilweise so lange an, dass man nicht drum herum kommt, es wieder einzunehmen, obwohl man längst nicht mehr depressiv ist. Furchtbare Falle.
 
Lithium
Freitag, den 20. März 2015 um 16:27 Uhr
Problemloses Ausschleichen gelingt nicht immer!
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