Magersucht: Therapie

Oft werden systemisch-familientherapeutische Behandlungen empfohlen. In diesem Kontext erscheint der anorektische Patient als Symptomträger einer Familie und ist demnach nicht alleine behandlungsbedürftig.

So lernt der Patient nicht außerhalb der Familie das Essen und kommt dann in dieselbe Umgebung zurück, in der er krank geworden, sondern es werden die Ausdrucksformen und Regeln derart geändert, dass in der Familie Kommunikation und Konflikte direkt ausgedrückt werden können und somit kein Symptom mehr nötig ist. Nicht Einzelpersonen werden geändert, sondern die Regeln innerhalb des Systems.

Psychoanalytische Behandlungsansätze kommen ebenfalls zum Einsatz. Sie sollen unbewusste Konflikte, die zur Entstehung des Symptoms geführt haben, bewusst machen und so eine weitere Reifung der Persönlichkeit ermöglichen. Interessant ist, dass durch die psychodynamischen Therapien häufig eine Verbesserung der Symptomatik erreicht wird, ohne dass in der Therapie das fehlangepasste Essverhalten thematisiert wird.

Auch werden oft kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen angewandt, die zum Ziel haben, die verzerrte Körperwahrnehmung der Patienten zu beeinflussen, die Einstellungen zum Essen zu verändern und Wege für eine bessere Konfliktbewältigung sowie soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Es existiert keine störungsspezifische psychopharmakologische Therapie. Dies liegt daran, dass keine Medikation die Wirkung haben kann, die hinter der Magersucht stehenden Hintergrundprobleme (in erster Linie Bindungsunsicherheit und mangelndes Selbstwertgefühl) zu verbessern. In der Vergangenheit angewandte symptomatische – auf eine Gewichtszunahme bezogene – Behandlungen mit Neuroleptika und Antidepressiva zeigten bisher wegen der mangelnden Compliance der Patienten, an einer Therapie mitzuwirken, die mit einer unkontrollierbaren Gewichtszunahme einher geht, keine positiven Effekte.

Eine störungsspezifische Therapie umfasst neben einer Stabilisierung des Essverhaltens die psychotherapeutische Behandlung des Patienten. Bei einem kritischem Untergewicht - akute Todesgefahr besteht unter einem BMI von 13 - ist eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus mit einer parenteralen Ernährung notwendig, wobei der Patient über einen venösen Zugang mit Nährstoffen/Elektrolyten versorgt wird. Diese Zwangsernährung dient der Lebenserhaltung und ist als Therapie zur Verhinderung der körperlichen Folgen – bis hin zum Tod – der Erkrankung zu verstehen.


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