Welche Verläufe gibt es bei der Magersucht?

Eine Magersucht kann unterschiedlich verlaufen. Einige Patienten leiden langfristig an der Krankheit, sind also chronisch krank. Viele Patienten sind  nach einer Therapie geheilt, andere erfahren eine spontane Heilung.

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Kommentare (2)
Magersucht/ "Sportbulimie"
2 Samstag, den 26. Oktober 2019 um 14:54 Uhr
Nörgelbuff
Mit 18 hatte ich eine sehr schwierige Phase, in der sich eine Essstörung dazugemischt hat. Genetisch wie aus dem Buche - Essstörungen in beiden elterlichen Familien vorhanden.

Ich möchte an dieser Stelle gleich klarstellen, dass ich nicht der gängigen Meinung folge, dass Magersucht ein rein psychisches Geschehen ist und möchte an dieser Stelle auf die "migration theory" von Dr. Shan Guisinger hinweisen, die der Magersucht eine völlig andere Bedeutung zuweist.

F√ľr mich war und ist die Magersucht ein Mittel, um meine Depressionen einzud√§mmen und k√∂rperlich und geistig aktiv sein zu k√∂nnen. Das mag bizarr klingen, doch wer einmal selbst eine Essst√∂rung erlebt hat, wird dieses Gef√ľhl von Energie, die eigentlich garnicht mehr da ist, kennen. Man ist wie in Trance und nutzt Energiereserven des K√∂rpers, die f√ľr Extremsituationen "reserviert" sind. Es dauert bei mir sehr lange, bis der K√∂rper mir endlich realit√§tsnah mitteilt, in welchem Zustand ich eigentlich bin. In der Zwischenzeit grabe ich G√§rten um, bewege alleine schwere M√∂bel, sitze die ganze Nacht an der N√§hmaschine und schlafe so gut wie garnicht. Sobald die Grenzen des ganzen dann wiedereinmal erreicht sind und der Zustand lebensbedrohlich wird, kommt die Heilungsphase. Diese verkehrt dann alles ins absolute Gegenteil; Apathie, Kraftlosigkeit, extreme Depressionen...
Es ist sehr schwer aus so einem Kreislauf herauszufinden. Im Untergewicht bin ich unendlich kreativ, schlagfertig, scheinbar unbegrenzt belastbar. Im Normalgewicht kommen sofort die starken √Ąngste und die bleierne Lethargie zur√ľck.

Nach langer Recherche habe ich dann eine andere Sichtweise auf die Krankheit an sich kennen und sch√§tzen gelernt; Magersucht als biologische Antwort auf ein zuwenig an Nahrung und ein zuviel an Stress. Ein neurologischer Schalter, den jeder mit einer bestimmten Gen-Kombination in sich tr√§gt. Das erkl√§rt auch die vielen Essst√∂rungen, die psychisch v√∂llig gesunde Menschen ereilen, wenn diese ahnungslos eine Di√§t beginnen. Wer sich f√ľr die "Migrationstheorie" interessiert und der englischen Sprache m√§chtig ist, sollte sich diese unbedingt durchlesen. Frau Dr. Guisinger ist Evolutionsbiologin und Psychologin. Sie hat den Evolutionsanteil der Magersucht und den dahinter stehenden Mechanismus sehr gut erkl√§rt. Leider ist ihre Theorie auch nach √ľber einem Jahrzehnt praktisch unbekannt.
Auch die Arbeit von Dr. Jennifer Gaudiani ist sehr empfehlenswert. Sie ist in den USA eine der wenigen Spezialisten. Ihre B√ľcher sind bahnbrechend und r√§umen auch mit medizinischen Mythen auf, die viele √Ąrzte immer noch f√ľr wahr halten. Leider muss man immer noch hilfesuchend √ľber den Ozean schauen, wenn man nicht mit veralteten Methoden und Theorien konfrontiert werden will.

Als Erwachsene bin ich f√ľr meine Gesundheit komplett selbst verantwortlich. Das hei√üt im Klartext - und jede esssgest√∂rte Patientin √ľber 30 wird mir zustimmen - dass man den Willen zur Heilung ganz allein aufbringen muss. Es ist in diesem Zusammenhang sehr heilsam und wichtig zu wissen, dass die eigene Krankheit vor hunderten von Jahren einmal einen echten Zweck hatte und nichts mit psychologischen Hirngespinsten zu tun hat. Essst√∂rungen sind genetisch und forcierbar, was auch die vielen R√ľckf√§lle erkl√§ren k√∂nnte.

Ich geh√∂re zu den aktiven Skeptikern der Binge-Eating-Diagnose bei Menschen mit aktiver Magersucht. Ein Mensch, der √ľber Wochen, Monate, Jahre und sogar Jahrzehnte gehungert hat, wird fast immer extremen Hunger entwickeln, wenn er oder sie wieder beginnt zu essen. Dieser Hunger ist weder psychologisch noch medizinisch behandelbar und sollte unter keinen Umst√§nden pathologisiert werden! Ich lese auch hier √ľberall die Fehldiagnose Binge-Eating, obwohl die Mechanismen von extremer Unterern√§hrung allen Medizinern bekannt sein sollten! Binge-Eating ist eine Verlegenheitsdiagnose, weil die meisten √Ąrzte leider nicht √ľber entsprechendes Fachwissen verf√ľgen.

Ich empfehle jedem erwachsenen Betroffenen Tabitha Farrar und ihre B√ľcher zum Thema. Die Psychopathologisierung von Essst√∂rungen muss ein Ende haben. Die hohe Sterblichkeit muss endlich effektiv bek√§mpft werden. Und das kann nicht funktionieren, wenn die √Ąrzteschaft die Schuld an vergeblichen Therapien den Patienten permanent in die Schuhe schiebt und sich hinter der Diagnose "schwer therapierbare psychische St√∂rung" versteckt.

Mein jetziger R√ľckfall l√§sst mich die Zusammenh√§nge immer besser verstehen und ich sehe mich selbst gewisserma√üen im Dienste der L√∂sung des Problems f√ľr alle Betroffenen. Wir m√ľssen essen d√ľrfen, ohne den Binge-Eating-Stempel zu bekommen. Auch wenn die Waage in einigen F√§llen √úbergewicht anzeigen wird. Der K√∂rper sucht und braucht den Ausgleich von zu wenig bis zu viel. "Normale Portionen" k√∂nnen f√ľr ausgehungerte Lebewesen niemals ad√§quat sein. Das zeigt schon das Beispiel der Tierwelt. Das "Underfeeding Syndrome" ist ein sehr gro√ües Problem und findet in Deutschland √ľberhaupt keine Beachtung. Sobald Patienten einen Standard-BMI erreichen und diesen dann in der Heilungsphase √ľberschreiten, wird sofort Binge-Eating "diagnostiziert" und der Betroffene zur erneuten Di√§t gezwungen. "Denn sie wissen nicht,was sie tun..."

Solange Essstörungen weiterhin so grundlegend falsch behandelt werden und man Patienten permanent Angst vor dem Heilungsprozess macht, solange werden auch weiterhin Patienten an dieser Krankheit sterben.

Ich w√ľnsche allen Mitbetroffenen Mut und Kraft und alles Gute. Ihr seid nicht verr√ľckt, sondern auf "der Suche nach besseren Jagdgr√ľnden".

Alles liebe!
Magersucht/Selbstwertstörung
1 Freitag, den 22. Februar 2019 um 02:42 Uhr
Lessi
Ich leide an einer Selbstwertst√∂rung. Seit ich etwa 11 Jahre alt war. Und, ich hasse mich immer wieder regelrecht. Mit 14 habe ich das erste Mal gehungert und dabei auch ziemlich abgenommen. Ich war nie dick oder √ľbergewichtig, jedoch f√ľhle/f√ľhlte ich mich immer als zu dick und unwohl. Jetzt bin ich 30 Jahre alt, und vorletzen Sommer habe ich mich auf 32 kg runtergehungert (157 cm). Der Ausl√∂ser war eine gescheiterte Ausbildung usw. Das war das dritte Mal in meinem Leben, dass ich mich ins Untergewicht hungerte. Aber, so schlimm war es noch nie. Ich habe jetzt zwischen 37 und 38 kg und leide etwa einmal in der Woche an einem Essanfall zwischen (3500-4500 kcal). Dazu mache ich auch viel Sport. Ich traue mich zwar wieder mehr zu essen, aber sehr unregelm√§√üig und zu wenig. Ich nehme hin und wieder auch Abf√ľhrmittel. Es ist nicht einfach. Ich denke, die Angst blockiert viele Mensche, die an einer Magersucht oder Bulimie leiden - die Angst, immer mehr zuzunehmen, oder an einer Binge-Eating-St√∂rung zu erkranken. Mich mit eingeschlossen. Ich habe Angst, dass ich mein Leben lang diese schlechten Gef√ľhle nicht loswerde. Auch, wenn ich mehr Gewicht habe und "ges√ľnder" aussehe. Es ist eine Qual. Ach, ja - Sp√§tfolgen bis jetzt: Bl√§hbauch, Schlafst√∂rungen, depressive Verstimmungen, √úbelkeit, Verdauungsst√∂rungen. Geht es jemandem √§hnlich?