Wieso steigert Perfektionismus das Risiko an Anorexie zu erkranken?

Wir alle kennen den Drang danach, etwas perfekt zu machen, besser als jemand anderes zu sein und sich selbst etwas beweisen zu wollen. Zumindest vereinzelt erlebt solche Gedanken jeder einmal.

Bei Sport ein bisschen schneller zu sein, in der Schule oder während der Arbeit ein bisschen mehr Erfolg zu haben, oder auch das Gefühl sich zu ärgern, wenn ein Anderer besser war. Auch das Gefühl, etwas schlanker, sportlicher oder hübscher sein zu wollen, oder einfach nur in dem Kleid besser auszusehen als die gute Freundin, dürfte besonders Frauen, bekannt sein. Diese Gefühle und das Streben nach Perfektion sind völlig okay und zeitweise auch sehr gesund. Allerdings ist, wie bei allen Dingen im Leben, auf das richtige Maß zu achten.

Wenn körperlicher Perfektionismus zum Problem wird

Perfektionismus kann auch ein Teufelskreis werden, wenn man ihn zu stark auslebt. Das Verfolgen eines auf Dauer unrealistisch hohen Ziels ist ein typischer Auslöser für das Auftreten von Symptomen von Magersucht. Der Drang nach dem Wunsch schlank zu sein wird mit einem hohen Grad an Perfektionismus getriggert und oftmals auch besonders gut umgesetzt. Es geht hierbei nicht zwingend darum, besonders dünn sein zu wollen, sondern darum, seinen eigenen Ansprüchen und den gesellschaftlichen Normen genügen zu wollen.

Faktoren, warum gerade das Hungern ebenfalls wichtig ist, sind viele vorhanden. Besonders das derzeitige gesellschaftliche Bild, dass Erfolg mit Schlanksein und Schönheit einhergeht, führt dazu, dass ein Streben danach stark unterstützt wird.

Je höher der Perfektionismus, desto schwieriger die Behandlung

Menschen, die also stark perfektionistisch veranlagt sind und zusätzlich sich selbst auch als wenig selbstwirksam in Interaktion mit der Umwelt sehen, im Gegensatz dazu jedoch in Bezug auf das Diäthalten eine hohe Selbstwirksamkeit erleben, haben eher ein Risiko, an einer Anorexie nervosa (Magersucht) zu erkranken als andere.

Auch der Therapieerfolg wird durch diese Persönlichkeitseigenschaft behindert. Studien haben ergeben, dass die Stärke der Ausprägung des Perfektionismus den Erfolg der Behandlung beeinflusst. Menschen mit Magersucht oder Bulimie erlauben sich hierbei nicht das Erleben von unangenehmen Gefühlen in Bezug auf sich selbst, sondern fokussieren sich weiterhin auf Figur und Gewicht. Das Verständnis, dass dieser Fokus nur Ausdruck von tieferliegenden Gefühlen ist, wird oft erst nach sehr langer therapeutischer Arbeit aufgebracht.

Autorin: Fee Kalter