Magersucht: Erfahren die Eltern von dem Besuch in einer Beratungsstelle?

Nein, Kinder und Jugendliche, die sich wegen Magersucht oder Bulimie beraten lassen möchten, können das auch ohne Kenntnis der Eltern tun. Die Mitarbeiter der Beratungsstellen sind an die Schweigepflicht gebunden.

Anonymität gewahrt, dennoch lohnt sich Offenheit

Ungeachtet dieses gesetzlichen Rahmens können wir aber nur dazu raten, möglichst frühzeitig auch das Gespräch mit der Familie zu suchen. Das mag schwer sein und die Reaktion der Eltern kann durchaus problematisch sein, dennoch ist das allemal besser als ein monate- oder gar jahrelanges Verschweigen. Essstörungen wie Magersucht und Bulimie gehen in der Regel nicht von allein wieder weg, jedenfalls nicht auf die Schnelle, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern oder Familienmitglieder irgendwann etwas bemerken, ist sehr hoch. Dann kommt bei den Eltern oder Angehörigen zu der schwierigen Erstverarbeitung der Diagnose auch noch das Verletzsein wegen des Nicht-Erzählens hinzu.

Das alles ändert aber natürlich nichts daran, dass Sie erste Gespräche mit einer Beratungsstelle anonym führen können. Das ist oft sogar hilfreich, weil es dort viel einfacher ist, offen zu sein und nichts zu verschweigen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn