Magersucht oder Bulimie: Wem soll man sich anvertrauen?

Viele Menschen mit Magersucht oder Bulimie haben Angst oder Bedenken, sich Eltern, Familie oder Freunden anzuvertrauen und verheimlichen diesen deshalb die Krankheit. Das ist sehr gut nachvollziehbar, denn wer berichtet schon gern über ein "peinliches" oder tabuisiertes Problem. Und tatsächlich gelingt es gerade den Eltern längst nicht immer, auf diese Neuigkeit sofort gefasst und sachlich zu reagieren. Auch das ist gut verständlich, macht den Schritt aber nicht einfacher (auch wenn er richtig wäre).

Auf der anderen Seite kann es aber enorm hilfreich sein, über die Magersucht oder Bulimie zu sprechen. Oder auch einfach nur über das überstarke Bestreben, ganz ganz schlank zu sein.

Foren: Fluch und Segen zugleich

Ein naheliegender Impuls ist dann bei Vielen, einfach Kontakt zu anderen Betroffenen und Gleichgesinnten im Internet zu suchen. Da bleibt man anonym und die anderen Forums-Mitglieder können einen gut verstehen. Allerdings ist das Herumtreiben in Internet-Foren auch nicht ganz unproblematisch. Weil ein nicht geringer Anteil der Kontakte, die man dort trifft oder von denen man liest, einen eher noch weiter runterzieht als irgendwelche Wege aus der Sackgasse zu zeigen.

Menschen, die das Problem bei sich erfolgreich bekämpft und besiegt haben, trifft man in diesen Foren zwar auch. Aber man trifft eben auch sehr viele, die einfach nur loswerden wollen, wie miserabel es ihnen geht und wie schlecht die Welt ist. Oder die stolz über noch größere Kiloverluste berichten.

Damit Sie uns nicht falsch verstehen: Dieser Austausch mit Mitbetroffenen kann sehr hilfreich sein. Aber Sie sollten in Ihrem eigenen Interesse schauen, dass Sie die Forums-Kontakte eher dazu nutzen, aus der Magersucht rauszukommen, und nicht dazu, noch magersüchtiger zu werden.

Unser Tipp: Beratungsstellen

Empfehlenswert ist natürlich immer der Kontakt zu einer neutralen Person mit Fachkenntnis. Das kann theoretisch ein Arzt sein, aber nur die wenigsten haben wirklich große Fachkenntnisse in Sachen Magersucht und Bulimie und die wenigsten nehmen sich genug Zeit für ein tieferes Gespräch oder hören einfach mal eine Weile zu.

Deshalb ist unsere größte Empfehlung, und jetzt sind wir bei der Ausgangsfrage: Suchen Sie Kontakt zu einer Beratungsstelle für Magersucht und Bulimie. Deren Mitarbeiter kennen sich mit Essstörungen gut aus und können meist wirklich weiter helfen. Alternativ ist auch eine Selbsthilfegruppe ein guter Ansatz.

Wir raten allerdings dennoch dazu, Eltern, Partner oder Freunde so rasch es geht einzuweihen. Das ist schwierig, dennoch richtig und wichtig. Und die Geheimhaltung lässt sich meist ohnehin nicht lange aufrechterhalten. Und von allein verschwindet das Problem leider selten.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann & Dr. med. Jörg Zorn