Magersucht und lebensgefährlich dünn: Warum erkennen das die Betroffenen nicht?

Eine sehr schwerwiegende Folge der von Anorexie nervosa (Magersucht) betroffenen Patienten ist eine sich entwickelnde Wahrnehmungsstörung in Bezug auf ihren Körper. Was Angehörige als extrem dünn ansehen, sehen die Betroffenen völlig anders.

Natürlich ist dies nicht zu verallgemeinern. Es gibt durchaus auch Patienten mit Magersucht, die trotz der Erkenntnis extremer Schlankheit sich weiterhin einer Diät aussetzen. Dennoch haben die meisten Menschen mit diesem Problem große Schwierigkeiten, sich und ihren Körper vollständig und richtig wahrnehmen. Das heißt, sie nehmen sich als dick wahr, obwohl sie bereits oft lebensbedrohlich abgemagert sind.

Nachweisbare Veränderungen im Gehirn

Aber warum ist das so, woher kommt diese Wahrnehmungsstörung? Die Gründe hierfür werden kontrovers diskutiert und viele Faktoren spielen hierfür eine Rolle.

Studien haben inzwischen belegt, dass die Ursache hierfür schon neuronal, also im Gehirn nachzuweisen ist. Mit Hilfe einer FMRTs (Funktionelle Magnetresonanztomographie) konnte man feststellen, dass die Bereiche, die für die Verarbeitung und Wahrnehmung von Körperbildern relevant sind, weniger stark miteinander verbunden sind als bei gesunden Menschen. Die ersten visuellen Eindrücke gelangen vom Okzipitallappen in die sogenannte "Fusiform Body Area" und von da aus in die „Extrastriate Body Area“. Bei gesunden Menschen ist eine starke Verbindung zwischen diesen beiden Arealen vorhanden, die zu einer realistischen Einschätzung des eigenen Körperbildes führt. Die Verbindung bei Patienten mit Magersucht ist allerdings deutlich schwächer und zeigt so, dass das neuronale Netzwerk für Körperwahrnehmung funktionell beeinträchtigt ist.

Die Gründe hierfür und vor allem die Frage, ob zuerst die Anorexie nervosa oder die funktionelle neuronale Veränderung entstanden ist, bleiben allerdings weiterhin offen. Durch kognitive Verhaltenstherapie, körperschematischen Übungen und wiederholter Konfrontation des eigenen Körperbildes können diese Verbindungen allerdings eventuell wieder verstärkt werden.

Autorin: Fee Kalter