Was bringt eine Psychotherapie bei Magersucht?

Mitunter eine ganze Menge. Zumindest sind die Vorbehalte einiger Eltern gegen eine solche Behandlungsmethode ("Meine Tochter ist doch nicht geisteskrank") völlig unberechtigt, denn in der Tat liegt die Ursache einer Magersucht ja vermutlich häufig in einer unbewussten "Überkontrolle".

Eine Psychotherapie versucht solchen unbewussten Konflikten der Seele auf die Spur zu kommen und sie zu entmachten. Dafür ist ein tiefer Einblick in die Lebensgeschichte unabdinglich. Und damit natürlich auch eine Reflexion, was zwischen Eltern und Kind passiert ist.

Genau das ist aber für Eltern natürlich oft schwierig, wenn sie zum ersten Mal davon hören. Unser Tipp: Sie sollten sich davon nicht in die Schuld-Ecke gedrängt fühlen, denn darum geht es gar nicht. Es geht eher darum, herauszufinden, wie bestimmte Verschaltungen im Kopf in Bezug auf Beziehungen, Handlungskontrolle, Harmoniebedürfnis etc. entstanden sind. Denn nur dann kann man sie "umprogrammieren". Darauf zumindest basiert ein Prinzip der Psychotherapie.

Mögliche "Seelenkonflikte" betreffen die Bereiche:

  • emotionale Abhängigkeiten / unbewusstes Streben nach Unabhängigkeit (vor allem in der Pubertät)
  • innerer Leistungsanspruch und Leistungskontrolle
  • Harmoniebedürfnis
  • Unterdrückung stark emotionaler Entladungen (Streit, sich mal gehen lassen, unbändige Lust auf etwas, etc.)

Der psychotherapeutische Ansatz geht davon aus, dass die Ess-Störung nur eine Art Ersatzhandlung ist, um diese seelischen Konflikte zu umgehen.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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