Kind mit Leukämie: Gibt es auch alternative bzw. natürliche Behandlungsmethoden?

Eine noch kleine, aber wachsende Zahl von Kliniken bietet bei Leukämie auch alternative Methoden an. Wohlgemerkt in Ergänzung, nicht als Ersatz der schulmedizinischen Behandlung. Dabei geht es meistens um eine unterstützende oder die Begleiterscheinungen der Standardtherapie abmildernde Wirkung.

Mistel & Co

Entsprechende Ansätze der sogenannten Komplementärmedizin werden seit Anfang der 1980er-Jahre in Studien wissenschaftlich untersucht und hinterfragt. Der Einsatz von Mistel-Präparaten zählt insbesondere in den Kinder-Abteilungen anthroposophischer Krankenhäuser und in ähnlich spezialisierten Kinderarztpraxen zum etablierten, wenn auch umstrittenen Krebsbehandlungsspektrum – besonders bei nicht soliden Tumorformen wie den Leukämien. Außerdem gewinnt auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM, Akupunktur), mitunter auch die indische Heilkunst, zunehmend an Bedeutung.

Zu den weiteren, eher außerhalb des üblichen Klinikbereichs angebotenen Alternativmethoden zählen u.a.:

  • Vitamin-Behandlung
  • Pflanzliche Therapie
  • Sauerstoff-Therapie
  • Fieber- und Wärmetherapie
  • Einsatz von Organpräparaten aus Thymus oder Milz
  • esoterische Verfahren

Selbstheilungskräfte aktiviert

Als Wirkprinzip der alternativmedizinischen Methoden wird meistens eine Stärkung der körpereigenen Abwehr und die Förderung der Selbstheilungskräfte vermutet. Und das macht auch Sinn. Die Selbstheilungskräfte sorgen immer wieder einmal dafür, dass es zu einem plötzlichen, meist unerwarteten Heilungsverlauf kommt.

Allerdings können solche Entwicklungen auch ganz unabhängig von der jeweiligen Behandlung eintreten. Trifft eine alternative Behandlungsmaßnahme mit einer solchen Spontanheilung zeitlich zusammen, handelt es sich damit also nicht unbedingt um einen Wirksamkeitsbeweis – auch wenn der erfreuliche Ausgang vom Therapeuten natürlich gerne und selbstverständlich als eigener Erfolg betrachtet wird. Aber das gilt ja auch für die „Schulmedizin“. Nicht jede Heilung ist tatsächlich auf die Behandlung zurückzuführen.

Auch auf Alternativ-Seite gibt es Halunken

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der unkonventionellen Methoden stehen zur Zeit jedenfalls noch aus. Studien zu Alternativtherapien sind, besonders bei Krebserkrankungen, aus ethischen Gründen problematisch und genügen oft nicht den Kriterien eines anspruchsvollen Studiendesigns.

Fest steht aber, dass etliche, mit wohlklingenden Attributen wie „ganzheitlich“, „natürlich“ oder „sanft“ angepriesene Behandlungsversprechen einzig und allein auf den Geldbeutel besorgter Eltern und Familien abzielen, deren Not und Bereitschaft, sich an letzte Strohhalme zu klammern, schamlos ausgenutzt wird. Im besten Falle wird dabei noch ein gewisser Plazebo-Effekt stimuliert, schlimmstenfalls aber deshalb auf eine möglicherweise rettende Therapie verzichtet oder zu spät zurückgegriffen.

Wenn Sie Sympathien für alternative Behandlungsmethoden hegen, besprechen Sie sich in Ruhe mit dem behandelnden Arzt Ihres Kindes. Ein guter Arzt wird Ihnen hier mit Offenheit, Verständnis, Interesse und ehrlichen Auskünften begegnen – und sollte andererseits über alle Maßnahmen und Substanzen informiert sein, die Ihr Kind anderweitig erhält.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser &

Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine andere Meinung? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar (bitte Regeln beachten).
Anzeigen