Leukämie: Neue Hoffnung auf Vitamin-A-Säure

Ein bisher nur bei einer einzigen Leukämieform wirksames Medikament könnte durch einen Trick bald auch für andere Leukämie-Arten anwendbar werden. Das berichten britische Wissenschaftler im renommierten Fachblatt Nature.

Vitamin-A-Säure-Präparat bisher nur bei der AML

Die Leukämie ist noch immer eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung, auch wenn die Heilungschancen gerade bei Kindern in den letzten Jahren gestiegen sind. Ziel der Behandlung ist es, die Krebszellen möglichst gezielt abzutöten. Das gelingt bei der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) durch ein Präparat, das auf einer Vitamin-A-Säure basiert. Die Rede ist von der All-trans-Retinsäure, auch ATRA genannt. Wissenschaftler haben jetzt offenbar einen Weg gefunden, diese Therapie auf weitere Leukämieformen auszudehnen.

ATRA greift speziell in den Entwicklungsprozess der Krebszellen ein. Und es kann Leukämiezellen nicht nur aufhalten, sondern sogar “umdrehen” – also zu wieder gesunden Zellen machen. Allerdings war dieser Effekt bisher ausschließlich bei einer Leukämieform – nämlich der AML – zu beobachten.

Kombination mit Antidepressivum überwindet Abwehrblock

Jetzt haben die Wissenschaftler einen Weg gefunden, diese wirskame Behandlung auf andere Leukämieformen auszudehnen. Sie haben nämlich entdeckt, warum die Therapie mit ATRA nicht bei anderen Leukämie-Varianten funktionierte: Bestimmte Stoffe im Körper bildeten einen Abwehrblock, durch den ATRA nicht hindurch kam. Durch die gleichzeitige Behandlung mit dem Antidepressivum Tranylcypromin wird dieser Block aber überwunden. Die Folge: ATRA kann die Leukämiezellen gezielt angreifen.

Zumindest funktioniert es bisher im Labor. Noch in diesem Jahr sollen Studien am Menschen beginnen.

WANC 19.03.2012
Quelle: Nature Medicine doi:10.1038/nm.2661

Anzeigen