Oxidativer Stress: Verkürzt er nun das Leben oder nicht?

Oxidativer Stress entsteht, wenn sich schädliche Formen von Sauerstoff in den Zellen des Körpers anreichern. Er wird von vielen Experten für das Entstehen einer Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht und insgesamt als lebensverkürzend eingeschätzt. Doch nun machen Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ein dickes Fragezeichen hinter diese Behauptung.

Die DKFZ-Forscher haben in Laboruntersuchungen keinen Beleg dafür gefunden, dass die sogenannten Oxidantien oder Sauerstoff-Radikale die Lebensdauer verkürzen. Auch konnten sie nicht nachweisen, dass Antioxidantien (das sind sozusagen die Gegenmittel) vor oxidativem Stress schützen.

Sauerstoff-Radikale: Bisher angesehen als Übeltäter durch und durch

Oxidativer Stress wurde bisher unter anderem verantwortlich gemacht für: Krebs, Alzheimer, Parkinson, Verkalkung der Arterien und Herz-Kreislauf-Leiden. Auch das Älterwerden sollen die schädlichen Sauerstoffmoleküle beschleunigen. Gegen diese unangenehmen Folgen helfen laut der gängigen Lehrmeinung sogenannte Antioxidantien. Diese Stoffe, z.B. bestimmte Vitamine, schützen den Körper vor Oxidantien.

Jetzt haben die DKFZ-Wissenschaftler am lebenden Organismus den Einfluss von oxidativem Stess beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass die angeblich schädlichen Sauerstoffmoleküle sich altersabhängig fast ausschließlich im Darm vermehren. Je länger der Organismus lebte, desto mehr Oxidantien sammelten sich dort an. Dass sich die Lebensspanne dadurch verminderte oder krankhafte Prozesse abliefen, konnten sie allerdings nicht bestätigen.

Die Gegenspieler – die Antioxidantien – bewirkten nichts

Sie beobachteten aber, dass Antioxidantien nicht vor Oxidantien schützten. Im Gegenteil: In verschiedenen Geweben nahm die Produktion von Oxidanten sogar zu.

Gewonnen wurden diese Erkenntnisse an Fliegen. Damit lassen sie sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. Aber sie geben beachtliche Hinweise. Vor allem zeigen sie auf, so die Wissenschaftler, dass es bisher nicht möglich ist, oxidative Prozesse im Körper wirklich mit Medikamenten zu beeinflussen.

Autor: Christian Sachse, 05.12.2011
Quelle: Cell Metabolism 2011, DOI:10.1016/j.cmet.2011.10.010

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