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Psoriasis (Schuppenflechte): Grundlagen und Ursachen

Ist die Schuppenflechte ansteckend? Wird die Erkrankung vererbt? Was sind mögliche Auslöser der Schuppenflechte? Antworten auf diese und weitere Fragen zu den Grundlagen und Ursachen der Psoriasis finden Sie im folgenden Beitrag.

Die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist eine chronische, nichtansteckende Hautkrankheit, unter der weltweit etwa 125 Millionen Menschen leiden. Obwohl bislang nicht heilbar, ist die Psoriasis inzwischen dank moderner Therapieverfahren recht gut behandelbar.

Was versteht man unter Psoriasis vulgaris?

Psoriasis vulgaris ist der medizinische Fachbegriff für die Schuppenflechte. Es gibt noch zahlreiche weitere Psoriasis-Formen, aber die Psoriasis vulgaris ist mit 80-90% Vorkommen die häufigste und bekannteste Variante. Sie wird auch Plaque-Psoriasis genannt.

Der Nachname "vulgaris" bedeutet im Mediziner-Latein so viel wie "gewöhnlich". Diese für die Betroffenen etwas seltsame Bezeichnung rührt daher, dass es verschiedenste, seltenere Sonderformen der Psoriasis gibt, die dann zum Beispiel Psoriasis pustulosa palmaris heißen.

Früh- oder Spät-Typ

Die Psoriasis lässt sich je nach Krankheitsbeginn in zwei Typen einteilen. Typ I (Früh-Typ) ist die häufigere Variante und beginnt vor dem 40. Lebensjahr. Es ist die klassische Schuppenflechte des jungen Erwachsenen.

Typ II manifestiert sich in der Regel erst nach dem 40. Lebensjahr und betrifft im Gegensatz zum Typ I auch häufiger Nägel und Gelenke. Insgesamt verläuft Typ II meist milder als Typ I.

Während der Typ II keine familiäre Komponente aufweist, kommt Typ I eindeutig familiär gehäuft vor. In 95% der Fälle lassen sich bei Typ I auch bestimmte mit der Psoriasis assoziierte Gene nachweisen.

Warum entstehen bei der Schuppenflechte Schuppen?

Die Schuppen bei der Psoriasis sind das Resultat eines stark beschleunigten Hautwachstums. Und eines entsprechend stark beschleunigten Absterbens von Hautzellen. Denn bei den Schuppen handelt es sich um nichts anderes als um abgestorbene Hautzellen.

Ursache ist eine Fehlregulation

Warum es bei der Schuppenflechte zu solch einem erhöhten Hautwachstum kommt, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Fest steht, dass einwandernde Immunzellen diesen erhöhten Zellumsatz auslösen, indem sie die Hautzellen angreifen. Man geht derzeit davon aus, dass die Abwehrzellen im Zuge einer Autoimmunreaktion die körpereigenen Hautzellen für Bakterien oder Viren halten, mit denen sie es früher einmal zu tun hatten. Eine klassische Verwechslung also.

Und falls Sie sich fragen sollten, warum die Haut unter den schuppenden Hautstellen so stark gerötet ist: Die Haut-Erneuerungs-Arbeiten direkt unter den Schuppenflechte-Herden gehen mit einer starken Durchblutung einher, die diese intensive Rötung hervorruft.

Wie häufig ist die Schuppenflechte?

Die Schuppenflechte ist vergleichsweise weit verbreitet, in manchen Ländern (z. B. USA) noch stärker als in Deutschland. Bei uns sind Schätzungen zufolge 2-2,5% der Bevölkerung von der Psoriasis vulgaris als häufigste Form betroffen. In etwa 60-70% dieser Fälle handelt es sich um den Früh-Typ (Typ I).

Etwa ein Drittel aller Schuppenflechte-Fälle beginnt erst nach dem 40. Lebensjahr. Bei dieser sogenannten Spätmanifestation der Psoriasis (Typ II) spielen genetische Ursachen im Gegensatz zum Typ I nur eine nachgeordnete Rolle.

Sonderformen der Schuppenflechte

Je nach klinischem Erscheinungsbild unterscheidet man neben der klassischen Psoriasis vulgaris (mit ihren ganzen Unterformen) noch einige weitere, seltenere Varianten dieser chronischen Hauterkrankung. Zu den Sonderformen der Psoriasis gehören:

Pustulöse Psoriasis – Zumbusch & Barber

Die Psoriasis pustulosa palmaris et plantaris ist ein solcher Sondertyp der Schuppenflechte. Sie wird auch "Typ Barber" genannt. Betroffen sind hier nur Hände und Füße. Bis auf die Hauterscheinungen haben die Betroffenen in der Regel keine weiteren Beschwerden.

Eine Psoriasis vom „Typ Zumbusch“ ist dagegen eine relativ seltene, schwerwiegendere pustulöse Variante der Schuppenflechte, die meist erst nach dem 50. Lebensjahr beginnt. Dabei kommt es zu einer charakteristischen Pustelbildung auf geröteter Haut, die den ganzen Körper betreffen kann. Genetisch ist die Psoriasis vom Typ Zumbusch mit dem HLA-B27-Gen assoziiert.

Bei der Akrodermatitis continua suppurativa (auch Morbus Hallopeau genannt) kommt es hingegen zu einer Pustelbildung lediglich an den Finger- und Zehenendgliedern, die im Verlauf ggf. mit Nagelverlust einhergehen kann.

Warum gilt die Schuppenflechte (Psoriasis) als Autoimmunkrankheit?

Als Autoimmunkrankheit bezeichnet man all jene Erkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise eigene Körperzellen angreift. Bildlich gesprochen verwechseln die Abwehrzellen ihre Brüder und Schwestern mit Fremdstoffen oder Erregern und bekämpfen sie. Eine klassische Autoimmunerkrankung ist zum Beispiel die Multiple Sklerose, bei der sich das Immunsystem gegen die eigenen Nervenfasern und deren Hüllen richtet.

Bei der Psoriasis geht eine moderne Hypothese davon aus, dass sich die Abwehrzellen versehentlich auf die oberflächlichen Hautzellen stürzen, weil sie sie für früher einmal bekämpfte Erreger (Bakterien, Viren) halten. In der Folge kommt es durch die Entzündungsreize zu einem beschleunigten Wachstum und Absterben der betroffenen Hautzellen. Genau diese abgestorbenen Zellen bilden dann die typischen Schuppen.

Wird die Schuppenflechte vererbt?

Ja, wobei es sich bei der Schuppenflechte nicht um eine klassische Erbkrankheit handelt. Aber fest steht: Genetische Faktoren spielen bei der Entstehung der Psoriasis eine entscheidende Rolle. Allerdings müssen offensichtlich auch immer noch andere auslösende Faktoren hinzukommen, damit sich tatsächlich eine Schuppenflechte entwickelt.

Auch gibt es nicht wie bei klassischen Erbkrankheiten ein bestimmtes Gen, welches für Schuppenflechte verantwortlich ist, sondern es handelt sich nach aktuellem Kenntnisstand eher um eine Kombination mehrerer genetischer Veränderungen, die dann zur Psoriasis führen.

Die „Psoriasis-Gene“

Beim Typ I der Psoriasis vulgaris, der häufigsten und familiär gehäuft vorkommenden Variante der Schuppenflechte, liegen die nachweisbaren "Psoriasis-Gene" (typische mit der Schuppenflechte assoziierte Gen-Eigenschaften) beispielsweise allesamt auf Chromosom 6.

In Familien, in denen Schuppenflechte gehäuft auftritt, kommen demnach alle diese Genveränderungen irgendwo vor – aber nur bei wenigen Familienmitgliedern treffen sie alle zusammen.

Veranlagung ist nur eine Komponente

Die genetischen Ursachen der Schuppenflechte werden belegt durch eine auffällige Häufung in bestimmten Familien, aber auch bei bestimmten Völkern (Häufigkeit in China 0,2%, Häufigkeit in Kasachstan 12%).

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Aber gerade an den US-Amerikanern wird deutlich, wie sehr die Forschung hier noch im Dunkeln tappt. Denn gerade dort stellt sich die spannende Frage, woher diese Gene eigentlich kommen sollen. Das Gros der Einwanderer kam aus Europa, also aus einer Region mit weniger Betroffenen. Weitere Kandidaten, nämlich Indianer und Schwarzafrikaner, erkranken praktisch nie an Schuppenflechte.

Sind damals gehäuft Familien mit Schuppenflechte-Veranlagung in die USA ausgewandert? Oder spielen hier, was viel wahrscheinlicher ist, doch Umweltfaktoren oder auch Ernährung eine Rolle?

Woran erkennt man, dass die Psoriasis nicht nur genetisch veranlagt ist?

An eineiigen Zwillingen. Hat ein eineiiger Zwilling Schuppenflechte, liegt die Wahrscheinlichkeit des anderen Zwillings, ebenfalls eine Schuppenflechte zu bekommen (oder schon zu haben), bei etwa 65 bis 70%.

Daran wird der genetische Zusammenhang sehr deutlich. Daran wird aber auch deutlich, dass die genetische Veranlagung allein nicht zur Schuppenflechte führen muss. Denn sonst würden nicht ein Drittel der Zwillinge von Geschwistern mit Psoriasis davon befreit bleiben.

Kann man auch Schuppenflechte bekommen, wenn die Eltern und Großeltern keine Schuppenflechte hatten?

Ja. Zwar gibt es bei der Entstehung der Schuppenflechte einen eindeutigen genetischen Zusammenhang, und es gibt auch familiäre Häufungen. Allerdings werden dabei oft mehrere Generationen übersprungen. Auch eine Psoriasis beim Ur-Opa oder der Ur-Ur-Oma bedeutet also noch ein erhöhtes eigenes Risiko. Was freilich irrelevant ist, weil man davon in der Regel eh nichts weiß.

Ein Gen genügt nicht

Warum solche Generationensprünge in Familien vorkommen, ist nicht einfach zu erklären, aber wir versuchen es mal: Ganz offensichtlich müssen mehrere Genveränderungen zusammenkommen, damit eine Schuppenflechte entsteht. Ein einziges verändertes Gen genügt also nicht. In Familien, in denen Schuppenflechte gehäuft auftritt, kommen demnach alle diese Genveränderungen irgendwo vor. Aber nur bei wenigen Familienmitgliedern treffen sie alle zusammen.

Außerdem müssen nach aktuellem Kenntnisstand zu der genetischen Veranlagung immer auch noch andere "äußere" Faktoren hinzukommen, damit eine Schuppenflechte entsteht.

Stimmt es, dass die Psoriasis-Gene auch schützende Auswirkungen haben?

Das wird zumindest von vielen Experten vermutet. Die Frage kam auf, weil nach den Regeln der Evolutionslehre die Schuppenflechte bzw. die beteiligten Gene eigentlich schon längst "ausgestorben" sein müssten, wenn sie denn nur Nachteile hätten. Die Schuppenflechte ist aber schon seit dem Altertum bekannt, hält sich also hartnäckig.

Eine aktuelle These postuliert, dass die genetische Veranlagung zu Psoriasis zugleich einen besseren Schutz vor Hautinfektionen bedeuten könnte. Der Hintergrund: Bei Menschen mit Neigung zur Schuppenflechte ist die Hornschicht der Haut (Stratum corneum) besonders aktiv, und diese Hautschicht wiederum produziert vermehrt antibakteriell wirkende Proteine.

Welche "Triggerfaktoren" lösen häufig das erste Auftreten der Schuppenflechte aus?

Neben der vererbten Veranlagung sind bestimmte innere und äußere Schuppenflechte-Auslöser an jedem Krankheitsausbruch beteiligt. Diese Auslöser können sowohl zu einem erstmaligen Auftreten der Psoriasis führen als auch neue Schübe hervorrufen oder bestehende sogar verschlimmern.

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Folgende Triggerfaktoren können eine Schuppenflechte auslösen oder verschlimmern:

  • Arzneimittel (Blutdrucksenker, Antidepressiva, Malaria- und Rheumamedikamente, Cholesterinsenker, bestimmte Antibiotika, Interferone etc.)
  • akute bakterielle und virale Infektionen (v. a. durch Streptokokken im Rahmen einer Bronchitis oder Mandelentzündung)
  • chronische Infektionen (z. B. Zahnwurzel- und Nasennebenhöhlenentzündungen, Harnwegsinfekte)
  • Diabetes, Übergewicht, Gefäßverkalkungen
  • Stress, psychische Belastungssituationen, Depressionen
  • Hautverletzungen (u. a. durch Druck, Reibung, Schnitt- und Schürfwunden)

Übrigens, die erste Manifestation einer Schuppenflechte äußert sich gerne als sogenannte Psoriasis guttata (gesprenkelte Psoriasis), die noch etwas untypisch ist und nach einer gewissen Zeit wieder abklingt – oder direkt in die "klassische" Psoriasis vulgaris übergehen kann.

Weitere Risikofaktoren

Neben den bereits zuvor genannten potenziellen Auslösern für eine Schuppenflechte gibt es noch weitere Trigger, die im Zusammenhang mit Krankheitsschüben der Psoriasis stehen.

Risikofaktoren, die im Verdacht stehen, eine Psoriasis auszulösen bzw. zu verschlechtern:

  • Rauchen
  • Alkohol
  • scharfe Gewürze, Zitrusfrüchte
  • Hormonveränderungen (z. B. durch Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft, Wechseljahre, Schilddrüsenerkrankungen
  • Klimatische Bedingungen, Jahreszeiten (im Sommer haben die meisten Psoriatiker bessere Haut als im Winter)
  • ggf. Kosmetika, Pflegemittel (alkoholhaltige, austrocknende Kosmetika, Rasierschaum, Handwaschmittel, Haarsprays etc.)

Stimmt es, dass ein Psoriasis-Schub auch durch Medikamente ausgelöst werden kann?

Ja. Für mehrere Medikamente ist bekannt, dass sie eine Schuppenflechte auslösen oder verschlimmern können.

Zu nennen sind hier u.a.:

Können Betablocker eine Schuppenflechte auslösen?

Neben anderen blutdrucksenkenden Medikamenten gelten auch Betablocker als Triggerfaktoren, also als mögliche Auslöser von Schuppenflechte (Psoriasis). Deshalb findet sich ein entsprechender Hinweis in der Packungsbeilage. Grundlage dafür sind vor allem Einzelbeobachtungen. Eine Metaanalyse, also die Auswertung zahlreicher Studien zu diesem Thema, hat dagegen kein vermehrtes Erstauftreten von Psoriasis unter Betablockern ergeben. Inwieweit diese Medikamente eine bereits bestehende Schuppenflechte verschlechtern, konnte dabei nicht geklärt werden.

Die Antwort lautet: vielleicht

Die Patientenberichte im Internet sind ebenfalls uneinheitlich. Während die einen bei sich keinerlei Hautprobleme oder zumindest keine Veränderung unter Betablockern beobachten, machen die anderen die Betablocker für ihre Schuppenflechte oder auch für deren Verschlimmerung verantwortlich. So lautet die Antwort wohl auch hier wie in vielen anderen vergleichbaren Fragestellungen: Ja, kann sein, muss aber nicht.

Auch die Konsequenz ist eine eher allgemeingültige: Wenn sich Hautprobleme unter einer blutdrucksenkenden Behandlung neu oder verstärkt bemerkbar machen, sollten Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen zur Art des Medikaments oder der Behandlung sprechen.

Und wann immer Sie auf ein Medikament verzichten und Ihr gesundheitliches Problem auf einem ganzheitlicheren Weg lösen können, sollten Sie dies auch tun. Bei einem erhöhten Blutdruck ist das freilich nur in Ausnahmefällen eine Option. Denn unbehandelt ist er gefährlich für Herz und Gefäße. Mit gesunder Ernährung, viel Bewegung und einer Gewichtsabnahme kann man aber zumindest die Zahl der Medikamente häufig in engen Grenzen halten.

Welche Kosmetika und Pflegemittel können einen Psoriasis-Schub auslösen?

Für eine ganze Reihe an kosmetischen Produkten ist bekannt, dass sie einen Schuppenflechte-Schub auslösen oder die Beschwerden verschlimmern können.

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Zu nennen sind hier u.a.:

  • alkoholhaltige Kosmetika, die die Haut austrocknen
  • Rasierschaum
  • Handwaschmittel
  • Haarsprays

Das bedeutet natürlich nicht, dass bei jedem Menschen mit Schuppenflechte eine solche Reaktion erfolgt. Bei vielen sind diese Kosmetika ohne jede (negative) Wirkung. Aber wenn es um die Suche nach unklaren Auslösern geht, stehen diese Stoffe auf der Liste der Verdächtigen.

Das gilt übrigens zum Teil auch für Mittel, die eigens zur Linderung der Schuppenflechte-Beschwerden gegeben werden. So können Shampoos mit dem Inhaltsstoff Zink-Pyrithion mitunter eine Psoriasis auch verschlimmern.

Stimmt es, dass ein grippaler Infekt eine Psoriasis auslösen kann?

Es gibt eine ganze Reihe an Berichten Betroffener, bei denen es zum ersten Auftreten der Schuppenflechte unmittelbar nach einem grippalen Infekt kam. Auch über andere körperliche oder auch psychische Belastungssituationen im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Erkrankung wird berichtet.

Allerdings gibt es auch viele Menschen mit Psoriasis, bei denen zum Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens keinerlei Belastungssituation vorlag. Ein ehernes Gesetzt liegt hier also nicht vor. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass zumindest bei einigen Menschen die vorhandene Veranlagung zur Psoriasis durch sogenannte Triggerfaktoren (z.B. Grippe, Operationen, psychische Belastung) aktiviert wird.

Kann eine Schwangerschaft eine Psoriasis auslösen?

Offenbar ja. Es gibt eine ganze Reihe an Frauen, bei denen die Psoriasis erstmals während der Schwangerschaft auftrat. Allerdings muss man die Schwangerschaft hier wohl eher als "Auslöser" oder "Triggerfaktor" ansehen und nicht als Ursache.

Experten vermuten, dass die mit einer Schwangerschaft einhergehenden hormonellen Umstellungen zum Ausbruch der – schon zuvor schlummernden – Schuppenflechte führen können. Bewiesen ist dieser Zusammenhang aber nicht.

Was versteht man unter dem Köbner-Phänomen?

Das Köbner-Phänomen ist typisch für die Schuppenflechte, aber auch für eine Reihe anderer chronischer Hautkrankheiten. Gemeint ist damit das Auftreten neuer "Herde" an bisher unbefallenen Hautstellen, nachdem diese gereizt wurden.

Der auslösende Reiz kann mechanisch (z.B. starke Reibung, Verletzung), chemisch (Kontakt mit Fremdstoffen) oder thermisch (z.B. Wärmeeinwirkung) sein. Bezogen auf die Schuppenflechte bedeutet das: Minuten später, manchmal aber auch erst Wochen später tritt genau an dieser gereizten Hautstelle ein neuer schuppender Hautfleck auf.

Beispiele für Reize, die das Köbner-Phänomen auslösen können, finden Sie hier.

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Warum ist die Schuppenflechte im Winter oft schlimmer als im Sommer?

Nicht bei allen, aber bei vielen Menschen mit Schuppenflechte kommt es vor allem in den Herbst- und Wintermonaten zu stärkeren Schüben. Erklärt wird dies zum einen durch die im Winter ohnehin angegriffene Haut (draußen nasskaltes Klima, drinnen trockene Heizungsluft).

UV-Strahlen wirken therapeutisch

Zum anderen dürfte auch die geringere Sonneneinstrahlung in den Herbst- und Wintermonaten verantwortlich für die ausgeprägteren Hauterscheinungen sein. Denn schließlich gelten UV-Strahlen sogar als therapeutische Methode gegen die Schuppenflechte.

Die daraus abgeleitete Empfehlung mancher Ärzte "Fahren Sie doch ans Meer" ist allerdings etwas sehr leichtfertig. Natürlich verweilt man mit Schuppenflechte optimalerweise im Süden, zumindest in den Wintermonaten. Aber wer kann das schon? Selbst wenn man seinen kompletten Jahresurlaub in den Winter legt und sich weite Reisen leisten kann, kommt man um die nasskalten Monate hierzulande nicht komplett herum. Man muss also auch ein Stück weit damit leben, dass der Winter nicht die beste aller Zeiten ist, zumindest nicht aus Schuppenflechte-Sicht.

Ist die Schuppenflechte ansteckend?

Nein, die Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Allerdings reagieren viele Mitmenschen aus Unkenntnis den Betroffenen gegenüber so, als wäre sie es. Das kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn sich die entzündeten Hautpartien nicht unter der Kleidung verbergen lassen, wie etwa beim Schwimmbadbesuch. Dort kommt dann häufig noch erschwerend hinzu, dass alle verstohlen zu einem starren (zumindest glaubt man das immer), aber keiner etwas sagt.

Beim Friseur hingegen müssen Menschen mit Schuppenflechte damit rechnen, auf ihre Erkrankung angesprochen zu werden, wenn sich diese gerade durch einen Schub zu erkennen gibt. Medizinisch fortgebildete Vertreter der haarschneidenden Zunft sind allerdings mit dem Erscheinungsbild vertraut und können im Idealfall sogar nützliche Tipps zur geeigneten Haar- und Kopfhautpflege geben.

Vor allem Kinder brauchen Unterstützung

Noch wesentlich belastender als für Erwachsene kann eine solche manchmal auch nur gefühlte Stigmatisierung für Kinder sein. Es kann ihre Lebensqualität empfindlich beeinträchtigen, wenn sie die Krankheit nicht verstehen und weder mit ihr noch mit etwaigen Reaktionen in ihrem sozialen Umfeld souverän umgehen können. Möglicherweise schämen sie sich, werden gehänselt, schwänzen die Schule, bleiben lieber zuhause, treiben keinen Sport und fürchten, keine Freunde oder Partner wegen der (vermeintlich abstoßenden) Hautkrankheit zu finden.

Deshalb ist es für Ihr Kind mit Schuppenflechte besonders wichtig, dass Sie sein Selbstbewusstsein stärken, damit es trotzdem die Kontakte zu seinen Freunden pflegt und seinen Alltag so normal wie möglich gestaltet. Eventuell kann es auch hilfreich sein, sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden und den Kontakt zu anderen betroffenen Kindern und deren Eltern zu suchen.

Unwissen und Vorurteile weit verbreitet

Das Wissen vieler Menschen über die Schuppenflechte ist so dürftig, dass Vorurteile vorprogrammiert sind. Eine vor einigen Jahren durchgeführte Umfrage bei 5.000 Europäern zu ihren Kenntnissen über die Hauterkrankung lässt einen zum Teil die Haare zu Berge stehen.

Befragt wurden zufällig ausgewählte Personen in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland. Angesichts der Ergebnisse sind wir ganz froh, nicht zu wissen, welche Antworten in welchen Ländern besonders häufig gegeben wurden.

Ärgern, wundern oder aufklären?

Fast jeder fünfte Befragte glaubte, dass schlechte Körperpflege für die Schuppenflechte verantwortlich sei. Obwohl die Mehrzahl wusste, dass die Psoriasis nicht ansteckend ist, gab jeder Zweite an, einen Menschen mit Schuppenflechte nicht umarmen oder küssen zu wollen. Sogar schwimmen wollten einige der Befragten nicht gemeinsam mit Menschen, die Psoriasis haben. Männer waren hierbei im Schnitt noch vorurteilsbehafteter.

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Angesichts solch erschreckender Ahnungslosigkeit kann man einerseits sicher sagen: "Gut, mit denen eben nicht." Man kann sich aber auch ärgern, denn aus purer Blödheit wie ein Aussätziger angesehen zu werden, ist schwer zu tolerieren. Aus Sicht der Wissenschaftler sind diese Ergebnisse in jedem Fall ein klarer Hinweis darauf, dass dringend mehr zur Information über die (für andere ja völlig harmlose) Hauterkrankung Schuppenflechte getan werden muss.

Autoren: 

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris, Download: http://www.awmf.org, Zugriff Juni 2019.
  • Augustin et al.: Co-morbidity and age-related prevalence of psoriasis: Analysis of health insurance data in Germany. Acta Derm Venereol. 2010 Mar; 90(2):147-51. doi: 10.2340/00015555-0770.

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