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Psoriasis (Schuppenflechte): Grundlagen und Ursachen

Ist die Schuppenflechte ansteckend? Wird die Erkrankung vererbt? Was sind mögliche Auslöser der Schuppenflechte? Antworten auf diese und weitere Fragen zu den Grundlagen und Ursachen der Psoriasis finden Sie im folgenden Beitrag.

Einleitung

Was versteht man unter Psoriasis vulgaris?

Die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist eine chronische, nichtansteckende Hautkrankheit, unter der weltweit etwa 125 Millionen Menschen leiden. Obwohl bislang nicht heilbar, ist die Psoriasis inzwischen dank moderner Therapieverfahren recht gut behandelbar.

Neben der Psoriasis vulgaris gibt es noch zahlreiche weitere Psoriasis-Formen, aber die Psoriasis vulgaris ist mit 80-90% Vorkommen die häufigste und bekannteste Variante. Sie wird auch Plaque-Psoriasis genannt.

Der Nachname "vulgaris" bedeutet im Mediziner-Latein so viel wie "gewöhnlich". Diese für die Betroffenen etwas seltsame Bezeichnung rührt daher, dass es verschiedenste, seltenere Sonderformen der Psoriasis gibt, die dann zum Beispiel Psoriasis pustulosa palmaris heißen.

Früh- oder Spät-Typ

Die Psoriasis lässt sich je nach Krankheitsbeginn in zwei Typen einteilen. Typ I (Früh-Typ) ist die häufigere Variante und beginnt vor dem 40. Lebensjahr. Es ist die klassische Schuppenflechte des jungen Erwachsenen.

Typ II manifestiert sich in der Regel erst nach dem 40. Lebensjahr und betrifft im Gegensatz zum Typ I auch häufiger Nägel und Gelenke. Insgesamt verläuft Typ II meist milder als Typ I.

Während der Typ II keine familiäre Komponente aufweist, kommt Typ I eindeutig familiär gehäuft vor. In 95% der Fälle lassen sich bei Typ I auch bestimmte mit der Psoriasis assoziierte Gene nachweisen.

Sonderformen der Schuppenflechte

Warum entstehen bei der Schuppenflechte Schuppen?

Die Schuppen bei der Psoriasis sind das Resultat eines stark beschleunigten Hautwachstums. Und eines entsprechend stark beschleunigten Absterbens von Hautzellen. Denn bei den Schuppen handelt es sich um nichts anderes als um abgestorbene Hautzellen.

Ursache ist eine Fehlregulation

Warum es bei der Schuppenflechte zu solch einem erhöhten Hautwachstum kommt, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Fest steht, dass einwandernde Immunzellen diesen erhöhten Zellumsatz auslösen, indem sie die Hautzellen angreifen. Man geht derzeit davon aus, dass die Abwehrzellen im Zuge einer Autoimmunreaktion die körpereigenen Hautzellen für Bakterien oder Viren halten, mit denen sie es früher einmal zu tun hatten. Eine klassische Verwechslung also.

Und falls Sie sich fragen sollten, warum die Haut unter den schuppenden Hautstellen so stark gerötet ist: Die Haut-Erneuerungs-Arbeiten direkt unter den Schuppenflechte-Herden gehen mit einer starken Durchblutung einher, die diese intensive Rötung hervorruft.

Wie häufig ist die Schuppenflechte?

Die Schuppenflechte ist vergleichsweise weit verbreitet, in manchen Ländern (z. B. USA) noch stärker als in Deutschland. Bei uns sind Schätzungen zufolge 2-2,5% der Bevölkerung von der Psoriasis vulgaris als häufigste Form betroffen. In etwa 60-70% dieser Fälle handelt es sich um den Früh-Typ (Typ I).

Etwa ein Drittel aller Schuppenflechte-Fälle beginnt erst nach dem 40. Lebensjahr. Bei dieser sogenannten Spätmanifestation der Psoriasis (Typ II) spielen genetische Ursachen im Gegensatz zum Typ I nur eine nachgeordnete Rolle.

Ursachen

Warum gilt die Schuppenflechte (Psoriasis) als Autoimmunkrankheit?

Als Autoimmunkrankheit bezeichnet man all jene Erkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise eigene Körperzellen angreift. Bildlich gesprochen verwechseln die Abwehrzellen ihre Brüder und Schwestern mit Fremdstoffen oder Erregern und bekämpfen sie. Eine klassische Autoimmunerkrankung ist zum Beispiel die Multiple Sklerose, bei der sich das Immunsystem gegen die eigenen Nervenfasern und deren Hüllen richtet.

Bei der Psoriasis geht eine moderne Hypothese davon aus, dass sich die Abwehrzellen versehentlich auf die oberflächlichen Hautzellen stürzen, weil sie sie für früher einmal bekämpfte Erreger (Bakterien, Viren) halten. In der Folge kommt es durch die Entzündungsreize zu einem beschleunigten Wachstum und Absterben der betroffenen Hautzellen. Genau diese abgestorbenen Zellen bilden dann die typischen Schuppen.

Wird die Schuppenflechte vererbt?

Ist die Schuppenflechte ansteckend?

Nein, die Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Allerdings reagieren viele Mitmenschen aus Unkenntnis den Betroffenen gegenüber so, als wäre sie es. Das kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn sich die entzündeten Hautpartien nicht unter der Kleidung verbergen lassen, wie etwa beim Schwimmbadbesuch. Dort kommt dann häufig noch erschwerend hinzu, dass alle verstohlen zu einem starren (zumindest glaubt man das immer), aber keiner etwas sagt.

Beim Friseur hingegen müssen Menschen mit Schuppenflechte damit rechnen, auf ihre Erkrankung angesprochen zu werden, wenn sich diese gerade durch einen Schub zu erkennen gibt. Medizinisch fortgebildete Vertreter der haarschneidenden Zunft sind allerdings mit dem Erscheinungsbild vertraut und können im Idealfall sogar nützliche Tipps zur geeigneten Haar- und Kopfhautpflege geben.

Vor allem Kinder brauchen Unterstützung

Noch wesentlich belastender als für Erwachsene kann eine solche manchmal auch nur gefühlte Stigmatisierung für Kinder sein. Es kann ihre Lebensqualität empfindlich beeinträchtigen, wenn sie die Krankheit nicht verstehen und weder mit ihr noch mit etwaigen Reaktionen in ihrem sozialen Umfeld souverän umgehen können. Möglicherweise schämen sie sich, werden gehänselt, schwänzen die Schule, bleiben lieber zuhause, treiben keinen Sport und fürchten, keine Freunde oder Partner wegen der (vermeintlich abstoßenden) Hautkrankheit zu finden.

Deshalb ist es für Ihr Kind mit Schuppenflechte besonders wichtig, dass Sie sein Selbstbewusstsein stärken, damit es trotzdem die Kontakte zu seinen Freunden pflegt und seinen Alltag so normal wie möglich gestaltet. Eventuell kann es auch hilfreich sein, sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden und den Kontakt zu anderen betroffenen Kindern und deren Eltern zu suchen.

Unwissen und Vorurteile weit verbreitet

Das Wissen vieler Menschen über die Schuppenflechte ist so dürftig, dass Vorurteile vorprogrammiert sind. Eine vor einigen Jahren durchgeführte Umfrage bei 5.000 Europäern zu ihren Kenntnissen über die Hauterkrankung lässt einen zum Teil die Haare zu Berge stehen.

Befragt wurden zufällig ausgewählte Personen in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland. Angesichts der Ergebnisse sind wir ganz froh, nicht zu wissen, welche Antworten in welchen Ländern besonders häufig gegeben wurden.

Ärgern, wundern oder aufklären?

Fast jeder fünfte Befragte glaubte, dass schlechte Körperpflege für die Schuppenflechte verantwortlich sei. Obwohl die Mehrzahl wusste, dass die Psoriasis nicht ansteckend ist, gab jeder Zweite an, einen Menschen mit Schuppenflechte nicht umarmen oder küssen zu wollen. Sogar schwimmen wollten einige der Befragten nicht gemeinsam mit Menschen, die Psoriasis haben. Männer waren hierbei im Schnitt noch vorurteilsbehafteter.

Angesichts solch erschreckender Ahnungslosigkeit kann man einerseits sicher sagen: "Gut, mit denen eben nicht." Man kann sich aber auch ärgern, denn aus purer Blödheit wie ein Aussätziger angesehen zu werden, ist schwer zu tolerieren. Aus Sicht der Wissenschaftler sind diese Ergebnisse in jedem Fall ein klarer Hinweis darauf, dass dringend mehr zur Information über die (für andere ja völlig harmlose) Hauterkrankung Schuppenflechte getan werden muss.

Auslöser

Welche "Triggerfaktoren" lösen häufig das erste Auftreten der Schuppenflechte aus?

Neben der vererbten Veranlagung sind bestimmte innere und äußere Schuppenflechte-Auslöser an jedem Krankheitsausbruch beteiligt. Diese Auslöser können sowohl zu einem erstmaligen Auftreten der Psoriasis führen als auch neue Schübe hervorrufen oder bestehende sogar verschlimmern.

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Übrigens, die erste Manifestation einer Schuppenflechte äußert sich gerne als sogenannte Psoriasis guttata (gesprenkelte Psoriasis), die noch etwas untypisch ist und nach einer gewissen Zeit wieder abklingt – oder direkt in die "klassische" Psoriasis vulgaris übergehen kann.

Warum ist die Schuppenflechte im Winter oft schlimmer als im Sommer?

Nicht bei allen, aber bei vielen Menschen mit Schuppenflechte kommt es vor allem in den Herbst- und Wintermonaten zu stärkeren Schüben. Erklärt wird dies zum einen durch die im Winter ohnehin angegriffene Haut (draußen nasskaltes Klima, drinnen trockene Heizungsluft).

UV-Strahlen wirken therapeutisch

Zum anderen dürfte auch die geringere Sonneneinstrahlung in den Herbst- und Wintermonaten verantwortlich für die ausgeprägteren Hauterscheinungen sein. Denn schließlich gelten UV-Strahlen sogar als therapeutische Methode gegen die Schuppenflechte.

Die daraus abgeleitete Empfehlung mancher Ärzte "Fahren Sie doch ans Meer" ist allerdings etwas sehr leichtfertig. Natürlich verweilt man mit Schuppenflechte optimalerweise im Süden, zumindest in den Wintermonaten. Aber wer kann das schon? Selbst wenn man seinen kompletten Jahresurlaub in den Winter legt und sich weite Reisen leisten kann, kommt man um die nasskalten Monate hierzulande nicht komplett herum. Man muss also auch ein Stück weit damit leben, dass der Winter nicht die beste aller Zeiten ist, zumindest nicht aus Schuppenflechte-Sicht.

Quellen:

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF): Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris, Download: http://www.awmf.org, Zugriff Juni 2019.
  • Augustin et al.: Co-morbidity and age-related prevalence of psoriasis: Analysis of health insurance data in Germany. Acta Derm Venereol. 2010 Mar; 90(2):147-51. doi: 10.2340/00015555-0770.
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