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Migräne: Ursachen und Auslöser

Was hat Migräne mit dem Wetter zu tun? Können Schokolade und Alkohol einen Migräneanfall auslösen? Wird Migräne vererbt? Diese und weitere Fragen zu den Ursachen und Auslösern von Migräne beantworten wir Ihnen im folgenden Beitrag.

Migräne gehört zu den häufigsten Kopfschmerzformen. Sie tritt oft im jungen bis mittleren Erwachsenenalter auf, wobei mehr Frauen als Männer betroffen sind.

Während die genauen Ursachen und Entstehungsmechanismen nach wie vor nicht vollständig geklärt sind, ist eine Reihe von auslösenden Faktoren bekannt, die einen akuten Migräne-Anfall triggern können. Dazu gehören z.B.:

  • Stress
  • Alkohol
  • ein veränderter Schlafrhythmus
  • hormonelle Schwankungen
  • Lärm
  • Kälte

Wie entsteht eine Migräne?

Obwohl die Migräne seit rund 4000 Jahren bekannt und beschrieben ist, ist ihre genaue Ursache immer noch weitgehend ungeklärt. Man nimmt heute an, dass die Migräne auf eine entzündliche Veränderung von Nervenfasern im Gehirn zurückgeht, die an der Schmerzübertragung beteiligt sind.

Ins Interesse der Forscher ist seit einiger Zeit ein besonderer Botenstoff gerückt, das Calcitonin Gene-Related Peptide, kurz auch CGRP genannt. Experten gehen davon aus, dass das Eiweißmolekül CGRP und der fünfte Hirnnerv, der Trigeminus, eine tragende Rolle bei der Entstehung des Kopfschmerzes spielen.

Trigeminus & CGRP

Der Trigeminus beginnt im Hirnstamm und fächert sich im Verlauf in drei Hauptäste auf, die das Gesicht mit Nervenfasern versorgen. Außerdem läuft er vorne, unterhalb der Schädeldecke entlang bis zu den Gefäßen der Hirnhäute. Dort angekommen schüttet er den Botenstoff CGRP aus, der wiederum über Andockstellen an den Gefäßen der Hirnhäute zu einer Erweiterung der Adern (Vasodilatation) führt. Und dies löst dann den Kopfschmerz aus.

Das konnten Forscher auch in verschiedenen Studien nachweisen. So steigen während einer Migräneattacke die Werte von Calcitonin Gene-Related Peptide unter anderem in Hirnflüssigkeit und einzelnen Adern nachweislich an und sind bei Menschen mit chronischer Migräne dauerhaft erhöht. Verabreichen Mediziner CGRP in die Vene, können sie sogar Kopfschmerzen auslösen.

Neuer Therapieansatz: Antikörper

Der Botenstoff scheint also eine bedeutende Rolle bei der Migräneentstehung zu spielen. So gibt es seit einiger Zeit (Stand März 2019) neue Medikamente, die versuchen, genau hier anzugreifen. Sie fangen entweder das CGRP ab oder blockieren seinen Rezeptor, die Andockstelle, über die es an den Gefäßen der Hirnhäute den Kopfschmerz verursacht.

Migräne: Sind überaktive Nervenzellen schuld?

Ein Migräne-Anfall kündigt sich schon Tage vorher durch eine erhöhte Aktivität in einem ganz bestimmten Gehirnareal an. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universitätsklinik Eppendorf in Hamburg. Möglicherweise ist genau diese Gehirnaktivität Auslöser der Kopfschmerzen.

Lange galten vor allem Veränderungen der Blutgefäße im Gehirn als Ursache von Migräne. So ganz klar war aber auch das nicht. Die Hamburger Wissenschaftler haben bei 20 Migräne-Patienten zeigen können, dass es im Vorfeld einer Kopfschmerz-Attacke bei bestimmten Reizen zu einem dramatischen Anstieg der Nervenaktivität im sogenannten Trigeminus-Gebiet kommt. Bei 20 Kontrollpersonen ohne Migräne war das nicht zu beobachten.

Erhöhte Hirnaktivität und Migräne-Aura

Dass eben diese Aktivität bestimmter Nervenzellen die Migräne auslöst, ist gleich aus mehreren Gründen wahrscheinlich, wie Studienleiter Prof. Arne May erläuterte. Zum einen entspricht die Aktivitätserhöhung Tage vor dem Anfall exakt der Beobachtung vieler Betroffener, dass sich eine Migräne-Attacke oft Tage zuvor ankündigt. Durch Veränderung der Laune, durch Heißhunger, ständiges Gähnen oder andere Symptome. Diese sogenannte Aura würde zeitlich also genau ins Bild passen. Zum anderen sitzt in dem Trigeminus-Gebiet im Gehirn ein bekanntes nervales Schmerzzentrum.

Für May sind diese Erkenntnisse gleich in zweifacher Hinsicht bedeutsam. Erstens gebe es damit zum ersten Mal einen Erklärungsansatz für den Beginn und das Ende einer Migräne-Attacke sowie deren zyklisches Auftreten. Denn auch die Gehirnaktivität im Trigeminus-Zentrum verhält sich offenbar zyklisch. Und zweitens könnte damit der Motor der Kopfschmerzen gefunden worden sein – und damit auch die Chance, ihn zu stoppen.

Verbindung von Nerven- und Gefäßsystem

Die Blutgefäße spielen aber vermutlich noch immer eine wichtige Rolle bei der Schmerzentstehung. Zwischen Nervenzellen und Blutgefäßen des Gehirns besteht ein enger Zusammenhang. So sorgt der oben genannte Botenstoff CGRP, der aus bestimmten Nervenendigungen freigesetzt wird, für eine Gefäßerweiterung, die wohl wiederum verantwortlich für die Migränebeschwerden ist.

In welchem Alter tritt Migräne meist auf?

Eine Migräne kann praktisch in jedem Alter vorkommen, sogar im Kindesalter. Am häufigsten treten Migräne-Anfälle jedoch im mittleren Erwachsenenalter auf, zwischen 35 und 45 Jahren.

Volkskrankheit Migräne

Insgesamt sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. 12-14% aller Frauen sollen Studien zufolge an Migräne-Anfällen leiden. Bei Männern wird eine Häufigkeit von 6-8% angegeben.

Mit einer Einjahresprävalenz (Einjahresvorkommen) von 10-15% bei den Erwachsenen ist die Migräne schon fast eine Volkskrankheit. Sie trifft besonders Menschen im erwerbsfähigen Alter beziehungsweise zur Zeit der Familiengründung. Eine Migräneerkrankung kann damit Berufs- und Familienleben stark beeinträchtigen und große volkswirtschaftliche und persönliche Auswirkungen haben.

Migräne im Kindesalter

Auch Kinder können schon unter Migräne leiden. Etwa 4-5% aller Jungen und Mädchen erkranken vor dem Eintritt der Pubertät. In diesem Alter gibt es noch keinen Geschlechterunterschied beim Auftreten der Migräne. Die zunehmende Häufigkeit bei Frauen speziell nach der Pubertät kann auf hormonelle Ursachen hindeuten, aber bewiesen ist hier nichts.

Ein wenig mehr Verständnis in die Abläufe der Kopfschmerzentstehung hat die Entdeckung des CGRPs (Calcitoin Gene-Related Peptide) gebracht, ein Eiweißmolekül, das am Migränemechanismus beteiligt ist. Der Botenstoff führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße in den Hirnhäuten, die für die Schmerzen bei der Migräne verantwortlich gemacht wird.

Wird Migräne vererbt?

Ja, zumindest die Veranlagung zur Migräne kann vererbt werden. Wenn zum Beispiel ein oder beide Elternteile unter Migräneanfällen leiden, muss man nicht zwingend auch Migräne bekommen, aber die Wahrscheinlichkeit ist erhöht.

Der familiäre Zusammenhang ist zweifelsfrei nachgewiesen. Ein bestimmtes Gen, das für die Migräne allein verantwortlich gemacht werden kann, wurde bisher aber nicht gefunden. Offenbar spielen bei der Entstehung der Migräne eine ganze Reihe an Faktoren mit, zu denen auch bestimmte genetische Anlagen gehören.

Wodurch kann ein Migräneanfall ausgelöst werden?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Relativ häufige auslösende Faktoren sind Stress oder auch Alkoholgenuss, und bei Frauen Hormonschwankungen während des Monatszyklus.

Schlaf, Käse und andere Verdächtige

Auch Lärm- und Rauchbelastungen, Kälte, Veränderungen des Schlaf-Rhythmus (langes Ausschlafen bei sonst immer frühem Aufstehen) und Aufenthalt in großer Höhe können Migräne-Anfälle auslösen. Unter den Nahrungsmitteln sind bestimmte Käsesorten bei einigen Betroffenen auslösend.

Erstaunlicherweise kommt es am Wochenende häufiger zu Migräneanfällen als wochentags. Die Gründe dafür sind noch nicht restlos geklärt. Fest steht aber, dass einige Menschen mit Migräne nicht während der Stress-Phasen, sondern direkt nach Abschluss von Stress-Phasen Migräne-Anfälle bekommen – was am Wochenende öfter vorkommt. Auch Veränderungen des Schlaf-Rhythmus am Wochenende (plötzlich langes Ausschlafen) können dafür verantwortlich sein.

Ist Kaffee ein Migräne-Auslöser?

Kaffee selbst eher nicht. Schwankungen des Koffein-Spiegels im Blut hingegen schon. Wenn Sie also regelmäßig Kaffee (oder auch schwarzen Tee) trinken und Ihren Konsum plötzlich stark verändern, kann das zu einem Migräne-Anfall führen.

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Können verqualmte Räume Migräne-Anfälle auslösen?

Einige Menschen mit Migräne (nicht alle) reagieren besonders empfindlich auf Rauch in ihrer Umgebung und bekommen nach Aufenthalt in verqualmten Räumen häufiger einen Migräne-Anfall.

Können bestimmte Nahrungsmittel einen Migräne-Anfall auslösen?

Einige Menschen mit Migräne reagieren empfindlich auf bestimmte Käsesorten. Auch Alkohol, insbesondere Rotwein, führt bei einigen Betroffenen zu gehäuften Migräne-Attacken. Auch das Auslassen von Mahlzeiten (Absinken des Zuckerspiegels im Blut) kann zu Migräne-Anfällen führen.

Schokolade hingegen, lange Zeit im Verdacht Migräne auszulösen, ist nach neuesten Untersuchungen nicht für Migräne-Anfälle verantwortlich.

Kann Alkohol Migräne-Anfälle auslösen?

Ja, einige Menschen mit Migräne reagieren sehr empfindlich auf Alkoholgenuss. Besonders Rotwein kann einen Migräne-Anfall auslösen.

Wenn Sie einen solchen Zusammenhang bei sich feststellen, verzichten Sie so weit wie möglich darauf.

Kann Schokolade einen Migräne-Anfall auslösen?

Schokolade stand lange im Verdacht, Migräne-Anfälle auszulösen. Dieser Verdacht ist aber falsch, wie jetzt systematische Untersuchungen zeigen konnten.

Der fälschlicherweise angenommene Zusammenhang beruht wahrscheinlich auf dem Phänomen, dass einige Migräne-Betroffene kurz vor dem Anfall Heißhunger auf Süßes bekommen – und sich dann später an den Schokolade-Verzehr vor dem Migräne-Anfall erinnern.

Schokolade und Käse: Als Migräne-Auslöser überschätzt?

Schokolade und Käse sind die üblichen Verdächtigen, wenn es um den Auslöser einer Migräne-Attacke geht. Aber möglicherweise stehen sie zu Unrecht am Pranger. Das vermelden jetzt Wissenschaftler der Universität München.

Schokoladen-Lust: Symptom statt Auslöser

Dass zum Beispiel Schokolade seit langem als Ursache für Migräne-Anfälle angesehen wird, beruht vor allem auf den Erfahrungsberichten vieler Betroffener, unmittelbar vor der Attacke reichlich Schokolade gegessen zu haben. Aber diese Beobachtung ist vielleicht nur eine Fehldeutung. Denn zu Beginn eines Migräne-Anfalls kommt es meist zu einer sogenannten Aura. Eine Art Vorphase, in der man sich schon ein bisschen merkwürdig fühlt, ohne dass die Kopfschmerzen bereits begonnen haben. Genau während dieser Aura hat man aber häufig auch Heißhunger. Auf Schokolade zum Beispiel. Und so schließt sich der Kreis. Der Migräne-Anfall wäre sowieso gekommen, die Lust auf Schokolade war kein Auslöser, sondern ein Symptom.

Unterstützt wird diese These durch eine Untersuchung, in der Testpersonen mit Migräne entweder richtige Schokolade oder einen gleichschmeckenden Ersatzstoff gegessen hatten (ohne davon zu wissen). Das Ergebnis: kein Unterschied in der Häufigkeit oder Heftigkeit der Migräne-Attacken.

Rotwein nicht entlastet

Für Käse, Gummibärchen und ähnliche Nahrungsmittel könnte das gleiche gelten. Allerdings halten die Wissenschaftler die verdächtigen Lebensmittel auch nicht für völlig unbeteiligt. So könnte das im Käse enthaltene Tyramin und das in Schokolade enthaltene Phenylatylamin durchaus etwas mit dem Migräne-Anfall zu tun haben. Nur wahrscheinlich nicht so eindeutig und alleinschuldig wie bisher angenommen.

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Rotwein hingegen, ein weiterer Hauptkandidat, wenn es um den Schuldigen für einen Migräne-Anfall geht, wird nicht entlastet. Er enthält wohl tatsächlich Stoffe, die eine Migräne auslösen können.

Migräne: Davonlaufen vor den Auslösern ist falsch

Vermeiden ist kontraproduktiv

"Ich esse keine Schokolade, weil das bei mir immer eine Migräne auslöst." "Ich kann keinen Alkohol trinken, weil ich dann garantiert einen Migräne-Anfall bekomme." Solche Tabu-Sätze waren bis vor kurzem eine logische Methode, um Migräne-Attacken zu vermeiden. Nun aber sagen Wissenschaftler, dass das "Aus dem Wege gehen" vor diesen Auslösern falsch ist.

Zum Hintergrund: Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine konsequente Vermeidung der Faktoren, die bei einem wiederholt schon einen Migräne-Anfall ausgelöst haben, verkehrt ist – auch wenn es vernünftig klingt. Geht man nämlich den Auslösern aus dem Wege, verschlimmert sich die Situation sogar noch. Die Empfindlichkeit gegen Schokolade, ein Glas Wein oder was immer es ist nimmt eher noch zu. Und es gesellen sich schnell weitere Auslöser hinzu, wie Migräne-Experte Prof. Peter Kropp aus Rostock unlängst auf einer Fachtagung ausführte.

Lieber die Auslöser in homöopathischen Mengen zuführen

Kropp empfiehlt, sich stattdessen bewusst den sogenannten Trigger-Faktoren auszusetzen. Allerdings nur ab und zu und in kleinsten Mengen – homöopathisch sozusagen. Dann gewöhnt sich das verrückt spielende Nerven- und Gefäßsystem im Gehirn daran und wird praktisch desensibilisiert.

Ist Stress ein Migräne-Auslöser?

Auf den Stress folgen die Kopfschmerzen

Bei vielen Menschen mit Migräne führt Stress zu vermehrtem Auftreten von Migräne-Attacken. Dabei kann nicht nur emotionaler, sondern auch körperlicher Stress (große Anstrengungen) Auslöser sein. Bei einigen Betroffenen treten die Migräne-Anfälle auch häufig dann auf, wenn der Stress gerade nachlässt, also in der Wieder-Entspannungsphase.

Noch ärgerlicher: Allein die Angst, einen Migräne-Anfall zu bekommen ("hoffentlich gerade heute nicht"), erzeugt bei einigen Menschen mit Migräne so viel Stress, dass erst dadurch tatsächlich ein Anfall auftritt.

Bester Tipp: Versuchen Sie herauszufinden, welche Stress-Situationen bei Ihnen zu gehäuften Migräne-Anfällen führen und versuchen Sie, diese Situationen zu vermeiden. Klar, leichter gesagt als getan – dennoch einen Versuch wert.

Treten in den Wechseljahren häufiger Migräne-Anfälle auf?

Einige Frauen mit Migräne reagieren generell empfindlich auf Hormonschwankungen. Bei ihnen treten Migräne-Anfälle z.B. häufiger kurz vor oder während der Periode oder auch zu Beginn der Einnahme der "Pille" auf.

Auch während der Wechseljahre, die ja von Hormonumstellungen im Körper gekennzeichnet sind, haben einige Frauen mit häufigeren Migräne-Anfällen zu kämpfen.

Kann der Monatszyklus bei Frauen einen Migräne-Anfall auslösen?

Ja. Als Ursache werden die Hormonschwankungen während des Monatszyklus angesehen. Ein "empfindlicher" Zeitraum ist die Phase vor und während der Periode.

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Kann die "Pille" bei Frauen einen Migräne-Anfall auslösen

Ja, allerdings nur bei neu begonnener Empfängnisverhütung mit der "Pille". Einige Frauen (bei weitem nicht alle) mit Migräne reagieren generell empfindlich auf Hormonumstellungen – auch im Rahmen des Monatszyklus (Migräne-Anfälle häufiger kurz vor oder während der Periode).

Dürfen Frauen mit Migräne die Pille nehmen?

Zwischen Ärzten ist ein Streit entbrannt. Frauen berichten, dass Frauenärzte ihnen das Rezept für die Pille mit dem Hinweis verweigern, dass sie unter Migräne leiden. Begründung: Hormonelle Kontrazeptiva plus Migräne erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall und Herzinfarkt. Neurologen und Schmerztherapeuten sehen das anders.

WHO und DGGG warnen

Doch zunächst zu den "Mahnern": Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfehlen Ärzten, die "Pille" mit einer Kombination verschiedener Hormone bei Frauen mit Migräne und im Alter über 35 Jahre nicht mehr zu verordnen. In der Empfehlung heißt es frei übersetzt:

  • Frauen mit einer "Migräne mit fokalen neurologischen Symptomen“ (mit Aura) sollten diese Verhütungsmittel überhaupt nicht einnehmen (absolute Kontraindikation)
  • Frauen mit einer „Migräne ohne fokale neurologische Symptome“ (ohne Aura) sollten diese Verhütungsmittel möglichst nicht einnehmen (relative Kontraindikation)

Kopfschmerz-Gesellschaft widerspricht

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) mahnt nun eine differenzierte Betrachtung an. Studien hätten ergeben, dass für Patientinnen mit Migräne ohne Aura, das sind 80% der betroffenen Frauen, kein erhöhtes Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko besteht. Diesen Frauen könnte die Antibabypille durchaus verschrieben werden.

Für junge Frauen mit einer Migräne mit Aura besteht demnach dagegen ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko. Doch, so schränkt die DMKG ein, wird das tatsächliche Risiko von der Häufigkeit der Migräne-Anfälle bestimmt. Bei einer hohen Frequenz von Migräne-Attacken mit Aura ist das Risiko deutlich höher. Sollten keine weiteren Risikofaktoren – wie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum oder erhöhte Blutfette – hinzukommen, spricht laut der Fachgesellschaft bei entsprechender Information auch bei Frauen mit Migräne plus Aura nichts gegen eine kombinierte hormonelle Kontrazeption. Als Ausweichmethode sei ansonsten auch eine Verhütung mit einem reinen Gestagen-Präparat möglich (enthält nur ein Hormon).

Können Blutverdünner wie Marcumar eine Migräne verbessern?

Immer wieder wird berichtet, dass sich Migräne unter einer länger andauernden Behandlung mit Tabletten zur Blutverdünnung wie Marcumar® bessert bzw. sich die Häufigkeit von Migräneattacken verringert. Bewiesen ist das nicht, aber denkbar durchaus.

Wirkung über besseren Blutfluss?

Die Ursache von Migräne liegt in einer Engstellung von Gefäßen bzw. Gefäßspasmen, was zu einer verringerten Durchblutung von Hirnarealen führen kann. Eine mögliche Erklärung für eine gewisse Wirksamkeit von Gerinnungshemmern ist, dass diese ja die Fließfähigkeit des Blutes verbessern und so zu einer besseren Durchblutung führen. Kommt es seltener zu Engstellungen der Gefäße bzw. ist die Durchblutung auch enggestellter Gefäße verbessert, könnte dies die Häufigkeit und Heftigkeit von Migräneattacken durchaus positiv beeinflussen.

Allerdings sind deshalb weder Marcumar® noch andere Gerinnungshemmer zur Behandlung einer Migräne geeignet. Insofern ist diese Frage nur für diejenigen relevant, die wegen anderer Erkrankungen ohnehin Blutverdünner einnehmen müssen.

Magenkeim Helicobacter pylori: Häufiger Migräne-Attacken

Der berüchtigte Magenkeim Helicobacter pylori, der vor allem als Auslöser von Magengeschwüren gilt, scheint auch bei der Migräne eine Rolle zu spielen. Ein Wissenschaftler-Team aus dem Iran hat zumindest nachweisen können, dass die Migränebeschwerden zunehmen, wenn das Bakterium im Magen-Darm-Trakt haust.

Helicobacter pylori bleibt oft unbemerkt

Sie beobachteten über ein Jahr etwas über 100 Migränepatienten. Bei allen wurde zuvor getestet, ob der Keim vorhanden ist oder nicht. Dazu muss man wissen, dass Vielen die Magenbesiedelung mit Helicobacter pylori gar nicht bewusst ist, weil er längst nicht immer Beschwerden macht.

Das Ergebnis: Diejenigen mit Helicobacter im Magen hatten im Schnitt drei Tage mehr pro Monat unter ihrer Migräne zu leiden als die "Keimlosen" (11 Tage versus 8 Tage).

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Die persischen Ärzte empfehlen daher, bei jedem Migränepatienten auf das Vorhandensein von Helicobacter zu testen. Argument: Dann wisse man schon vorab, ob mit häufigeren Beschwerden zu rechnen ist. Bis das eine Routine-Maßnahme in der Praxis wird, sind aber sicher noch weitere, bestätigende Untersuchungen notwendig.

Autoren: 

Quellen:

 

 

Kommentare: Archiv

Migränehäufigkeit durch Blutverdünner
Mittwoch, den 24. April 2019 um 08:18 Uhr, Karina
Bisher hatte ich durchschnittlich monatlich eine Migräne mit Aura. Wegen Vorhofflimmerns muss ich jetzt den Blutverdünner Eliquis einnehmen. Inzwischen bin ich bei drei Migränen wöchentlich gelandet.

Migräne und Antikoagulantien
Sonntag, den 28. Oktober 2018 um 12:07 Uhr, Kurt
Nach einer Herz-OP musste ich 3 Monate lang Marcumar nehmen. In der Zeit hatte ich deutlich häufiger (3 Wochen) Migräne als zuvor (1 Monat). Nachdem Marcumar abgesetzt wurde, haben sich meine Migräneattacken wieder auf die Häufigkeit „vor Marcumar“ reduziert. Seit einer Woche muss ich nun - nach „kleinen Lungenembolien“ - wieder ein Antikoagulantium, diesmal Pradaxa, einnehmen. Jetzt hat die Häufigkeit der Migräneattacken auch wieder zugenommen (3x in 4 Tagen). Ob das an den Antikoagulantien liegt weiß ich nicht, aber die Parallelität ist signifikant.

Migräne häufiger mit Marcumar
Donnerstag, den 21. Juni 2018 um 08:36 Uhr, Katja
Ich nehme seit 9 Tagen Marcumar und habe jeden Tag Vorboten von Migräne (Aura/Flimmern vor den Augen). Davor, als ich 6 Wochen nur ASS 100 genommen habe, hatte ich das nur einmal während der ganzen Zeit. Verstehe nicht so ganz, warum es jetzt - mit Marcumar - so schlimm geworden ist.

Gute Informationen
Mittwoch, den 25. Oktober 2017 um 06:25 Uhr, Sabine F.
Egal zu welchem Gesundheitsthema ich in diesem Portal recherchiere, es finden sich immer unglaublich ausführliche und hilfreiche Informationen. Die Idee, Artikel immer mit einer Frage einzuleiten, finde ich besonders gelungen - da kommt man sozusagen von Hölzchen aufs Stöckchen und fühlt sich am Ende wirklich gut informiert. Danke für Ihre Seite!

Wechseljahre und Migräne
Samstag, den 02. Januar 2016 um 09:44 Uhr, B.Mautz
Ich bin 69, habe die Wechseljahre nie richtig wahrgenommen. Aber, wie gut, ab ca. 64 haben sich die Migräneanfälle (begonnen, als ich Ende 20 war) verabschiedet. Ich habe nie Alkohol getrunken, bis Anfang 40 geraucht. Vermutlich durch mehr Ruhe im Alter, ist Stressvermeidung möglich und auch die Hormone spielen nicht mehr verrückt.

Migräne in den Wechseljahren
Freitag, den 28. November 2014 um 12:47 Uhr, yacaka
Ich leide seit uber 30 Jahren an Migräne. Doch in den letzten Monaten haben sich die Schmerzen verschlimmert sogar mit Schwindelanfällen. Früher hatte ich ein paar Tage Migräne nach der Menstruation. Nun sind es fast täglich. Nachts wache ich meistens mit Hitzewallung auf und morgens beginnen die Kopfschmerzen.

Eigene Erfahrungen bestätigen das
Donnerstag, den 19. Juli 2012 um 09:52 Uhr G.B.
Ich kann aus aktueller Erfahrung bestätigen, daß die Einnahme von Marcumar die Häufigkeit und Stärke der Migräne-Attacken erheblich reduziert. Und zwar um so mehr, je höher der INR ist. Wegen Thrombophilie nehme ich Marcumar seit einem Vierteljahr und habe nur 3 mal leichte an Migräne-Attacken erinnernde Kopf- und Muskelschmerzen gehabt, die mit Entspannungsmaßnahmen bis zum Abend weggingen. Vor der Thrombose hatte ich 5 Tage Migräne!!!, und danach 10 Tage Durchfall. Dies war die Ursache der Thrombose. Bei einem INR, der in der Einstellungsphase auch über 3 war, hatte ich gar keine Migräne, erst als der INR wieder unter 2,5 bis 1,6 fiel. Ich konnte geradezu an den auftretenden Kopfschmerzen ablesen, dass der INR zu niedrig ist...
Meine Mutter hatte ihr Leben lang Migräne und ist an einer Lungenembolie gestorben. Ich sehe einen eindeutigen Zusammenhang.

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