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Migräne: Behandlung und Prognose

Welche Tabletten helfen bei Migräne? Was sind Triptane? Wie kann man einem Migräneanfall vorbeugen? Hier finden Sie Antworten auf diese und weitere Fragen zur Behandlung und Prognose der Migräne.

Einführung

Die Behandlung der Migräne ist komplex und umfasst grundsätzlich zwei Bausteine:

  • Akuttherapie des Migräne-Anfalls
  • Migräneprophylaxe

Zur Akuttherapie stehen diverse Schmerzmedikamente zur Verfügung. Bei schweren Formen der Migräne werden auch sogenannte Triptane eingesetzt.

Vorbeugend wird eine Migräne nur dann behandelt, wenn die Kopfschmerzattacken häufig und langandauernd sind, die Lebensqualität der Betroffenen einschränken oder auf die Akuttherapie nicht ansprechen. Die Medikamente zur Prophylaxe unterscheiden sich von denen zur Akutbehandlung und müssen für jeden Einzelnen individuell abgestimmt werden.

Im Prinzip immer dann, wenn die Migräne-Anfälle vergleichsweise häufig und heftig sind oder wenn die Akutmedikamente nicht ausreichend helfen. Dann macht eine dauerhafte Einnahme von Arzneimitteln zur Migräne-Vorbeugung sehr viel Sinn.

Vorbeugende Behandlung bei schwerer Migräne und starken Einschränkungen

Etwas konkreter ausgedrückt empfehlen Experten eine Migräne-Prophylaxe:

  • wenn die Migräne-Anfälle öfter als dreimal monatlich auftreten
  • wenn die Migräne-Anfälle meist länger als drei Tage anhalten
  • wenn die Anfälle tendentiell in der Häufigkeit zunehmen
  • wenn die Akutmedikamente die Beschwerden nur ungenügend lindern (Anhaltspunkt: mehr als 10 Tage im Monat Einnahme von Akutmedikamenten)
  • wenn die Migräne-Attacken sehr heftig verlaufen und mit Begleitsymptomen einhergehen
  • wenn Sie durch die Migräne-Anfälle häufige Arbeitsausfälle haben oder im Alltag Ihre Pflichten nicht mehr erledigen können

Vorbeugung

Mit welchen Medikamenten kann man einem Migräne-Anfall vorbeugen?

Neben den Medikamenten, die im Falle eines Migräne-Anfalls die Beschwerden lindern, gibt es auch solche, die schon im Vorfeld verhindern sollen, dass es zu einer Migräne-Attacke kommt. Oder die zumindest deren Zahl und Häufigkeit eindämmen sollen.

Welche Medikamente dabei am besten vor einem Migräne-Anfall schützen, lässt sich nicht pauschal beantworten, weil nicht jedes Migräne-Medikament bei jedem gleich gut wirkt. Allerdings gibt es durchaus eine Gewichtung, womit man die besten Chancen auf einen erfolgreichen Schutz vor Migräne-Attacken hat.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft hat in ihren Leitlinien die wichtigsten Arzneimittel zur Migräne-Vorbeugung in drei Gruppen unterteilt: Von "sehr empfehlenswert" bis zu "nur eingeschränkt empfehlenswert

Migränemittel der 1. Wahl

Als Wirkstoffe der ersten Wahl gelten danach:

  • Flunarizin (z.B. Sibelium®)
  • Metoprolol (z.B. Beloc®, Jeprolol®, Jutabloc®, Lopresor®)
  • Propranolol (z.B. Dociton®, Obsidan®)
  • Topiramat (z.B. Topamax®)
  • Valproinsäure (z.B. Convulex®, Convulsofin®, Ergenyl®, Leptilan®, Orfiril®, Valproat®)

Bei den genannten Medikamenten ist die Wirksamkeit in der Migräne-Vorbeugung sehr gut dokumentiert und gilt als gesichert.

Migränemittel der 2. Wahl

Wirkstoffe der zweiten Wahl:

Bei den genannten Medikamenten ist die Wirksamkeit in der Migräne-Vorbeugung zwar belegt, aber entweder nicht so stark oder nicht so eindeutig wie bei den oben genannten Mitteln der ersten Wahl.

Migränemittel der 3. Wahl

Wirkstoffe der dritten Wahl:

  • Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®, ASS)
  • Coenzym Q10
  • Gabapentin (z.B. Neurontin®)
  • Lamotrigin (speziell zur Vorbeugung der Migräne-Aura, z.B. Lamictat®)
  • Lisinopril (z.B. Acerbon®)
  • Magnesium

Bei den Medikamenten der dritten Wahl ist die Wirksamkeit in der Migräne-Vorbeugung nicht eindeutig belegt oder die Empfehlung kann aus anderen Gründen nur eingeschränkt ausgesprochen werden.

Neu: Antikörper zur Migräneprophylaxe

Seit 2018 neu auf dem Markt ist ein sogenannteer Antikörper zur prophylaktischen Migränebehandlung, der Wirkstoff Erenumab (Aimovig®). In den Zulassungsstudien und nach bisherigen Erfahrungen zeigt die Substanz gute Wirkung, und zwar auch und gerade dann, wenn bereits mehrere andere Medikamente ausprobiert wurden und keine Wirkung gezeigt haben. So könnten Antikörper in Zukunft einen festen Stellenwert in der Migränetherapie erhalten.

Auswahl des richtigen Medikaments

Alle genannten Medikamente müssen über eine längere Zeit regelmäßig eingenommen werden, damit sie ihre vorbeugende Wirkung entfalten. Welches dieser Mittel zur Migräne-Prophylaxe für Sie am besten geeignet ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Ob das ausgewählte Präparat dann wirkt und die Zahl der Migräne-Anfälle tatsächlich verringert, lässt sich frühestens nach acht Wochen, eher noch nach einem halben Jahr beurteilen. Das hängt damit zusammen, dass alle aufgeführten Wirkstoffe erst bei längerfristiger Einnahme ihren Migräne-Schutz aufbauen können.

Eine Migräne-Prophylaxe gilt als erfolgreich, wenn sie Kopfschmerzattacken um 50% reduziert. Dabei hilft ein Tagebuch, den Überblick über das Ausmaß und die Entwicklung der Beschwerden zu behalten. Wenn Sie einen Wirkstoff in Maximaldosis mindestens zwei Monate lang ohne spürbare Besserung einnehmen, wechselt Ihr behandelnder Arzt in der Regel auf ein anderes Medikament.

Wie lange sollte man eine vorbeugende Migräne-Behandlung durchführen?

Ein halbes Jahr sollten Sie rechnen

Eine medikamentöse Migräne-Vorbeugung hat ja zum Ziel, die Häufigkeit und die Heftigkeit der Migräne-Anfälle zu reduzieren. Ob das klappt, lässt sich frühestens nach acht Wochen beurteilen.

Die Betonung liegt dabei auf "frühestens". Es gilt die Faustregel, dass man eine solche Behandlung mindestens ein halbes Jahr lang durchführen sollte. Erst wenn dann keine spürbare Verbesserung eingetreten ist (Verminderung der Anzahl der Migräne-Attacken auf mindestens die Hälfte), kann man mit Überzeugung sagen, dass die vorbeugende Behandlung nicht geklappt hat.

Medikamente nicht voreilig absetzen

Wichtig ist aber auch, im Erfolgsfall nicht zu früh die medikamentöse Behandlung abzubrechen. Bei längerer Beschwerdefreiheit sollte man ganz im Gegenteil bis auf weiteres mit der Prophylaxe fortfahren (denn sie wirkt ja offenbar). Auch wenn eine Tabletten-Einnahme nach wochenlangem Wohlbefinden zunächst unlogisch erscheint. Am besten ist es, im Erfolgsfall nach einiger Zeit mit dem betreuenden Arzt zu besprechen, ob und wenn ja wann eine Reduzierung der vorbeugenden Migränemittel sinnvoll ist.

Stimmt es, dass Betablocker gut gegen Migräne wirken?

Ja. Und auch wenn der Name dieser Medikamente einige Betroffene zunächst abschreckt, weil das so nach "Hammer" klingt, gelten Betablocker für fast alle Experten als die Nummer 1, wenn es darum geht, einer Migräne vorzubeugen. Es ist nachgewiesen, dass bei längerer Einnahme von Betablockern die Zahl der Migräne-Anfälle im Schnitt deutlich abnimmt. Besonders gut belegt ist das für die Wirkstoffe Metoprolol und Propranolol.

Übrigens: Bei einer akuten Migräne-Attacke helfen Betablocker nicht.

Kann man mit Magnesium-Tabletten einem Migräne-Anfall vorbeugen?

Das ist umstritten. Oder zumindest nicht eindeutig nachgewiesen. Magnesium ist schon seit längerem auf der Liste der möglichen "Migräne-Verhinderer", konnte aber bisher nie zweifelsfrei seine Wirksamkeit unter Beweis stellen. Was nicht heißen muss, dass es nicht wirkt. Aber in den offiziellen Empfehlungen der "Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft" werden nur solche Medikamente aufgeführt, bei denen der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis niet- und nagelfest ist. Und das ist bei Magnesium nicht der Fall.

Stimmt es, dass Pestwurz gegen Migräne hilft?

Ja. Es gibt mehrere Untersuchungen, die das belegen, und die Heilpflanze Pestwurz wird auch von nicht-naturheilkundlich orientierten Experten zur Migräne-Vorbeugung empfohlen. Die bisherigen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Pestwurz die Zahl der Migräneanfälle um rund die Hälfte senken kann. Damit ein solcher vorbeugender Effekt eintritt, muss das pflanzliche Mittel – wie andere Medikamente zur Migräne-Prophylaxe auch – über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Fragen Sie am besten in der Apotheke nach entsprechenden Zubereitungen und der exakten Dosierung.

Was bringt Coenzym Q10 in der Migräne-Vorbeugung?

Das ist unklar. Es gibt ein paar Studien, die den Nachweis einer effektiven Migräne-Vorbeugung mit Coenzym Q10 erbringen sollten, allerdings führte keine der Untersuchungen zu einem eindeutigen Ergebnis. Zum Hintergrund: Coenzym Q10 ist ein vitaminähnlicher Stoff, der in folgenden Nahrungsmitteln enthalten ist:

  • Pflanzenöle
  • Gemüse: Kohl, Zwiebeln, Spinat, Brokkoli, Hülsenfrüchte
  • Kartoffeln
  • öliger Fisch (Sardinen, Makrelen usw.)
  • Innereien
  • Nüsse (Pistazien)
  • Sonnenblumenkerne
  • Sesamsamen

Schützen Omega-3-Fettsäuren vor Migräne?

Omega-3-Fettsäuren die in vielen Nahrungsmitteln, vor allem aber in Seefisch enthalten sind, werden zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben. In einer großen, wissenschaftlich geprüften Studie wurden sie auch in der Migräne-Vorbeugung getestet. Das Ergebnis war aber enttäuschend. Es zeigte sich kein Vorteil der "Fischfette" gegenüber einem Scheinmedikament (Plazebo).

So gut die Omega-3-Fettsäuren also zum Beispiel für Herz und Gefäße sein mögen, die Häufigkeit von Migräne-Attacken können sie offenbar nicht senken. Fisch essen ist aber trotzdem gesund.

Kann man sich mit Vitamin B2 (Riboflavin) vor Migräne-Anfällen schützen?

Möglicherweise ja, aber wissenschaftlich gesichert ist das noch nicht. Riboflavin oder Vitamin B2 wird seit längerem als Mittel zur Migräne-Vorbeugung diskutiert und auch erprobt. Bisher allerdings ohne eindeutiges Ergebnis. Riboflavin ist in nennenswerter Menge übrigens in Milchprodukten, diversen Gemüsesorten (Broccoli, Spinat), Roggen- und Weizen-Vollkornprodukten, Fisch und Eiern enthalten.


Akutbehandlung

Wie wird ein Migräne-Anfall in der Regel behandelt?

Erst Mittel gegen Übelkeit...

Wenn Übelkeit oder Erbrechen besteht, ist es am besten, zunächst ein sogenanntes Antiemetikum einzunehmen. Also ein Mittel gegen die Übelkeit, damit dann die Schmerzmittel auch ihr Ziel erreichen.
Als Anti-Übelkeits-Mittel bei Migräne haben sich die Wirkstoffe Domperidon und Metoclopramid bewährt. Beide gibt es als Tropfen, aber auch in Zäpfchenform. Letzteres ist oft besser, um zu verhindern, dass das Mittel im Falle eines Erbrechens zu schnell wieder verloren geht.

… dann Kopfschmerztablette

Dann, nach einer Wartezeit von etwa 10 bis 15 Minuten, sollten erst die Kopfschmerzmittel geschluckt werden. Hier werden empfohlen:

Handelt es sich um einen sehr schweren Migräne-Anfall, werden statt der oben genannten Medikamente eher sogenannte Triptane empfohlen. Das sind verschreibungspflichtige, spezielle Migräne-Kopfschmerzmittel.

Wann sollte man bei einem Migräne-Anfall die Medikamente einnehmen?

So früh wie möglich. Also am besten schon dann, wenn der Migräne-Anfall noch im Anrollen ist.

Den Schmerz im Keim ersticken

Zwar gilt für die Akutmedikamente gegen Migräne (z.B. Triptane), dass man sie so wenig wie möglich benutzen sollte. Aber wenn schon, dann auch richtig, das heißt vor allem frühzeitig. Denn ist der Migräne-Anfall erst einmal in voller Ausprägung da, ist es sehr viel schwieriger, ihn medikamentös zu lindern als in der Entwicklungsphase.

Übrigens können und sollten die Akutmedikamente auch dann benutzt werden, wenn unabhängig vom aktuellen Migräne-Anfall schon Medikamente zur Migräne-Vorbeugung eingenommen werden. Die akut wirkenden Anfall-Mittel werden dann also einfach zusätzlich angewendet.

Schmerzmittel gegen Migräne

Welche Schmerzmittel helfen am besten gegen Migräne-Kopfschmerzen?

Nicht jedes Schmerzmittel wirkt bei jedem gleich. Deswegen muss man bei neu aufgetretener Migräne oft erst ein bisschen probieren, bis man "sein eigenes" optimales Mittel gefunden hat. Allerdings gibt es natürlich Favoriten, also Schmerztabletten, die bei den meisten Migräne-Betroffenen gut wirken.

Gängige Medikamente für den Migräneanfall

Bei einem leichten bis mittelschweren Migräne-Anfall haben sich folgende Wirkstoffe bewährt:

  • Acetylsalicylsäure (besser bekannt als Aspirin® oder ASS), von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft wird eine einmalige Dosis von 1.000 mg empfohlen (die gängigen Tabletten enthalten oft 500 mg)
  • Paracetamol (auch hier wird eine Einzeldosis mit 1.000 mg empfohlen)
  • zwei Tabletten eines Kombinations-Präparates aus Acetylsalicylsäure (250-265 mg), Paracetamol (200-265 mg) und Koffein (50-65 mg)
  • Ibuprofen (einmalig 400 mg)
  • Naratriptan (2,5 mg)
  • Phenazon (1.000 mg)
  • Diclofenac-Kalium (einmalig 50-100 mg)

Besonders gut hilft oft die fixe Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®), Paracetamol und Koffein. Während ansonsten Kombinations-Präparate in der Kopfschmerzbehandlung eher verpönt sind, ist diese Kombination beim akuten Migräne-Anfall das Mittel der Wahl. In einer großen Studie erwies sich der Wirkstoff-Cocktail aus zwei Tabletten mit Acetylsalicylsäure (250-265 mg), Paracetamol (200-265 mg) und Koffein (50-65 mg) als allen Vergleichs-Präparaten überlegen. Im direkten Vergleich übertroffen wurden:

Die so empfohlene Dreierkombination versteckt sich in folgenden Präparaten:

Wichtig ist in jedem Fall eine möglichst frühzeitige Einnahme, also am besten schon bei den ersten Anzeichen einer Migräne-Attacke.

Bei schweren Migräne-Anfällen

Bei schweren Migräne-Anfällen werden meist sogenannte Triptane (Sumatriptan, Naratriptan u.a.) verschrieben. Diese Medikamente helfen relativ zuverlässig, benötigen aber eine Weile, bis die Wirkung einsetzt.

Weitere Migräne-Kopfschmerzmittel

Selten werden hingegen folgenden Medikamente bei der Migräne verschrieben:

  • Ergotamin (am ehesten bei sehr lange andauernden Migräne-Anfällen)
  • Naproxen
  • Metamizol

Warum werden bei Migräne Kopfschmerzmittel in Form von Brausetabletten empfohlen?

Mit Brause geht‘s am schnellsten

Brausetabletten haben den Vorteil, schneller zu wirken. Das ist bei einem herannahenden Migräne-Anfall wichtig. Denn am besten ist es, wenn die Schmerzlinderung schon einsetzt, bevor der Anfall seinen Höhepunkt erreicht.

Deshalb empfehlen Experten bei Migräne, die jeweiligen Kopfschmerzmittel in Brauseform einzunehmen. Auch sogenannte Kautabletten sind günstig, denn auch bei ihnen setzt die Wirkung rascher ein.

Von den gängigen Migräne-Kopfschmerzmitteln gibt es fast immer auch ein "Brause-Präparat".

Auf welche Weise wirkt Ergotamin beim Migräne-Anfall?

Ergotamin ist ein Naturstoff. Es handelt sich um ein Alkaloid des Mutterkornpilzes, einem Getreidepilz. Das Arzneimittel wurde schon 1918 entdeckt und war in der Migräne-Therapie lange Zeit ein Mittel der ersten Wahl.

Die Beschwerden bei Migräne-Anfällen lindert Ergotamin über eine Aktivierung der Serotonin-(5-HT)-Rezeptoren. Das sind die gleichen Rezeptoren, über die auch Triptane wirken, nur sind letztere viel spezifischer. Heute wird es nur noch in Ausnahmefällen verschrieben, weil es im Vergleich mit modernen Migräne-Mitteln weniger gut wirksam und schlechter verträglich ist.

Hilft Ingwer gegen Migräneschmerzen?

Schon länger ist auch die schmerzlindernde Wirkung der Wurzel bekannt. In einer Studie mit Migränepatienten verliefen die Kopfschmerzattacken unter Ingwer tatsächlich weniger stark. Außerdem erholten sich die Betroffenen besser nach dem Anfall.

Ingwer ist mit Sicherheit kein Medikament gegen akute Migräneattacken. Die Grundlage der Behandlung sind Schmerzmittel, die im Anfall unverzichtbar sind. Die Heilpflanze könnte jedoch ergänzend wertvolle Dienste leisten und die Betroffenen ein Stück weit entlasten.

Botox gegen Migräne: Wirkt es oder wirkt es nicht?

Das ist umstritten. Botox ist in Deutschland seit September 2011 zur Behandlung der chronischen Migräne zugelassen. Ärzte können die Therapie bei Betroffenen anwenden, die mit Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat zu kämpfen haben, davon mindestens 8 Tage mit Migräne-Kopfschmerzen. Die Spritzen mit dem Wirkstoff werden an 31 genau festgelegten Orten in Muskelpartien im Kopf- und Halsbereich gesetzt.

Wissenschaftler bezweifeln die Sinnhaftigkeit der Verwendung von Botox aber nicht nur wegen des schwach ausgeprägten Nutzens. Sie zählen auch die häufiger auftretenden Nebenwirkungen auf: Blepharoptosis (Absinken des oberen Augenlides), Spannungsgefühle der Haut, Parästhesien (Schmerzen in den Hautnerven), Nackensteifigkeit, Muskelschwächen und Nackenschmerz.

Stimmt es, dass Kalziumblocker gegen hohen Blutdruck auch bei Migräne helfen können?

Ja. Kalziumblocker senken den Blutdruck, indem sie die Gefäße entspannen. Die Migräne-Symptome wiederum entstehen durch Spasmen von Blutgefäßen. Kalziumblocker wirken diesen Verkrampfungen der Gefäße entgegen und können so der Migräne vorbeugen.

Das Haar in der Suppe: Kalziumblocker senken eben auch den Blutdruck, was bei Menschen ohne Bluthochdruck nicht wünschenswert ist.

Hilft Joggen gegen Migräne?

Sportliche Betätigung kann Stärke, Häufigkeit und Dauer von Mirgänattacken vermindern. Das gelingt vor allem mit Sportarten, die die Ausdauer trainieren. Warum Sport so wirkt, erklären Migräneexperten mit einem Ansteigen der Schmerzschwelle. Eine Begründung für diesen Einfluss von Sport auf Migräne haben Migräneexperten noch nicht bei der Hand. Sie vermuten aber, dass Ausdauersport den Pegel der Stresshormone absenken kann und damit die Schmerzschwelle steigt.


Migräne und Depression: Worauf muss man dann bei den Tabletten achten?

Migräne ist häufig, Depressionen sind häufig. Somit kommt es auch gar nicht so selten vor, dass man mit beiden zu tun hat. Zumal sehr häufige Migräne-Anfälle alles andere als stimmungsaufhellend sind. In diesem Fall ist es aber sehr wichtig, über bestimmte Wechselwirkungen von Migräne-Medikamenten und Antidepressiva Bescheid zu wissen.

Zwei Medikamente – doppelte Wirkung auf Serotonin

Die modernen Medikamente zur Behandlung eines akuten Migräne-Anfalls, die Triptane (Sumatriptan & Co), wirken maßgeblich über einen Rezeptor, der unter anderem den Botenstoff Serotonin im Gehirn aktiviert. Viele moderne Antidepressiva wiederum entfalten ihre stimmungsaufhellende Wirkung ebenfalls über eine Erhöhung des Serotonin-Spiegels im Hirn – wenn auch auf anderem Wege, nämlich indem die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzelle gehemmt wird.

Werden nun Triptane gegen den Migräne-Anfall zusätzlich zu solchen Depressions-Medikamenten eingenommen, kann es zu einer zu starken Erhöhung des Serotonins kommen. Man spricht von einem serotonergen Syndrom.

Typische Symptome eines Serotonin-Syndroms sind:

  • psychische Veränderungen, stärkere Erregung
  • Muskelzuckungen
  • Zittern
  • starkes Schwitzen und Schüttelfrost

Unterschiede zwischen den Triptanen

Bei den Triptanen besteht diese Gefahr vor allem bei Rizatriptan und Sumatriptan, weil beide über den gleichen Weg wie einige Antidepressiva verstoffwechselt werden (das MAO-A-System). Etwas weniger ausgeprägt ist das bei Almotriptan und Zolmitriptan. Am geringsten ist die Gefahr bei den Wirkstoffen Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan, weil sie anders verstoffwechselt werden.

Insgesamt ist ein solches serotonerges Syndrom zwar eher eine Seltenheit. Trotzdem lohnt es sich, bei gleichzeitig bestehender Migräne und Depression mit dem Arzt sehr genau zu besprechen, welche Medikamenten-Mischung am unbedenklichsten ist.

Prognose

Ist Migräne lebensbedrohlich?

Klares Nein. Auch nicht lebensverkürzend.

Allerdings ist Migräne eine chronische Krankheit, gegen die es keine ursächliche Behandlung gibt (gegen die Kopfschmerzen bei Anfällen natürlich schon). Bei einigen Menschen mit Migräne verschwindet sie aber spontan, oder es treten über viele Jahre keine Migräne-Anfälle auf.

Stimmt es, dass Migräne das Herzinfarkt-Risiko erhöht?

Ja. Allerdings gilt das nur für jene Menschen mit Migräne, deren Anfälle mit einer sogenannten Aura einhergehen. Darunter versteht man Begleitsymptome wie Sehstörungen oder Schwindel, die meist vor den Kopfschmerzen auftreten. Etwa 10% aller Migräne-Betroffenen haben Anfälle mit einer solchen Aura.

Aber bevor Sie jetzt in zu große Sorgen verfallen: Auch für Menschen mit Migräne und Aura ist das absolute Risiko für einen Herzinfarkt eher gering. Es ist aber etwa doppelt bis dreimal so hoch wie bei Personen ohne Migräne oder mit Migräne ohne Aura.

Ursachen liegen im Dunkeln

Warum das so ist, ist noch völlig unklar. Möglicherweise hängt es mit den Gefäßverengungen zusammen, die man bei einer Migräne als Auslöser der Anfälle vermutet.

In einer US-amerikanischen Studie zeigte sich bei Menschen auch ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Das könnte, wenn es denn stimmt, natürlich auch eine erhöhte Herzinfarkt-Rate erklären. Allerdings erklärt das auch noch nicht, dass diese Risikoerhöhung nur bei einer Migräne mit Aura besteht.

Fazit: Wenn die Migräne bei Ihnen häufig mit einer Aura einhergeht, ist ein regelmäßiger Herz-Check und eine herzgesunde Lebensweise noch wichtiger als sowieso schon.

Quellen:

  • Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft.
  • Neurology, doi:10.1212/WNL.0b013e3181d0cc8b.
  • Martins LB1, Rodrigues AMDS1, Rodrigues DF1, Dos Santos LC1, Teixeira AL2, Ferreira AVM1. Double-blind placebo-controlled randomized clinical trial of ginger ( Zingiber officinale Rosc.) addition in migraine acute treatment. Cephalalgia. 2018 Jan 1:333102418776016. doi: 10.1177/0333102418776016.
  • National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE).

Kommentare: Archiv

Betablocker

Freitag, den 15. Februar 2019 um 14:56 Uhr, Sedana

Ich hätte nie gedacht, dass Betablocker so eine einschneidende Wirkung zeigen können. Seit über zehn Jahren hatte ich alle zwei bis drei Wochen Migräne. Und nun das erste Mal seit fünf Wochen Ruhe. Die erste Zeit war ich müder als sonst, aber das legte sich nach kurzer Zeit.

Migräne

Montag, den 09. Juli 2018 um 00:34 Uhr, Silvia   

Nach 43 Jahren endlich ein kompetenter Arzt, der Betablocker verschrieb - die einzig wahre Tablette gegen wochenlange Migräne! Endlich Lebensqualität durch eine Tablette und nie wieder Migränetabletten und Schmerzmittel. Ein Traum wurde wahr: Dank Betablocker! Und nicht eine einzige Nebenwirkung, nur Lebensqualität!

Migräne und Magnesium

Sonntag, den 19. August 2018 um 07:16 Uhr, Johanna   

Meine Erfahrung mit Magnesium spiegelt die unterschiedlichen Ergebnisse der Studien wieder. Wenn ich merke, Migräne ist im Anmarsch, nehme ich 400mg Magnesiumcitrat in Wasser aufgelöst. In ca. einem von 10 Malen verschwindet die Attacke sofort. Die anderen Male geht alles seinen unverwüstlichen Gang. Aber ich finde, es lohnt sich trotzdem - immerhin eine Attacke und ein Triptan weniger! Viel Erfolg!

Wirksame Medikamente

Donnerstag, den 07. Juni 2018 um 17:41 Uhr, Ines   

Ich nehme immer Triptane als Schmerztablette. Nasenspray hatte ich auch schon. Beides wirkt sehr zuverlässig und vor allem - anders als im Artikel beschrieben - schnell. Und das ist wohl bei einem heftigen Anfall das Wichtigste für einen Betroffenen (Wirkung in 10-30 Minuten, je nach Stärke des Anfalls).

Wirksame Medikamente

Donnerstag, den 01. März 2018 um 14:33 Uhr, Bernadette   

Bei einem drohenden Migräneanfall hilft mir ASS, ich nehme gleich 1000 mg und etwa 15 Minuten Buscopan-Tropfen. Auch hilft mir Ibuprofen, auch hier nehme ich zwei Tabletten zu 400 mg oder Thomapyrin Intensiv.

Migräne

Samstag, den 02. Januar 2016 um 09:37 Uhr, Barbara Mautz   

Bei mir (Jahrgang 1946, 5 Kinder, seit 2007 Witwe) halfen viele Jahre (Alter von 35 bis ca. 64) nur Ruhe, wenig Licht. Meist mit starkem Erbrechen. Auslöser wohl häufig Stress. Seit 5 Jahren habe ich öfter Kopf/Nackenschmerzen, die ich, wie schon als junger Mensch, am besten mit Aspirin bekämpfen kann. Auch Stressvermeidung hilft.

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