Autorin des Artikels
Dr. med. Susanne Endres
Fachärztin für Innere Medizin
Wieso ist Bluthochdruck so gefährlich? Muss ein erhöhter Blutdruck auch bei älteren Menschen noch behandelt werden? Wie entsteht zu hoher Blutdruck? Welche Medikamente werden dagegen eingesetzt und geht es nicht auch ohne? Was hat die Erkrankung für Folgen? Diese und viele weitere Fragen rund um Bluthochdruck beantworten wir im folgenden Beitrag.
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Kann Schlafapnoe zu Bluthochdruck führen?
Eine sehr häufige, aber oft nicht erkannte Ursache für zu hohen Blutdruck ist das sogenannte Schlafapnoe-Syndrom. Hierbei kommt es in der Nacht zu wiederkehrenden kurzen Atemaussetzern. Die Betroffenen haben Durchschlafstörungen, fühlen sich tagsüber oft müde und schnarchen häufig.
Wie wird der Blutdruck bei Kindern gemessen? Geht das auch mit einem üblichen Messgerät fürs Handgelenk?
Der Blutdruck von Kindern wird normalerweise am Oberarm mit einer Manschette und einem Stethoskop gemessen, wie man es von den Erwachsenen kennt. Die erforderlichen, an die kindlichen Maße (Länge und Umfang) des Oberarms angepassten Manschetten gibt es bereits für Kleinkinder. Wichtig für eine korrekte Blutdruckmessung ist, dass das Kind dabei ruhig bleibt und den Arm nicht bewegt.
Bei Neugeborenen und Säuglingen in Krankenhäusern und Arztpraxen werden überwiegend dafür konzipierte elektronische Messgeräte eingesetzt. Die für den Alltagsgebrauch bei Erwachsenen entwickelten Blutdruckmessgeräte sind dagegen vor allem für kleinere Kinder ungeeignet, da die Manschetten meistens zu groß und die Messwerte daher unzuverlässig sind. Das gilt insbesondere für die Blutdruckmessung am Handgelenk.
Krisen-Symptome
Was ist eine hypertensive Krise
Eindeutige Symptome verursacht eine sogenannte hypertensive Krise (Hypertonie = Bluthochdruck). Sie ist durch einen abrupt starken Anstieg des Blutdrucks auf Werte über 230/130 mmHg gekennzeichnet. Bei einer hypertensivem Krise kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen kommen. Möglich sind auch gerötete Gesichtshaut, Sehstörungen, Atemnot und Angina pectoris (Gefühl der Herzenge). Diese Bluthochdruckkrise ist ein Notfall, der der raschen Behandlung bedarf, um Organschäden zu verhindern.
Gefahren durch zu hohen Blutdruck
Wieso ist Bluthochdruck so gefährlich?
Bluthochdruck weltweit größtes Gesundheitsrisiko
Zunächst ein paar Zahlen, die eher beunruhigen: Hoher Blutdruck ist von allen Gesundheitsrisiken, die es gibt, dasjenige, das weltweit die meisten Lebensjahre kostet. Das ist das Ergebnis einer systematischen Analyse von Risikofaktoren, die im Rahmen der Global Burden of Disease Study 2016 (siehe Quellen) durchgeführt wurde.
Die GBD-Studie liefert als größte epidemiologische Untersuchung kontinuierlich Auswertungen zum Gesundheitszustand der Weltbevölkerung. Die Häufigkeit von Krankheiten und ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität werden dazu regelmäßig nach dem DALY-Konzept berechnet. Für die Maßeinheit DALY (disease-adjusted life years) werden die durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre und die mit Krankheit oder Behinderung gelebten Lebensjahren addiert.
Gute und schlechte Nachrichten
Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge gingen im Jahr 2016 weltweit bei Männern 124,1 Millionen DALY und bei Frauen 89,9 Millionen DALY auf das Konto des Bluthochdrucks. Bei Frauen ist die Erkrankung damit das weltweit wichtigste Gesundheitsrisiko (gefolgt von Übergewicht und Diabetes), bei Männern liegt der Bluthochdruck auf Platz 2 hinter dem Rauchen.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Auch wenn Sie Bluthochdruck haben, liegt das Risiko, daran zu sterben, in Ihrer Hand. Denn in den allermeisten Fällen kommt es zu ernsthaften Folgen aufgrund eines schlecht eingestellten Hochdrucks – also wegen unzureichender Blutdrucksenkung.
Bluthochdruck: Vorsicht bei den Augen
Welche Organe werden bei Bluthochdruck häufig geschädigt?
Ein Bluthochdruck schädigt vor allem Organe mit vielen Gefäßen und guter Durchblutung. Zu nennen sind hier in erster Linie Gehirn, Nieren und Augen.
Aber auch das Herz wird auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen. Denn es muss ja gegen den erhöhten Blutdruck mit vermehrtem "Pumpaufwand" angehen.
Stimmt es, dass ein hoher Blutdruck das Risiko für einen Schlaganfall erhöht?
Klares Ja. Bluthochdruck gehört neben der Arteriosklerose zu den wesentlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Da ein hoher Blutdruck auch eine Arteriosklerose begünstigt, besteht hier sogar eine doppelte Gefahr.
Bluthochdruck bei anderen Erkrankungen
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Impotenz?
Ja. Bei einem Bluthochdruck (Hypertonie) kann es zu sexuellen Störungen im Sinne einer erektilen Dysfunktion oder Impotenz kommen. Ursache kann eine Arteriosklerose der kleinen Gefäße der Genitalien sein – also eine Schädigung von arteriellen Gefäßen durch den Bluthochdruck.
Auch Blutdruckmedikamente können die Ursache sein
Ja, auch Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Thiazide und Betablocker), die gegen die Hypertonie eingenommen werden, sowie eine durch die Behandlung eingetretene Blutdrucksenkung können ursächlich beteiligt sein.
Keine falsche Scham
Haben Sie keine Hemmungen solche Probleme bei Ihrem Arzt anzusprechen. Die erektile Dysfunktion ist in der Regel gut behandelbar, auch bei einem Bluthochdruck. Oft reicht eine einfache Umstellung der Medikamente aus. Also trauen Sie sich, anstatt unter der vermeidbaren Nebenwirkung zu leiden.
Können auch Frauen unter sexuellen Problemen aufgrund ihres Bluthochdrucks leiden?
Ja, auch Frauen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden häufiger unter sexuellen Störungen. Lustlosigkeit, Schwierigkeiten bei der Erregung und beim Orgasmus u.a. können sehr beeinträchtigend sein. Ursächlich können wie auch beim Mann Störungen der Durchblutung sein oder Medikamentennebenwirkungen.
Effekt der Blutdrucksenkung
Was bringen niedrige Blutdruckwerte in Zahlen?
Auf diese Frage gab Ende 2015 die bisher umfangreichste Meta-Analyse zum Thema Blutdrucksenkung Antwort (Ettehad D et al.). Daten von über 600.000 Patienten aus 123 groß angelegten kontrollierten Studien – so viel Informationsgehalt hatte noch keine Meta-Analyse zuvor. Die federführenden Wissenschaftler der Studie vom britischen George Institute for Global Health und der University of Oxford ermittelten in ihrer Untersuchung den Effekt der Behandlung.
Für jede Abnahme des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg errechneten sie eine relative Risikosenkung:
- für Herzinfarkt und Schlaganfall um etwa 20%
- für die koronare Herzkrankheit (KHK) um 17%
- für das Schlaganfall-Risiko allein um 27%
- für eine resultierende Herzschwäche um 28%
- und für die Gesamtsterblichkeit um 13%.
Ein Fazit aus der Untersuchung: Jede Blutdrucksenkung lohnt sich – auch eine stärkere als derzeit in den Leitlinien empfohlen, also mit systolischen Blutdruck-Zielwerten unter 130 mmHg statt 140 mmHg.
Quellen:
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft
- Lipsitz et al.: Reexamining the Effect of Antihypertensive Medications On Falls in Old Age. Hypertension 2015; 66: 183-189.
- The SPRINT Research Group. A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med 2015;373(22):2103-16.
- Mancia G et al. 2013 ESH/ESC Guidelines for the management of arterial hypertension: the Task Force for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension (ESH) and of the European Society of Cardiology (ESC). J Hypertens 31:1281-357.
- Cushman WC et al. Effects of intensive blood-pressure control in type 2 diabetes mellitus. N Engl J Med 2010;362:1575-85.
- SPRINT Trial Finds Lowering BP Target May Lower Rate of CV Events, All-Cause Mortality. Veröffentlichung des American College of Cardiology vom 09.11.2015. (www.acc.org; Zugriff am 09.09.2016)
- Positionierung zur SPRINT-Studie: Hochdruckliga empfiehlt Senkung der Zielwerte für Risikopatienten. Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga vom 11.05.2016. (www.hochdruckliga.de; Zugriff am 09.09.2016)
- GBD 2015 Risk Factors Collaborators. Global, regional and national comparative risk assessment of 79 behavioural, environmental and occupational, and metabolic risks or clusters of risks in 195 countries, 1990-2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. Lancet 2016;388:1659-724.
- Ettehad D et al. Blood pressure lowering for prevention of cardiovascular disease and death: a systematic review and meta-analysis. The Lancet 23. Dezember 2015. Doi: 10.1016/S0140-6736(15)01225-8.






Ohne Blutdruckmedikamente hätte ich schon am 3. Tag einen Blutdruck von 250! Ich nehme 3 Zanidip tagsüber. Über die Nacht 1 Nifedipin. Jeden 3. Tag 1 Furosemid.
Ich bin 78 Jahre alt und habe einen oberen Blutdruck von 130 bis 180 mm/Hg.
Was kann ich anstatt Furosemid zur Entwässerung nehmen?
Danke, Gruß
reinert
es gibt natürlich auch noch viele weitere Entwässerungsmittel, aber Furosemid ist auch in Ordnung.
Einen Wechsel sollten Sie mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Viele Grüße
Ihr Navigator-Team