Navigator-Medizin.de
alle Fragen, alle Antworten
   X   

Krankheiten von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Medikamente von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Diagnostik & Laborwerte von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Therapieverfahren von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   

Gesundheitsthemen von A bis Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

   X   
Suche

Eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden)

Eingerissene Mundwinkel sind ein typisches Winterproblem. Trockene Heizungsluft, aber auch Erkältungen oder ähnliche Infekte können die Einrisse begünstigen. Das ist selten gefährlich, oft aber schmerzhaft, vor allem beim Essen. Und es können Keime eindringen, was das lästige Problem verschärft. Alles über Ursachen und Behandlung eingerissener Mundwinkel erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Welche Ursachen können eingerissene Mundwinkel haben?

Die Ursachen sind unterschiedlich. Oft handelt es sich um ein zweistufiges Geschehen, bei der zunächst die Hautrisse entstehen und danach durch Bakterien oder Pilze besiedelt werden, was dann zur Entzündung führt. Kinder mit Neurodermitis sind häufiger betroffen. Folgende Faktoren können bei der Entstehung von Mundwinkelrissen außerdem eine Rolle spielen:

  • Temperaturwechsel
    • Eingerissene Mundwinkel können bei sehr trockener Heizungsluft entstehen. Vor allem im Winter sind wir oft Temperaturschwankungen zwischen kalter Luft draußen und trockener Heizungsluft drinnen ausgesetzt. Dies führt dazu, dass unserer Haut Feuchtigkeit entzogen wird und sie trocken und rissig wird.
  • vermehrter Speichelfluss
  • Probleme mit Zahnspange oder Zahnersatz

Infektionen

  • Eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans (Soor) oder auch mit dem Herpes-simplex-Virus können entzündete Mundwinkel zur Folge haben. Typisch für eine Infektion mit dem Candida-albicans-Pilz ist, dass die Mundwinkel von einem weißen abstreifbaren Belag überzogen sind. Das Herpes-Virus macht sich hingegen durch Bläschen an den Lippen bemerkbar. 
  • Noch häufiger ist es aber andersherum: Die Risse entstehen aus einem der oben genannten Gründe und dann dringen Pilze oder Bakterien ein.

Weitere mögliche Ursachen sind u.a.:

  • Neurodermitis
  • Allergien
  • Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus (eher selten, weil ein Diabetes sich meist schon durch andere Zeichen zu erkennen gibt)
  • Mangelkrankheiten wie Eisenmangel-Anämie oder Vitamin-B2-Mangel (selten)
  • Fehlende Zähne
    • Bei fehlenden Seitenzähnen kann es zu einem Absinken der Bisshöhe kommen. Wenn sich die Kinnpartie nun nach vorne verschiebt, kann sich eine feuchte Kammer in den Mundwinkeln bilden.
  • Syphilis (heute sehr selten)
  • Leberzirrhose
    • Eine akute und chronische Lebererkrankung äußert sich unter anderem durch eingerissene Mundwinkel.
  • Sjögren-Syndrom
    • Das Sjögren-Syndrom ist eine seltene Autoimmunerkrankung, von dem besonders Frauen nach den Wechseljahren betroffen sind. Neben Sprach- und Schluckstörungen können auch eingerissene Mundwinkel Folge der Erkrankung sein.

Wie kommen entzündete Mundwinkeleinrisse (Faulecken) zustande?

In Kurzform kann man sagen: Erst wird die Haut rissig, dann dringen Keime ein. In den dann entstehenden Faulecken finden sich Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken), Viren (Herpes) oder auch Pilze (Soor) als Infektionserreger. Sie gelangen durch minimale Hautverletzungen in die Haut und bilden dort nässende, verkrustende, leicht einreißende und blutende Ekzeme.

Warum haben Kinder häufiger eingerissene Mundwinkel?

Zu den Hautrissen kann es beispielsweise durch mechanisches Reiben (z.B. des Schnullers) kommen. Häufiges Lecken der Lippen begünstigt und verstärkt das Entstehen von Einrissen und die Verbreitung der Erreger. Einrisse (medizinisch: Rhagaden) im Mundwinkel reißen durch die Saug- und Kaubewegungen beim Trinken und Essen immer wieder ein.

Kinder halten sich außerdem zum Spielen oft im Freien auf und sind ständig schwankenden Temperaturen ausgesetzt. Der Wechsel zwischen kalter Luft draußen und warmer Heizungsluft drinnen führt dazu, dass die Lippen und Mundwinkel austrocknen und besonders leicht einreißen.

Zudem infizieren sich Kleinkinder häufig mit Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken, indem sie Gegenstände häufig in den Mund nehmen. Durch häufiges Lippenlecken oder Ablecken der eingerissenen Mundwinkel mit der Zunge können weitere Entzündungen entstehen. Denn Bakterien und Viren vermehren sich in feuchten Ecken besonders leicht.

Außerdem können bestimmte Lebensmittel wie süße Limonaden oder Säfte die Haut zusätzlich reizen.

Eingerissene Mundwinkel: Kann ein Vitaminmangel die Ursache sein?

Ja, das ist möglich. Eingerissene Mundwinkel können in seltenen Fällen durch einen Nährstoffmangel hervorgerufen werden: 

  • Eisenmangel
    • Bei einigen Betroffenen, vor allem bei Frauen, wird zusätzlich ein Eisenmangel festgestellt. Trockene, eingerissene Mundwinkel, brüchige Nägel, spröde Haare und eine rötlich, brennende Zunge (Lackzunge) sind meist typische Symptome einer Eisenmangelanämie.
  • Mangel an Zink und Vitamin B2
    • Aber auch ein Mangel an Zink und Vitamin B2 (Riboflavin) kann zu Mundwinkelrhagaden führen. Vor allem Alkoholkranke sind mitunter von einem Riboflavin-Mangel betroffen. Neben Mundwinkelrhagaden kann es zu Hautausschlägen und Lichtempfindlichkeit kommen. Ein Vitamin-B2-Mangel macht sich außerdem durch Müdigkeit und Wachstumsstörungen bemerkbar.
  • Vitamin-C-Mangel
    • Auch ein Vitamin-C-Mangel macht sich unter anderem durch eingerissene Mundwinkel und Zahnfleischbluten bemerkbar. Aber das kommt noch seltener vor.

Das hilft:

Durch eine Blutuntersuchung beim Arzt lässt sich feststellen, ob man unter einem Vitaminmangel leidet. Betroffene sollten auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist. Zitrusfrüchte sind gute Vitamin-C-Lieferanten, Vitamin B2 steckt vor allem in Vollkornprodukten, Eier, Fisch und Milchprodukten. Eisen befindet sich reichlich in Fleisch und Hülsenfrüchten (wie Linsen, Bohnen).

Wird ein Mangel festgestellt, können zusätzlich Nahrungsergänzungspräparate eingenommen werden. 

Kann ein erhöhter Speichelfluss zu Mundwinkelrissen führen?

Ja, das ist möglich. Ein erhöhter Speichelfluss, der zum Beispiel durch das Tragen einer Zahnspange verursacht wird, lässt die Haut im Bereich der Mundwinkel aufquellen. Dies führt dazu, dass sich die Mundwinkel entzünden und leichter einreisen.

Darüber hinaus kann auch eine Magenübersäuerung zu einem erhöhten Speichelfluss und zu Mundwinkelrissen führen. Wenn Sie zusätzlich Magenprobleme haben, empfiehlt sich ein Arztbesuch, um das abzuklären. 

Können Zahnspangen oder andere Zahnprobleme zu eingerissenen Mundwinkel führen?

Ja. Das Tragen von Zahnspangen kann zu einem erhöhten Speichelfluss führen. Durch den vermehrten Speichelfluss weicht die Haut im Mundwinkelbereich auf, sodass sie sich entzündet. Die Folge sind eingerissene Mundwinkel. 

Ähnliches gilt für schlecht sitzende Zahnprothesen.

Was hilft?

Es empfiehlt sich, eine Zahnspange regelmäßig vom Zahnarzt überprüfen zu lassen. Übrigens: Das Gleiche gilt für Zahnprothesen („Gebisse“) oder Zahnschienen, wenn sie schon alt und abgetragen sind. 

Warum sind eingerissene Mundwinkel in der Schwangerschaft häufiger?

Aufgrund des erhöhten Nährstoffbedarfs des Körpers sind Schwangere häufiger von einem Vitamin- und Mineralstoffmangel betroffen. Ein Eisenmangel zum Beispiel oder auch ein Mangel an Vitamin B2 kann sich in Form von eingerissenen Mundwinkeln zeigen.

Frauen zwischen 25 und 51 Jahren sollten etwa 15 Milligramm Eisen pro Tag aufnehmen. In der Schwangerschaft benötigt der Körper doppelt so viel Eisen (etwa 30 Milligramm pro Tag). Diesen Bedarf können viele Schwangere alleine über Lebensmittel oft nicht decken.

Was tun?

Wird ein Eisenmangel festgestellt, ist die Einnahme von Eisentabletten nötig. Das Gleiche gilt für Vitamin B2: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren, täglich 1,5 Milligramm Vitamin B2 zuzuführen. Durch eine ausgewogene und vielfältige Ernährung kann dieser Bedarf meist gut gedeckt werden. Stellt der behandelnde Arzt einen Vitamin-B2-Mangel fest, müssen zusätzlich entsprechende Nahrungsergänzungspräparate eingenommen werden. Mit der Einnahme entsprechender Präparate verschwinden in der Regel auch die eingerissenen Mundwinkel.

Was untersucht der Arzt?

Der Arzt stellt die Diagnose normalerweise anhand des äußerlich erkennbaren Bildes. Erscheint ein Erregernachweis sinnvoll, wird ergänzend ein Abstrich von der betroffenen Stelle genommen. Das muss aber oft gar nicht sein.

Als weitere diagnostische Maßnahmen kommen unter Umständen eine Blutuntersuchung sowie Allergietests in Frage, je nachdem, was man als Ursache vermutet. Auch ein (unerkannter) Diabetes kann theoretisch die Ursache sein, wenn auch sehr selten. Falls Ihr Kind eine Zahnprothese hat, ist möglicherweise auch der Zahnarzt in die Diagnostik einzubeziehen, um den korrekten Prothesensitz zu prüfen.

Weitere mögliche Untersuchungsbefunde:

  • Visuelle Begutachtung
    • Bläschen deuten auf eine Herpes-Infektion hin.
    • Weiße Beläge auf eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans (Mundsoor).
    • Wird eine bakterielle Infektion zum Beispiel durch Pilze, Bakterien oder Viren vermutet, kann zusätzlich ein Abstrich der Lippen sowie der Schleimhaut im Mund erfolgen. Dieser gibt Aufschluss über die Art der Erreger.
  • Blutuntersuchung
    • Ein Nährstoffmangel gilt als eher seltene Ursache von Mundwinkelrhagaden. Ein Mangel an Eisen, Zink oder Vitaminen kann anhand einer Blutuntersuchung nachgewiesen werden.
  • Zahnarztbesuch
    • Als zusätzliche Option bei der Diagnosefindung kann ein Zahnarzt zurate gezogen werden. Mitunter nämlich sind falsch sitzende Zahnspangen oder auch Gebissfehlstellungen Ursache für eingerissene Mundwinkel. Wer eine Zahnspange trägt oder generell zu einem erhöhten Speichelfluss neigt, sollte eventuell einen Besuch beim Zahnarzt in Erwägung ziehen.

Was hilft gegen eingerissene Mundwinkel?

Es gibt viele Hausmittel bzw. freiverkäufliche Salben und Arzneimittel, die bei eingerissenen Mundwinkeln helfen können. Hier eine Auswahl:

  • Dexpanthenol, Kamille oder Hamamelis
    • Beruhigende Pflegeprodukte mit Dexpanthenol, Kamille oder Hamamelis wirken entzündungshemmend. Die schmerzhaften Stellen können mit den hautberuhigenden Salben dünn eingecremt werden.
  • Wundheilende, desinfizierende und schmerzstillende Salben
    • z.B. mit Lidocain, Myrrhe, Salbei oder Kamille: können direkt auf die entzündeten Mundwinkel aufgetragen werden. 
  • Zinksalbe
    • Auch Zinksalbe eignet sich gut zur Behandlung.
  • Salbeitee
    • Um die Entzündung zu lindern, können die eingerissenen Mundwinkel regelmäßig mit einem Salbeisud betupft werden. Dafür zwei Teelöffel Salbeitee mit einer Tasse kochendem Wasser überbrühen.
  • Lippenpflege & Melkfett
    • Vor allem im Winter sollte man immer einen Lippenpflegestift mit dabei haben, um spröden Lippen und eingerissenen Mundwinkeln vorzubeugen.
    • Fetthaltige Cremes (wie Vaseline, Lippenpflegestifte) können auch gegen eingerissene Mundwinkel bei Kindern helfen. Sie schützen die empfindlichen Stellen und sorgen dafür, dass der bakterienreiche Speichel abperlt und keine feuchten Ecken entstehen. Am besten man trägt die Creme vor dem Schlafen gehen, auf die Lippen auf.
    • Vor dem Schlafengehen kann zusätzlich etwas Melkfett auf die Lippen und Mundwinkel aufgetragen werden.
  • Honig
    • Honig wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Durch das Auftragen von Honig bildet sich ein Schutzfilm um die trockenen Lippen. Die Lippen bleiben dadurch geschmeidig und reißen nicht ein. Wichtig: Der Honig sollte nicht von den Lippen abgeleckt werden, denn das reizt die Haut zusätzlich. Wer möchte, kann auch eine Paste aus Honig und etwas Olivenöl herstellen. Die Salbe kann morgens und abends auf die eingerissenen Mundwinkel aufgetragen werden.

Zusätzlich sollte man folgende Dinge beachten:

Die Mundwinkel sollten möglichst trocken sein. Denn in feuchten Ecken können sich Bakterien und andere Erreger besonders gut vermehren und Entzündungen auslösen. Außerdem sollten Betroffene auf zu scharfe, saure oder salzige Speisen verzichten. Denn die Lebensmittel können die Mundwinkelrhagaden noch mehr reizen. Auch beim Zähneputzen sollte man vorsichtig sein und den Kontakt mit Zahnpasta an den empfindlichen Stellen vermeiden.

Nicht lecken!

Viele Betroffene neigen dazu, die entzündeten Mundwinkel mit der Zunge abzulecken, um den Schmerz zu lindern. Das allerdings sollte man auf keinen Fall tun. Zum einen bieten feuchte Ecken einen guten Unterschlupf für Keime, die sich dort vermehren können. Zum anderen kann der bakterienreiche Speichel neue Entzündungen im Mundwinkelbereich auslösen.

Anzeige

Welche Salben eignen sich bei eingerissenen Mundwinkeln?

Gegen akute Entzündungsschübe können Kortison-Salben angewendet werden. Aufgrund der vielen Nebenwirkungen sollten diese Salben aber nur über einen äußerst begrenzten Zeitraum verwendet werden.

Sind bakterielle Infektionen Ursache für die eingerissenen Mundwinkel, wird mehrmals täglich eine Antibiotika-Salben direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Bei Pilzinfektionen werden vom Arzt antimykotische Salben verschrieben.

Wie behandelt der Arzt eingerissene Mundwinkel?

Im unbehandelten Zustand neigen die akuten Entzündungen mitunter zur Chronifizierung, mitunter auch zur Geschwürbildung. Nach 1- bis 2-wöchiger adäquater örtlicher Behandlung verschwinden die Faulecken normalerweise wieder.

Lieber zum Arzt

Der Besuch beim Arzt oder Kinderarzt lohnt sich also, da die entzündlichen Prozesse bei Mundwinkelrissen (Faulecken) recht hartnäckig sein und eine angemessene medizinische Behandlung erforderlich machen können. Die Behandlung von eingerissenen Mundwinkel kann je nach Befund und Diagnose sehr unterschiedlich ausfallen.

Folgende Behandlungsansätze sind gängig:

  • Fetthaltige Salben und Cremes
    • Wenn die eingerissenen Mundwinkel zum ersten Mal auftreten und nicht entzündet sind, kann bereits das Auftragen von speziellen fetthaltigen Salben oder Pasten helfen, die Symptome zu lindern. Näheres dazu oben unter Selbsthilfe.
  • Arzneimittel
    • Bei einer Infektion mit Hefepilzen, Herpes-Viren oder Bakterien wird der Arzt Salben oder Lotionen mit speziellen Wirkstoffen gegen den Krankheitserreger verschreiben. Das können Antibiotika oder Antimykotika (in Form von Tabletten oder Salben) sein.

Autoren:  & Nina Schratt-Peterz

Inhaltsverzeichnis Top