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Bluthochdruck: Prognose

Kann man wirklich einen Herzinfarkt durch einen zu hohen Blutdruck bekommen? Oder einen Schlaganfall? Und kann ich das selbst beeinflussen? Diese und viele weitere Fragen zu den möglichen Folgen des Bluthochdrucks beantworten wir im folgenden Beitrag.  

Gefahren durch zu hohen Blutdruck

Wieso ist Bluthochdruck so gefährlich?

Bluthochdruck weltweit größtes Gesundheitsrisiko 

Zunächst ein paar Zahlen, die eher beunruhigen: Hoher Blutdruck ist von allen Gesundheitsrisiken, die es gibt, dasjenige, das weltweit die meisten Lebensjahre kostet. Das ist das Ergebnis einer systematischen Analyse von Risikofaktoren, die im Rahmen der Global Burden of Disease Study 2016 (siehe Quellen) durchgeführt wurde.

Die GBD-Studie liefert als größte epidemiologische Untersuchung kontinuierlich Auswertungen zum Gesundheitszustand der Weltbevölkerung. Die Häufigkeit von Krankheiten und ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität werden dazu regelmäßig nach dem DALY-Konzept berechnet. Für die Maßeinheit DALY (disease-adjusted life years) werden die durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre und die mit Krankheit oder Behinderung gelebten Lebensjahren addiert.

Gute und schlechte Nachrichten

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge gingen im Jahr 2016 weltweit bei Männern 124,1 Millionen DALY und bei Frauen 89,9 Millionen DALY auf das Konto des Bluthochdrucks. Bei Frauen ist die Erkrankung damit das weltweit wichtigste Gesundheitsrisiko (gefolgt von Übergewicht und Diabetes), bei Männern liegt der Bluthochdruck auf Platz 2 hinter dem Rauchen.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Auch wenn Sie Bluthochdruck haben, liegt das Risiko, daran zu sterben, in Ihrer Hand. Denn in den allermeisten Fällen kommt es zu ernsthaften Folgen aufgrund eines schlecht eingestellten Hochdrucks – also wegen unzureichender Blutdrucksenkung.

Welche Organe werden bei Bluthochdruck häufig geschädigt?

Ein Bluthochdruck schädigt vor allem Organe mit vielen Gefäßen und guter Durchblutung. Zu nennen sind hier in erster Linie Gehirn, Nieren und Augen.

Aber auch das Herz wird auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen. Denn es muss ja gegen den erhöhten Blutdruck mit vermehrtem "Pumpaufwand" angehen.

Auswirkungen von Bluthochdruck auf die Organe

Stimmt es, dass ein hoher Blutdruck das Risiko für einen Schlaganfall erhöht?

Klares Ja. Bluthochdruck gehört neben der Arteriosklerose zu den wesentlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Da ein hoher Blutdruck auch eine Arteriosklerose begünstigt, besteht hier sogar eine doppelte Gefahr.

Bluthochdruck: Was bedeuten zusätzliche Risikofaktoren für Herz und Kreislauf?

Jeder Risikofaktor, der neben dem Bluthochdruck besteht, erhöht das Risiko einer späteren ernsthaften Erkrankung noch weiter. Das heißt, es lohnt sich auch mit Bluthochdruck (vielmehr: dann ganz besonders), mit dem Rauchen aufzuhören, sich mehr zu bewegen oder Übergewicht abzubauen.

Das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird natürlich aber auch durch die Höhe des Blutdrucks selbst bestimmt. Das bedeutet, bei nur geringem Bluthochdruck und weiteren Risikofaktoren ist das Risiko geringer als bei einem mittelstarken oder sehr starken Bluthochdruck mit derselben Anzahl von Risikofaktoren.

Warum ist Bluthochdruck bei einer Zuckerkrankheit (Diabetes) besonders gefährlich?

Sowohl die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) als auch der Bluthochdruck schaden dem Gefäßsystem und beeinflussen sich gegenseitig. Diabetes erhöht unter anderem das Risiko einer allgemeinen Verkalkung von Gefäßen.

Gleich doppelt gefährlich für unsere Organe

Spätfolgen des Diabetes manifestieren sich an Augen, Nieren und Herz, wo Durchblutungsstörungen auftreten und zum Funktionsverlust der Organe führen können. Dieser Vorgang wird durch erhöhte Blutdruckwerte beschleunigt.

Wie viel höher ist das Risiko für Diabetiker?

Menschen mit Bluthochdruck haben ein dreifach höheres Risiko für einen Herzinfarkt verglichen mit Gesunden. Mit zusätzlichem Diabetes steigt das Risiko auf das Sechsfache.

Warum ist es besonders gefährlich, wenn Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte zusammenkommen?

Das Problem ist, dass sowohl der hohe Blutdruck als auch Cholesterin & Co. – lange Zeit unbemerkt – die Blutgefäße schädigen können. Mögliche Folgen sind Arteriosklerose oder eine koronare Herzkrankheit, im schlimmsten Fall Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Bewahrt die Behandlung des hohen Blutdrucks vor einer Demenz?

Ja. Die vaskuläre Demenz (eine Demenz, die auf Durchblutungsstörungen zurückgeht), tritt unter effektiver Bluthochdruckbehandlung seltener auf. Dies konnten mehrere Studien nachweisen.

Vor allem für die Gruppe der sogenannten Angiotensin-Rezeptor-Blocker wurde ein solcher Schutzeffekt jetzt mehrfach gezeigt. Diese auch als Sartane bezeichneten Blutdrucksenker werden vor allem dann verschrieben, wenn Blutdruckmittel aus der Familie der ACE-Hemmer nicht mehr ausreichend wirken oder Nebenwirkungen verursachen.

Warum zum Augenarzt?

Bei jahrelang bestehendem erhöhtem Blutdruck kann es zu Veränderungen an den Augen kommen, die unbedingt rechtzeitig erkannt werden sollten, um nicht größere Schäden anzurichten. Nehmen Sie regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt deshalb unbedingt war, so können Schädigungen der Netzhaut möglichst früh erkannt werden.

Neu aufgetretene Sehschwäche: Liegt es am Alter oder am hohen Blutdruck?

Welche Ursache hinter der Sehschwäche steckt, muss der Augenarzt testen und beurteilen. Sollte noch kein Bluthochdruck bekannt sein und wird die Sehkraft plötzlich schlechter, sollte vor den augenärztlichen Prozeduren in jedem Fall einmal der Blutdruck gemessen werden.

Stimmt es, dass man durch einen Bluthochdruck blind werden kann?

Ja, auch wenn das natürlich ein Extrem darstellt. Aber infolge eines Bluthochdrucks kann es in jedem Fall zu ernsten Augenerkrankungen kommen. Hohe Blutdruckwerte schädigen die kleinen Gefäße der Netzhaut des Auges. Man spricht von hypertensiver Retinopathie.

Kann der Augenarzt eine Netzhauterkrankung aufgrund eines Bluthochdrucks denn überhaupt erkennen?

Ja, der Augenarzt erkennt durch die Spiegelung des Augenhintergrunds verengte Gefäße und typische Anzeichen einer Netzhauterkrankung, die durch einen Bluthochdruck entstehen können.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Impotenz?

Ja. Bei einem Bluthochdruck (Hypertonie) kann es zu sexuellen Störungen im Sinne einer erektilen Dysfunktion oder Impotenz kommen. Ursache kann eine Arteriosklerose der kleinen Gefäße der Genitalien sein – also eine Schädigung von arteriellen Gefäßen durch den Bluthochdruck.

Kann es auch an den Blutdruckmedikamenten liegen?

Ja, auch Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. Thiazide und Betablocker), die gegen die Hypertonie eingenommen werden, sowie eine durch die Behandlung eingetretene Blutdrucksenkung können ursächlich beteiligt sein.

Keine falsche Scham

Haben Sie keine Hemmungen solche Probleme bei Ihrem Arzt anzusprechen. Die erektile Dysfunktion ist in der Regel gut behandelbar, auch bei einem Bluthochdruck. Oft reicht eine einfache Umstellung der Medikamente aus. Also trauen Sie sich, anstatt unter der vermeidbaren Nebenwirkung zu leiden.

Können auch Frauen unter sexuellen Problemen aufgrund ihres Bluthochdrucks leiden?

Ja, auch Frauen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden häufiger unter sexuellen Störungen. Lustlosigkeit, Schwierigkeiten bei der Erregung und beim Orgasmus u.a. können sehr beeinträchtigend sein. Ursächlich können wie auch beim Mann Störungen der Durchblutung sein oder Medikamentennebenwirkungen.

Bluthochdruck: Krebsgefahr für die Nieren?

Ein zu hoher Blutdruck erhöht auch das Risiko für Nierenzellkrebs. Warum das so ist, haben jetzt Forscher der Universität Würzburg näher untersucht. Die Antwort der Wissenschaftler:

Angiotensin II

Angiotensin II ist ein körpereigenes Hormon, das maßgeblich an der Steuerung des Blutdrucks beteiligt ist. Ein zu hoher Angiotensin-II-Gehalt im Blut scheint Schädigungen am Erbgut von Nierenzellen zu fördern. Solche DNA-Schäden gibt es zwar auch ohne Angiotensin II immer mal wieder, aber dann werden sie schnell wieder repariert.

Ist aber zuviel Angiotensin II vor Ort, scheinen diese Reparaturvorgänge nicht mehr reibungslos zu funktionieren. Und somit steigt die Gefahr, dass krebsartige Mutationen entstehen. Interessant sind diese Ergebnisse auch deshalb, weil es blutdrucksenkende Medikamente gibt, die ihre Wirkung über eine Angiotensin-II-Hemmung entfalten. Diese Mittel könnten potenziell also auch vorbeugend gegen Nierenzellkrebs wirken.


Effekt der Blutdrucksenkung

Was bringen niedrige Blutdruckwerte in Zahlen?

Auf diese Frage gab Ende 2015 die bisher umfangreichste Meta-Analyse zum Thema Blutdrucksenkung Antwort (Ettehad D et al.). Daten von über 600.000 Patienten aus 123 groß angelegten kontrollierten Studien – so viel Informationsgehalt hatte noch keine Meta-Analyse zuvor. Die federführenden Wissenschaftler der Studie vom britischen George Institute for Global Health und der University of Oxford ermittelten in ihrer Untersuchung den Effekt der Behandlung.

Für jede Abnahme des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg errechneten sie eine relative Risikosenkung:

  • für kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall) um etwa 20%
  • für die koronare Herzkrankheit (KHK) um 17%
  • für das Schlaganfall-Risiko allein um 27%
  • für eine resultierende Herzschwäche um 28%
  • und für die Gesamtsterblichkeit um 13%.

Ein Fazit aus der Untersuchung: Jede Blutdrucksenkung lohnt sich – auch eine stärkere als derzeit in den Leitlinien empfohlen, also mit systolischen Blutdruck-Zielwerten unter 130 mmHg statt 140 mmHg. 

Autoren:

Quellen:

  • GBD 2015 Risk Factors Collaborators. Global, regional and national comparative risk assessment of 79 behavioural, environmental and occupational, and metabolic risks or clusters of risks in 195 countries, 1990-2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. Lancet 2016;388:1659-724.
  • Ettehad D et al. Blood pressure lowering for prevention of cardiovascular disease and death: a systematic review and meta-analysis. The Lancet 23. Dezember 2015. Doi: 10.1016/S0140-6736(15)01225-8.

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