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Bluthochdruck: Grundlagen und Ursachen

Beim Bluthochdruck besteht auch im Ruhezustand ein zu hoher Druck in den Blutgefäßen. Ärzte nennen das Hypertonie. Als Grenzwert gilt ein Blutdruck von 140/90 mmHg. Leider ist ein zu hoher Blutdruck in aller Regel kein vorübergehendes Phänomen. Mit einer gesunden Lebensweise und Medikamenten gelingt es allerdings meistens, das Problem in den Griff zu bekommen. 

Im folgenden Beitrag beantworten Ärzte die häufigsten Fragen zu den Grundlagen und Ursachen.

Wie entsteht Bluthochdruck? 

Meistens bleibt diese Frage unbeantwortet. Das heißt, eine bestimmte Ursache kann nicht ermittelt werden. Man spricht dann von "essentieller Hypertonie". Etwa 80-90% aller Menschen mit Bluthochdruck haben diese Form des Bluthochdrucks. Doch obwohl die genaue Entstehung des Bluthochdrucks meist im Dunkeln bleibt, gibt es eindeutige und nachweisliche Faktoren, die ihn begünstigen.

Risikofaktoren sind unter anderem:

  • Übergewicht
  • zu wenig Bewegung
  • zu viel Alkohol
  • zu viel tierische Fette in der Ernährung
  • zu viel Salz in der Ernährung
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen
  • Stress
  • genetische Veranlagung

Meist liegt der Entstehung von Bluthochdruck nicht eine einzelne Ursache zugrunde, sondern es spielen mehrere Risikofaktoren eine Rolle.

Bei der Minderheit, bei der der hohe Blutdruck eindeutige Ursachen hat, spricht man von sekundärer Hypertonie. Sekundär deshalb, weil dann primär eine andere Erkrankung vorliegt (z.B. eine Nierenstörung).

Ist ein hoher Blutdruck erblich?

Die Entstehung eines hohen Blutdrucks hängt meist von mehreren Faktoren ab. Darunter scheint auch eine erbliche Komponente eine Rolle zu spielen. So weisen Kinder von Eltern mit erhöhtem Blutdruck ein erhöhtes Risiko auf, später selbst einen hohen Blutdruck zu entwickeln.

Bis auf seltene Ausnahmen eines rein genetisch verursachten Bluthochdrucks sind jedoch fast immer Lebensstil und Lebensgewohnheiten ursächlich am hohen Blutdruck beteiligt. Übergewicht, falsche Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsmangel und Stress spielen bei der Entstehung des Bluthochdrucks eine große Rolle – und sind im Gegensatz zu genetischen Faktoren gut beeinflussbar.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht und Bluthochdruck?

Ja, das Körpergewicht hängt mit dem Risiko für die Entwicklung eines Bluthochdrucks zusammen. Denn während „nur“ gut ein Viertel normalgewichtiger Menschen einen Bluthochdruck entwickelt, steigt die Häufigkeit bei Übergewicht auf mehr als 60% an. Bei Fettleibigkeit steigt die Häufigkeit auf 75%.

Das bedeutet, mit jedem Kilogramm Körpergewicht zusätzlich erhöht sich das Risiko für die Bluthochdruckkrankheit. Und damit das Risko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Dinge, die man nicht haben will. Das Gute: Diesen Risikofaktor kann man selbst beeinflussen, indem man Gewicht reduziert.

Kann Übergewicht Ursache meines Bluthochdrucks sein?

Ja, Übergewicht zählt zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für die Entwicklung eines Bluthochdrucks. Mit steigendem Gewicht wächst auch das Risiko für erhöhte Blutdruckwerte.

Mehr als 60% der Übergewichtigen haben einen Bluthochdruck. Unter den fettleibigen Menschen sind 75% betroffen. Dagegen sind „nur“ etwa 34% der normalgewichtigen Menschen von Bluthochdruck betroffen.

Was hat Stress mit der Entwicklung eines Bluthochdrucks zu tun?

Menschen, die permanent beruflich oder auch privat unter Druck stehen, weisen eine Aktivierung ihres sympathischen Nervensystems auf. Über das sympathische Nervensystem werden auch Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol gesteuert. Das bedeutet, der Körper steht in einer andauernden Alarmbereitschaft und ist zur Höchstleistung bereit. Das ist auf Dauer aber ungesund.

Nachgewiesen ist: Nervenreize, die durch psychischen Stress entstehen, führen zu einer Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems und zur Erhöhung des Bluthochdrucks. Die effektivsten Gegenspieler sind Sport und Entspannungsübungen, so gegensätzlich diese Aktivitäten auch sind. Beide führen zu einer "Beruhigung im Kopf" und damit zu einer Entlastung des unter Druck stehenden Körpers.

Warum haben mehr Männer als Frauen einen Bluthochdruck?

Tatsächlich leiden Männer häufiger unter Bluthochdruck als Frauen. In der Altersklasse der 18- bis 79-Jährigen sind 44% der Frauen von einem Bluthochdruck betroffen und 51% der Männer.

Dass mehr Männer einen Bluthochdruck entwickeln, kann zum einen daran liegen, dass die Risikofaktoren von Männern und Frauen nicht ganz gleich verteilt sind (Stress, Übergewicht, etc.). Studien ergaben außerdem, dass männliche Geschlechtshormone den Blutdruck über die Nierenfunktion beeinflussen und damit erhöhen können.

Kann eine Schilddrüsenüberfunktion Ursache des Bluthochdrucks sein?

Ja, eine Überfunktion der Schilddrüse mit einer vermehrten Bildung von Schilddrüsenhormonen kann zu einem Bluthochdruck führen.

Schilddrüsenhormone kurbeln den Stoffwechsel an und wirken erregend auf das Herz-Kreislauf-System. Neben Herzproblemen kann auch ein Bluthochdruck entstehen.

Was haben erhöhte Blutfettwerte mit Bluthochdruck zu tun?

Zwischen erhöhten Blutfettwerten (Cholesterin, Triglyceride) und Bluthochdruck besteht ein indirekter Zusammenhang. Man muss dafür ein wenig um die Ecke denken:

Zu erhöhten Blutfettwerten kommt es häufig infolge von Übergewicht und Überernährung. Übergewicht wiederum belastet Körper und Kreislauf und ist ein erheblicher Risikofaktor für die Entstehung des Bluthochdrucks.

Unterm Strich liegen erhöhte Blutfette und Bluthochdruck häufig gemeinsam vor – und potenzieren dann nochmal das Risiko für Herzinfarkt und andere Dinge, die man nicht haben will.

Warum bekommen Frauen häufig erst nach den Wechseljahren einen Bluthochdruck?

Dies liegt an den hormonellen Veränderungen, die durch die Wechseljahre eingeläutet werden. Frauen produzieren nach den Wechseljahren deutlich weniger weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene.

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Östrogene besitzen eine Schutzfunktion in Bezug auf die Gefäße und des Herz-Kreislauf-Systems. Sie halten die Gefäße weich und geschmeidig. Nach den Wechseljahren ist diese Schutzfunktion nicht mehr gegeben.

Weitere mögliche Ursache: Schlafapnoe 

Eine sehr häufige, aber oft nicht erkannte Ursache für zu hohen Blutdruck ist das sogenannte Schlafapnoe-Syndrom. Hierbei kommt es in der Nacht zu wiederkehrenden, kurzen Atemaussetzern. Die Betroffenen haben Durchschlafstörungen, fühlen sich tagsüber oft müde und schnarchen überdurchschnittlich häufig. Und was mindestens genauso bedeutsam ist: Auf Dauer ist das nächtliche Ankämpfen gegen die Atemaussetzer eine enorme und gefährliche Belastung für das Herz.

Wenn Sie derlei Symptome bei sich (oder Ihrem Partner!) feststellen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Die Schlafapnoe ist vor allem dann gefährlich, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird. Ansonsten können die Atemaussetzer meist gut behandelt und behoben werden. Wenn Ihr Arzt Sie bei der Erhebung der Krankengeschichte also nach Ihrem Schlaf und Ihren Schlafgewohnheiten fragt, nehmen Sie den Punkt bitte nicht auf die leichte Schulter – gerade eventuell auch Ihrem Blutdruck zuliebe.

Führt die Anti-Baby-Pille zu Bluthochdruck?

Ja, das ist möglich, denn die weiblichen Geschlechtshormone nehmen auf den Blutdruck Einfluss.

Es ist bekannt, dass Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen, im Schnitt einen etwas höheren Blutdruck haben als Frauen ohne diese Art der Verhütung. Deshalb ist die Verschreibung der Pille bei Frauen mit Bluthochdruck sehr kritisch zu hinterfragen.

Bei Auftreten eines Bluthochdrucks unter der Einnahme der Anti-Baby-Pille sollte eine andere Art der Verhütung gewählt werden.

Kann ein Bluthochdruck auch auftreten, wenn ich die Anti-Baby-Pille bereits seit Jahren einnehme?

Ja, auch nach Jahren der Verhütung mit der Anti-Baby-Pille kann ein Bluthochdruck auftreten. Dies bedeutet in den meisten Fällen, dass die Einnahme der "Pille" beendet werden sollte.

Sinkt der Blutdruck einige Zeit nach Beendigung der Einnahme, kann ein erneuter Versuch der hormonellen Empfängnisverhütung, möglicherweise mit einem anderen Präparat, versucht werden. Oder aber Sie müssen die Anti-Baby-Pille durch eine andere Art der Verhütung ersetzen. Das mag unbequem sein, aber ein Bluthochdruck ist zu gefährlich für Herz und Gefäße, als dass Sie es drauf ankommen lassen sollten.

Können bereits Kinder Bluthochdruck haben?

Ja, auch Kinder können unter Bluthochdruck leiden. Wie bei den Erwachsenen können organische Ursachen dafür vorliegen oder der hohe Blutdruck entsteht aufgrund des Vorliegens von Risikofaktoren wie Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel oder anderen Faktoren. Auch eine familiäre Belastung kann eine Rolle spielen. Die Behandlung der kindlichen Hypertonie muss sich wie beim Erwachsenen auch nach der Ursache richten.

Tendenz steigend

Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen hat eine zunehmende Tendenz und tritt inzwischen bei 5% der Kinder auf. Das bedeutet, dass rund 700.000 Kinder in Deutschland zu hohen Blutdruck haben. Die Ursachen sind vielfältig, haben aber immer häufiger mit dem Essverhalten, Übergewicht und Bewegungsmangel zu tun. 20% aller Kinder und rund ein Drittel aller Jugendlichen bringen zu viel auf die Waage – eine Folge davon kann Bluthochdruck sein. Auch gesteigerte Blutfettwerte oder Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) treten bei Kindern zunehmend häufiger auf.

Statt sich ausreichend zu bewegen, herumzutoben oder Sport zu treiben, sitzen viele Kinder stundenlang vor dem Fernseher oder Computer. Über 60% der Jugendlichen verbringen mehr als zwei Stunden am Tag vor dem Bildschirm, ein Drittel sogar über vier Stunden. Diese ungesunde Lebensweise zeigt sich oft in erhöhtem Blutdruck. Die Folge können Herzkrankheiten oder Arteriosklerose sein. Rund 25% der Jugendlichen haben bereits nachteilige Veränderungen an den Herzkranzgefäßen.

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Wie viel Lakritze führt bei Kindern zu Bluthochdruck?

Der Konsum von Lakritze kann tatsächlich zu einer Blutdruckerhöhung bei Ihrem Kind führen. Allerdings muss es dazu rund ein Pfund der Süßigkeit täglich naschen. Die Gefahr ist also zum Glück relativ gering und das Süßholzwurzelprodukt in der medizinischen Praxis nur selten Ursache für ein Blutdruckproblem.

Kann man der Entstehung von Bluthochdruck vorbeugen?

Prinzipiell ja. Denn Bluthochdruck ist hausgemacht. Meistens jedenfalls. Und deshalb ist er in der Regel auch mit "Hausmitteln" zu verhindern. Allerdings muss man dafür seinen "Lebensstil" möglicherweise etwas anpassen. Wovor Viele zurückschrecken, weil sie evtl. mit liebgewordenen Gewohnheiten etwas besser haushalten oder sie ganz aufgeben müssen. Es geht nämlich auch beim Bluthochdruck um die üblichen Verdächtigen.

So vermeiden Sie am besten einen zu hohen Blutdruck:

  • Übergewicht vermeiden bzw. abbauen.
  • gesunde Ernährung: viel Obst und Gemüse, viel Ballaststoffe, viel Fisch, wenig tierische Fette und wenig Salz
  • nicht rauchen
  • Sport bzw. regelmäßige körperliche Bewegung. Am besten ist moderater Ausdauersport (Walking, Fahrradfahren, Schwimmen etc.).

Kann man einen Bluthochdruck verhindern, in dem man abnimmt?

Tendenziell ja. Mit der Reduktion von Übergewicht kann man sein individuelles Risiko für Bluthochdruck zumindest stark senken.

Aber ganz unabhängig davon, ob schon ein Bluthochdruck vorliegt oder nicht, sollte man sein erhöhtes Körpergewicht senken. Gewichtsreduktion ist in der Vorbeugung und Behandlung des Bluthochdrucks äußerst bedeutsam. Und beides zusammen (also erhöhter Blutdruck und Übergewicht) sind im Hinblick auf Herzinfarkt und Schlaganfall ein sehr unheilvolles Gespann.

Was soll man tun, wenn der erhöhte Blutdruck trotz Gewichtsabnahme nicht sinkt?

Ist der Risikofaktor Übergewicht ausgeschaltet und beeinflusst dies den Blutdruck nicht positiv, spielen vielleicht weitere Faktoren eine Rolle. Es könnten etwa erbliche Komponenten, Fettstoffwechselstörungen und Stress ursächlich sein.

Auch Erkrankungen der Nieren oder Hormonstörungen sollten ausgeschlossen werden.

Da der Blutdruck nicht über längere Zeiträume erhöht sein sollte, weil dies die Gefäße und das Herz nachhaltig schädigen kann, ist es spätestens dann meist notwendig, den Bluthochdruck medikamentös zu senken. Zugleich sollte aber natürlich auch an der Ausschaltung aller weiteren beeinflussbaren Risikofaktoren gearbeitet werden (Bewegungsmangel etc.).

Bluthochdruck wegen Stress: Was tun?

Kann Stress als Ursache des Bluthochdrucks ausgemacht werden, ist es wichtig festzustellen, wann Stresssituationen vorkommen und ob sich diese beeinflussen lassen.

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Zudem sollte zwischen Anspannung und Entspannung immer ein ausgeglichenes Verhältnis herrschen. Deshalb muss man selbst für regelmäßige Pausen und Entspannung sorgen.

Vielleicht kann man den Feierabend nutzen, um Entspannungstechniken zu erlernen oder häufiger Sport zu treiben. Ruhe und Entspannung sind auf vielfältige Art individuell erreichbar.

Mein Stress-Level lässt sich nicht senken – was soll ich tun, um meinen Bluthochdruck zu beeinflussen?

Lässt sich chronischer Stress äußerlich nicht beeinflussen, sollte man dennoch für körperliche und psychische Entspannung sorgen, wenn dies möglich ist. Sport, Entspannungstechniken und überhaupt Zeit für Erholung und Entspannung wirken dem täglichen Stress entgegen.

Man kann aber auch erlernen, mit Stress-Situationen anders umzugehen, sie gelassener zu nehmen und die eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren.

Sollten sich die Blutdruckwerte dennoch nicht verändern und sind auch andere Risikofaktoren bedacht worden, ist eine medikamentöse Blutdrucksenkung (wenn nicht ohnehin schon verordnet) wahrscheinlich unumgänglich.

Bluthochdruck (Hypertonie): Einteilung der Schweregrade

Wann ist ein Blutdruck eigentlich zu hoch? Und wann ist er deutlich zu hoch? Deutsche Experten (die etwas eigentümlich benannte Hochdruckliga) haben Werte festgelegt, mit denen sich der Bluthochdruck klassifizieren lässt.

Optimal ist demnach ein Wert von 120/80 mmHg. Liegt man knapp über 130/85 mmHg, ist man nach der Einteilung der Hochdruckliga im Bereich "hoch-normal". In diesem Stadium kann eine gesunde Ernährung und mehr Bewegung schon ausreichen, um wieder in den "wirklich normalen" Bereich zu kommen. Alles darüber erfordert tendenziell eine medikamentöse Behandlung (aber nicht statt, sondern zusätzlich zur gesunden Lebensweise!).

Die Einteilung des Blutdrucks im Detail:

Bewertung  Oberer Wert 
(systolischer Druck) 
Unterer Wert 
(diastolischer Druck)
optimal bis 120 mmHg bis 80 mmHg

normal

bis 130 mmHg bis 85 mmHg
hoch-normal 130-139 mmHg 85-89 mmHg
Hochdruck 140 mmHg und darüber 90 mmHg und darüber

Was bedeutet systolischer und diastolischer Blutdruck? 

Bei der Blutdruckmessung werden bekanntlich immer zwei Werte gemessen: der systolische (oberer Wert) und der diastolische Blutdruck (unterer Wert).

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  • 140/80 (gesprochen 140 zu 80) bedeutet also, dass der systolische Blutdruck den Wert 140, der diastolische den Wert 80 hat.

Der systolische Druck ist dabei der Druck, der entsteht, wenn sich das Herz gerade zusammenzieht und das Blut in die Arterien pumpt. Wenn also das Blut in die Gefäße gepresst wird. Deshalb ist der systolische Wert auch deutlich höher als der diastolische Wert.

Der Druck in der Erschlaffungsphase, in der das Herz praktisch Luft holt zum nächsten Pumpen, ist dann der diastolische Blutdruck. Diese zeitliche Periode wird auch Diastole genannt.

Was bedeutet essentielle Hypertonie?

Beim Bluthochdruck wird zwischen zwei Formen unterschieden: Beim essentiellen primären Bluthochdruck können erbliche Faktoren und Risikofaktoren wie Übergewicht, erhöhte Blutfette, Bewegungsmangel, Stress und Rauchen ursächlich sein. Etwa 80% der Menschen mit Bluthochdruck leiden an dieser Form.

Dagegen ist bei einem sekundären Bluthochdruck eine zugrundeliegende Krankheit die Ursache des hohen Drucks. Dies können z.B. Nierenkrankheiten, Hormonstörungen oder Herzkrankheiten sein.

Was bedeutet arterielle Hypertonie?

Arterielle Hypertonie ist einfach die medizinische Bezeichnung für zu hohen Blutdruck. Wobei "Hypertonie" Bluthochdruck bedeutet und "arteriell" darauf hinweist, dass es sich beim Bluthochdruck um ein Problem in den Arterien handelt. Arterielle Hypertonie ist also nicht eine besondere Form des Bluthochdrucks, sondern der Bluthochdruck an sich.

Den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgend, spricht man von arterieller Hypertonie oder Bluthochdruck, wenn der systolische (obere) Wert des Blutdrucks über 140 mmHg und der diastolische (untere) Wert über 90 mmHg liegt – und dies dauerhaft und unabhängig von der Situation.

Was ist eine isoliert systolische Hypertonie?

Beim Blutdruck gibt es den oberen (systolischen) Wert und den unteren (diastolischen) Wert. Es gibt Menschen, bei denen ist nur der obere, systolische Wert erhöht, der andere nicht. Dies nennt man isoliert systolische Hypertonie.

Nach dem 65. Lebensjahr sind von dieser Form 50% aller Patienten mit Bluthochdruck betroffen. Ein Beispiel: Der systolische Wert kann auf 180 mmHg steigen, während der untere bei 85 liegt.

Wie ist eine isoliert systolische Hypertonie einzuschätzen?

Die Ursache dieser häufigen Form von Bluthochdruck besteht in einer auf das Alter zurückzuführenden Arteriosklerose in den großen Arterien und der Hauptschlagader. Dann sind die Blutgefäße nicht mehr dehnbar genug, um den hohen Druck nach jedem Herzschlag mit Dehnung auszugleichen.

Aufgrund der Tatsache, dass nur ein Wert betroffen ist, ist aber keine Entwarnung zu geben. Das Gegenteil ist der Fall, denn es kommt auf die Differenz der beiden Werte an, die man auch Pulsdruck nennt. Je größer der Abstand zwischen beiden Werten ist, desto größer das Risiko für einen Schlaganfall oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Nehmen Sie also auch eine isoliert systolische Hypertonie ernst!

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Sind die Blutdruckwerte von der Tageszeit abhängig?

Ja, der Blutdruck schwankt im 24-Stunden-Tagesverlauf typischerweise. Tagsüber sind die Werte allgemein höher als nachts. Tagesaktivitäten und -belastungen haben zudem einen Einfluss auf den Blutdruck.

24-Stunden-Messung bringt Licht ins Dunkel

Viele Funktionen unseres Körpers schwanken abhängig von der Tageszeit, so auch der Blutdruck. Mediziner sprechen von einer zirkadianen Rhythmik.

Eine 24-Stunden-Langzeitmessung gibt Aufschluss darüber, wie sich der Blutdruck bei Tag und Nacht verhält. Wie bei Einzelmessungen gibt es Grenzwerte, die festlegen, was als unauffällig gilt und ab wann ein Blutdruck erhöht ist.

Im Gesamtmittel über 24 Stunden sind Werte bis 130 / 80 mmHg normal. Während der Wachphase liegen die Grenzwerte dann etwas höher, ein Tagesmittel bis 135 / 85 mmHg ist dabei erlaubt. Dies entspricht in etwa den sonst angegebenen 140 / 90 mmHg einer Einzelmessung.

Im Schlaf sinkt der Blutdruck

Nachts im Schlaf sinkt der Blutdruck bei Gesunden dann um 10-15% ab. Werte bis 120 / 70 mmHg gelten als normal, darüber hinaus als erhöht. Mediziner sprechen von Dippern, bzw. Non-Dippern, wenn die Nachtabsenkung fehlt. Dies kann zum Beispiel bei Menschen mit einem Schlafapnoesyndrom der Fall sein.

Neben der zirkadianen Rhythmik haben auch körperliche Aktivität und Stress Einfluss auf das Blutdruckverhalten. Bei einer 24-Stunden-Messung wird daher immer ein Protokoll geführt, in dem Aufsteh- und Zubettgehzeiten sowie Sport und andere Aktivitäten mit der entsprechenden Uhrzeit notiert werden.

Ist ein niedriger Blutdruck immer gesund?

Nein, ein niedriger Blutdruck mit Werten unter 105 und 65 mmHg kann auch krankhafte Ursachen haben oder aber gesundheitlich nachteilige Auswirkungen.

Gefahren birgt ein niedriger Blutdruck vor allem bei älteren Menschen, deren Blutdruck zu rasch gesenkt wurde. Schwindel, Kreislaufprobleme und Stürze können die Folge sein. Auch bei schwangeren Frauen kann sich ein zu niedriger Blutdruck ungünstig auf die Versorgung des ungeborenen Kindes auswirken.

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Darüber hinaus gibt es Krankheiten als Ursache des niedrigen Blutdrucks, die im Verdachtsfall abgeklärt werden müssen. Ursache des tiefen Blutdrucks können im Einzelfall eine Schilddrüsenunterfunktion, Funktionsstörungen der Nebennierenrinde, Blutarmut wie auch Herzklappenerkrankungen und eine Herzschwäche sein.

Ist der Blutdruck im Sommer niedriger als im Winter?

Ja, das kann vorkommen. Bei großer Hitze erweitern sich die Gefäße, so dass der Blutdruck abfallen kann. Je nach Höhe des Blutdruckabfalls kann es dann auch zu Beschwerden wie Schwindel, Müdigkeit und Schwäche kommen.

Deshalb sollte der Blutdruck täglich kontrolliert werden. Bei systolischen Werten unter 110 mmHg können, insbesondere wenn mehrere blutdrucksenkende Medikamente verabreicht werden, möglicherweise einzelne Präparate in der Dosis reduziert werden. Dies sollte aber immer in Absprache mit dem Arzt geschehen.

Nimmt Bluthochdruck in der Bevölkerung zu?

In Deutschland ist eine Zunahme von Übergewicht bereits bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen, so dass nicht auszuschließen ist, dass auch die Häufigkeit des Bluthochdrucks zunehmen wird.

Anstieg nicht nachgewiesen, aber gut möglich

Bluthochdruck (Hypertonie) ist einer der führenden Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen, die mit 43% (2007) zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland zählen. Besonders mit dem Alter steigen die Werte, auch Übergewicht, Alkoholkonsum, Stress und Diabetes mellitus begünstigen die Entwicklung einer Hypertonie.

Obwohl die Bevölkerung insgesamt älter wird und die Zahl übergewichtiger (adipöser) Menschen steigt, scheint die Gruppe der Personen mit Bluthochdruck in ihrer Größe stabil zu sein. Dies zumindest zeigten Auswertungen von bevölkerungsbasierten epidemiologischen Studien, die zwischen 1994 und 2012 durchgeführt wurden.

Auch wenn somit seit den 1980er Jahren das Vorkommen von Bluthochdruck als konstant beschrieben wird, scheint ein Wachstum in Zukunft nicht ausgeschlossen. Zum einen wird die Bevölkerungsstruktur weiterhin immer älter; zum anderen nimmt der Anteil adipöser Menschen, besonders auch der Kinder, ebenfalls weiter zu. Beide Faktoren können zu Bluthochdruck führen.

Gibt es in Deutschland regionale Unterschiede in der Häufigkeit des Bluthochdrucks?

Ja, nach der Studie „Gesundheit in Deutschland“ aus dem Jahr 2009 liegt die Erkrankungshäufigkeit bei Frauen aus östlichen Bundesländern über dem Bundesdurchschnitt.

Eine überdurchschnittliche Häufigkeit von Bluthochdruck findet sich zudem bei Männern in Brandenburg und Berlin.

Leider hat diese Umfrage noch keine Antworten liefern können, warum das so ist, ob also beispielsweise die Menschen in den betreffenden Regionen häufiger Übergewicht oder andere Risikofaktoren haben.

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