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Blinddarmentzündung: Ursachen und Symptome

Bei immerhin 7% aller Menschen entzündet sich irgendwann im Laufe ihres Leben der Wurmfortsatz ihres Blinddarms (Appendizitis). Weshalb das so ist, harrt bis heute ebenso einer abschließenden wissenschaftlichen Erklärung wie die Funktion des Blinddarms an sich. Im folgenden Beitrag beantworten wir die häufigsten Fragen zu Ursachen und Symptomen.

Was ist eigentlich eine Blinddarmentzündung?

Der umgangssprachlich verwendete Begriff Blinddarmentzündung ist nicht ganz korrekt, denn wirklich entzündet ist nur der Wurmfortsatz des Blinddarms. Das ist eine 8-10 cm lange Aussackung, im medizinisch-anatomischen Vokabular Appendix vermiformis genannt. Demzufolge lautet die exakte medizinische Bezeichnung Appendizitis („-itis“ für Entzündung) oder auf Deutsch Wurmfortsatzentzündung.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen

Es kann in jedem Lebensalter zu einer Blinddarmentzündung kommen, besonders häufig ist sie aber ab dem Grundschulalter. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr, der erweiterte Häufigkeitsbereich umfasst das 2. und 3. Lebensjahrzehnt (10-30 Jahre). Leider kann man sich aber weder davor noch danach sicher sein, keine Appendizitis zu bekommen.

Spezielle Vorbeugemaßnahmen gegen eine Blinddarmentzündung gibt es nicht. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit hohem Fasergehalt wird allerdings mit einer niedrigeren Erkrankungsrate in Verbindung gebracht.

Was sind mögliche Ursachen für eine Blinddarmentzündung?

Bei einer Blinddarmentzündung ist genau genommen nur der Wurmfortsatz des Blinddarms betroffen: ein Darmanhängsel, das viel lymphatisches Gewebe aufweist. Meistens ist die genaue Ursache der Entzündung nur durch Untersuchung des operativ entfernten Wurmfortsatzes feststellbar.

Eine echte Infektion auf dem Blutweg ist selten. Eine Blinddarmentzündung entsteht vermutlich meistens durch eine Abflussbehinderung im Bereich des Wurmfortsatzes (Appendix). Ursache kann beispielsweise ein Kotstein sein, der aus verfestigtem Stuhl besteht. In der Folge kann das Blut nicht mehr richtig aus der Darmwand abfließen und die Appendix schwillt an. Die im Darminhalt reichlich vorhandenen Bakterien werden nicht weitergeschleust, sondern können sich festsetzen und, wenn sie krankheitserregend (pathogen) sind, eine eitrige Entzündung auslösen.

Zu möglichen Auslösern zählen außerdem:

  • Abknickung des Wurmfortsatzes
  • narbige Verengung oder Schleimhautschwellung
  • Fremdkörper (z.B. verschluckter Obstkern)
  • selten: Darmparasiten (Würmer) oder Tumo

Ob verschluckte Obstkerne tatsächlich zu einer Blinddarmentzündung führen können, ist umstritten. Verschiedene Experten, beispielsweise vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, bestreiten dies. In der Fachliteratur, ob gedruckt oder digital im Internet, werden die Kirsch- bzw. Obstkerne aber meist (noch) mitaufgeführt.

Auf einen Blick: Stadien und Formen der Blinddarmentzündung

Wenn sich ein Wurmfortsatz entzündet, läuft das Entzündungsgeschehen in mehreren, im Schweregrad stets zunehmenden Stadien ab, sofern es nicht vorher zu einer Spontanheilung oder Behandlung (in der Regel operative Entfernung des krankhaften Darmteils) kommt:

Katarrhalisches Stadium

Gekennzeichnet durch eine einfache Entzündung mit vermehrter Schleimproduktion und verstärkter Durchblutung (Hyperämie) der Schleimhaut.

Purulentes Stadium

Tiefere Ausbreitung der Entzündung mit Eiterbildung.

Ulzeröses Stadium

Geschwürig. Häufig ausgelöst durch einen Kotstein oder Fremdkörper (z.B. Kirschkern), der über eine Sekretanstauung zur Infektion mit nachfolgendem Schaden der Darmwand und anschließendem Geschwür führt.

Gangränöses Stadium

Gewebezerfall, gekennzeichnet durch eine schmutzigbraune Farbe und einen faulig stinkenden Geruch.

Perforiertes Stadium

Durchbruch der geschädigten Darmwand, Darminhalt (inklusive Bakterien) gelangt in die Bauchhöhle. Ggf. bilden sich eingekapselte Eiteransammlungen (Abszesse), häufig um den Wurmfortsatz herum (perithyphlitischer Abszess).

Appendizitis simplex

Einfache Blinddarmentzündung im katarrhalischen oder purulenten Stadium.

Appendizitis destructiva

„Zerstörerische Blinddarmentzündung“ (Appendizitis destructiva) im fortgeschrittenen Stadium bis hin zur Abszessbildung oder Perforation (Durchbruch in die Bauchhöhle).


Was sind typische Symptome und Beschwerden einer Blinddarmentzündung?

Folgende Symptome können eine Blinddarmentzündung begleiten:

  • anfangs krampfartige Schmerzen im ganzen Bauch oder um den Nabel, dann die typische Schmerzlokalisation im rechten Unterbauch
  • Bauchschmerzen zunächst unregelmäßig wiederkehrend, dann zunehmend
  • Druckempfindlichkeit des Bauches, Loslassschmerz (beim Entlasten nach der Druckausübung auf der Gegenseite)
  • „Wandern“ der Schmerzen vom Oberbauch bzw. Nabelbereich in den rechten Unterbauch
  • Appetitlosigkeit
  • eventuell Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung
  • leichtes bis mäßiges Fieber (häufig nur etwas über 38 °C)
  • eventuell leichter Durchfall oder Verstopfung
  • beschleunigter Puls
  • Nachtschweiß
  • gespannter Bauch, deshalb Schonhaltung mit angezogenen Beinen
  • Kind hält sich ruhig wegen Schmerzen beim Gehen bzw. bei Erschütterung
  • im Spätstadium bei fortgeschrittener Entzündung bzw. Blinddarmdurchbruch: Schwäche, Blässe, kalter Schweiß, Erbrechen, brettharter oder vorgewölbter Bauch, hohes Fieber

Nicht immer leicht zu erkennen

Der entzündete Blinddarm ist symptomatisch ein Chamäleon. Das heißt, es gibt zwar ein "typisches Beschwerdebild", dieses tritt aber längst nicht immer genau so auf. Bei nicht einmal der Hälfte der Menschen mit Blinddarmentzündung tritt die als charakteristisch betrachtete Kombination der Symptome Übelkeit, Erbrechen und quälende Schmerzen im rechten Unterbauch auf.

Da der Wurmfortsatz nicht bei allen Menschen an der gleichen Stelle liegt, sind die Beschwerden und vor allem deren Lokalisation bei einer Blinddarmentzündung nicht immer typisch. Ganz abgesehen davon, dass es in der Biologie immer auch Abweichungen vom „idealtypischen“ Bild gibt, ob gesund oder krank.

Wann es gefährlich wird

Die Blinddarmentzündung als solche ist relativ harmlos, sie kann allerdings bei einem Durchbruch der Darmwand mit Ausbreitung der Entzündung in den Bauchraum einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Aufgrund dieser latent vorhandenen Gefahr sollten Sie mit Ihrem Kind umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn sich Hinweise auf eine Blinddarmentzündung ergeben.

 

Bei Anzeichen für ein fortgeschrittenes Stadium handelt es sich um einen Notfall – rufen Sie dann den Notarzt!

Was sind Appendizitis-Zeichen?

Appendizitis-Zeichen sind Schmerzen, die typischerweise bei einer Blinddarmentzündung entstehen bzw. auslösbar sind. Allerdings ist weder ihre Präsenz noch ihre Abwesenheit im Rahmen der Untersuchung durch den Arzt 100%ig aussagekräftig, geschweige denn beweisend.

Den Diagnoseverdacht erhärten können sie aber schon und dafür reicht meist die Prüfung einiger weniger dieser zahlreich vorhandenen Zeichen aus. Zu den bekannteren und eher häufig geprüften Appendizitis-Zeichen gehören:

Was sind Warnhinweise für einen Blinddarmdurchbruch?

Ein Blinddarmdurchbruch ist eine der schwersten Komplikationen, die bei einer Blinddarmentzündung auftreten kann. Paradoxerweise kommt es bei einem Aufplatzen des massiv entzündeten Wurmfortsatzes (Blinddarmdurchbruch) zunächst aber zu einem plötzlichen Nachlassen der Schmerzen im rechten Unterbauch. Der Grund: Der geschwollene und schmerzende Darmabschnitt wird durch den Abfluss des angestauten Eiters in die Bauchhöhle entlastet.

Nach einer Weile der Entlastung steigt dann der Schmerz aber wieder an und wird schlimmer als zuvor. Denn bei einem Blinddarmdurchbruch treten auch Stuhl und Bakterien aus dem Darminneren in die Bauchhöhle aus und verursachen dort eine schwere Entzündung des Bauchfells (Peritonitis).

Das ist ein lebensgefährlicher Zustand. Zusätzlich zu den Schmerzen hat Ihr Kind dann einen brettharten Bauch, wird fiebrig und teilnahmslos. Wenn Sie auch nur den Verdacht haben, sollten Sie unbedingt sofort einen Arzt rufen oder aufsuchen.

Was soll ich bei Verdacht auf Blinddarmentzündung bei meinem Kind tun?

Wenn Ihr Kind unter Bauchschmerzen leidet, die von einer Blinddarmentzündung herrühren könnten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind hinlegt.
  • Kümmern Sie sich rasch um einen Arztkontakt (je nach Situation Hausbesuch anfordern, Praxis aufsuchen, gleich ins Krankenhaus fahren oder Notarzt rufen).
  • Geben Sie dem kleinen Patienten mit Blick auf eine mögliche Operation nichts mehr zu essen oder zu trinken.
  • Die Wärmeflasche, die bei anderen Gelegenheiten hilfreich sein kann, darf hier nicht eingesetzt werden – sie würde den Entzündungsprozess eher noch verschlimmern. Stattdessen können Sie Ihrem Schützling einen Eisbeutel auflegen.
  • Für die kurze Zeit bis zur ärztlichen Untersuchung sollte auf den Gebrauch von Schmerzmitteln verzichtet werden, um die Diagnosestellung nicht zu erschweren. Denn der Schmerzbefund und seine Lokalisation sind hierfür wichtig.

Wie wird eine Blinddarmentzündung festgestellt?

Für die Blinddarmentzündung gibt es kein absolut sicheres diagnostisches Kriterium. Die Verdachtsdiagnose "Appendizitis" ergibt sich vielmehr aus der Summe verschiedener Symptome und diagnostischer Marker.

Die körperliche Untersuchung (Druckschmerzpunkte) und die subjektiv vom Betroffenen geschilderten Beschwerden stehen dabei im Vordergrund. Außerdem richtungsweisend:

  • Verlaufs-Beobachtung: Beurteilung der Bauchschmerzen und anderer körperlicher Symptome in ihrer Entwicklung
  • Laboruntersuchung des Blutes: Erhöhung der Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen) und des CRP-Werts (Entzündungszeichen)
  • Ultraschalluntersuchung
  • Computertomographie (Stellenwert nicht gesichert)

Sicherheit erst bei OP

Einen Diagnosebeweis für die Blinddarmentzündung gibt es nicht, solange der Chirurg nicht den entzündeten Wurmfortsatz in Händen hält oder mit dem Laparoskop sichtet. Dennoch erkennen erfahrene Ärzte die Erkrankung in 70-80% der Fälle. Für die übrigen 20-30% gilt: Lieber einmal zu oft eine Appendizitis vermuten als einmal zu wenig. Denn wenn es zu Komplikationen kommt bzw. der Entzündungsprozess immer weiter fortschreitet, kann es sehr unangenehm werden.

Welche anderen Erkrankungen können hinter einer vermeintlichen Blinddarmentzündung stecken?

Zu den Erkrankungen, die sich ähnlich äußern können wie eine Blinddarmentzündung und  als Differenzialdiagnose bei Kindern in Betracht gezogen werden sollten, zählen u.a.:

  • Bauchfellentzündung (akutes Abdomen) anderer Ursache
  • Darmverschluss (Ileus)
  • Darmverschlingung (Invagination)
  • Gallenblasenentzündung
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Rotavirus-Infektion
  • u.v.a..

Röntgen und Urinuntersuchung können weiterhelfen

Um mögliche Differentialdiagnosen auszuschließen, kann es sein, dass der Arzt weitere Untersuchungen veranlasst. Dazu gehört z.B. eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs. Damit möchte der Arzt eine Entzündung im rechten unteren Lungenflügel ausschließen, die ähnliche Beschwerden wie bei einer Blinddarmentzündung auslösen kann.

Manchmal wird auch der Urin auf Bakterien und weiße Blutkörperchen untersucht, um eine Blasenentzündung auszuschließen. Auch sie kann nämlich schmerzhaft sein und ein ähnliches Beschwerdebild verursachen wie eine Blinddarmentzündung.

Quellen:

  • Kinderärzte im Netz
  • Gorter, R.R. et al., Diagnosis and management of acute appendicitis. EAES consensus development conference 2015. Surg Endosc 30, 4668 (2016).
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